Mary Sue

Abwesend ließ ich meinen Blick durch das dürftig besetzte Restaurant schweifen, als der Kellner meine letzten Teller abräumte und ich meinen Espresso bestellte. Der Regen prasselte gegen die bodentiefen Fenster, die mit Zimmerpflanzen verstellt worden waren, wohl damit die Gäste nicht wie Reptilien in einem Terrarium ausgestellt waren. Doch das Grünzeug gab mir kein besseres Gefühl bei der Sache, denn wie jeder Zoobesucher wusste, gab es auch begrünte Terrarien und eine Ausstellungen von dinierenden Homo Sapiens war alles, was da noch fehlt. Draußen flammten bereits die Straßenlaternen auf, um den stürmischen und nassen Herbstabend zu erhellen. „Verdammtes Hundswetter“, murmelte ich indigniert und fuhr zusammen, als ich realisierte, dass der Kellner mit meinem Kaffee hinter mir gestanden war. „Sorry“, […] Weiterlesen

Einem geschenkten Gaul …

Der Geruch nach frischem Heu und Pferden lag in der Luft und ab und an war das Scharren oder Schnauben eines der englischen Vollblüter in dem ordentlichen Stall zu hören. Das Zirpen der Grillen drang durch das geöffnete Tor gut hörbar hinein und schien in der Dunkelheit der Nacht noch viel lauter zu sein, als es sonst schon war.
Chloe seufzte und strich sich eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht, wohl wissend, dass diese nur allzu bald wieder ihren Weg zurück finden würde. Insgeheim verfluchte sie ihren Friseur, der wohl noch nie einen Stall von innen gesehen hatte, da er ihr immer von seinen 500-Dollar-Fransen vorzuschwärmen pflegte, welche  mindestens genauso unpraktisch wie schick waren. Im gelblichen Licht der alten, insektenumschwirrten Hängelampen, trug Chloe den leeren Eimer zurück zum Regal, […] Weiterlesen