Das Bild

Das Gemälde hing seit ihrer Kindheit an derselben, von Fliegenkot gepunkteten, holzgetäfelten Wand. Trotzdem musste Mara es jedes Mal für eine gefühlte Ewigkeit ansehen, wenn sie ihren Urlaub in der Berghütte ihrer Familie verbrachte, von der sie das letzte noch lebende Mitglied war. Da wanderte sie durch den Wald, über Wiesen und entlang der kühlenden Bergbäche, um der Hitze der Stadt mit ihren verschwitzten Menschenmengen zu entkommen, nur um dann auf ein Bild im Wohnzimmer zu starren. Die Ölfarbe wies längst Altersrisse auf, wirkte ausgebleicht oder von Staub bedeckt, ganz sicher war sie sich nicht. Vor ihr begannen die Linien vom langen Starren zu tanzen und das Gemälde zerfloss zu einem abstrakten, unverständlichen Muster vor einem braun fleckigen Hintergrund. […] Weiterlesen

Das letzte Gefecht

Sven schlug die Tür zu der verlassenen Berghütte zu und lehnte sich keuchend an den Rahmen. Der Geruch nach altem Bergkäse lag in der abgestandenen heißen Luft, unangenehm und beißend. Das späte Nachmittagslicht fiel durch die zwei Fenster, sodass in der staubigen Luft einzelne Sonnenstrahlen erkennbar waren. Mittlerweile waren wieder die Grillen zu hören, die bei Svens Ankunft verstummt waren. Gehetzt blickte er sich um; endlich war er alleine und fürs Erste sicher. Noch immer schwer atmend schob er den modrigen Holzriegel vor und lehnte sein Gewehr neben der Tür an die getäfelte Wand. Dann warf er die rot verfärbten Einweghandschuhe, die er in der linken Hand gehalten hatte, auf den Boden – immerhin hatte er so den Gegnern keine allzu offensichtliche Spur hinterlassen. Dann blickte er sich in dem Raum um, der ein […] Weiterlesen