Hus heimliche Heldentaten

Hu war entspannt, genoss die momentane Ruhe im Eulenhorst, im ganzen Wald. Sie streckte ihre Flügel, wobei ihre Gelenke nur so knackten und schnappte sich dann die Gießkanne, um die Geranien vor dem Horst-Eingang zu bewässern. Kaum hatte Hu die Fenster aufgemacht, war es mit ihrer Gelassenheit vorbei; sie konnte einige Waldameisen ausmachen, die singend an den Baumstamm pinkelten. „Verschwindet, ihr Banausen, das stinkt zum Himmel!“, uhute sie und kippte das abgestandene Gießwasser über die Störenfriede, ehe sie das Fenster zuschlug und entnervt zurück in die Küche stakste.
„Huhu-huhu“, schallte der Klingelton durch den leeren Horst und mit einem gebrummten „Auch das noch!“ kramte Hu ihr iPhone aus dem Federkleid. Das Display verriet ihr, dass der Anruf von Ha stammte, einer Kollegin, die am anderen Ende des großen Waldes […] Weiterlesen

Ein Mordsspaß

Kassandra mochte es, lange zu baden. Wenn sie ehrlich zu sich sein sollte, lag sie manchmal so lange in der Badewanne, dass ihre Finger und Zehen so verschrumpelten, dass sie die Linien ihrer Fingerabdrücke selbst nicht mehr wirklich hätte erkennen können. „Der ideale Zeitpunkt, ein Verbrechen zu begehen“, murmelte sie, bis ihr die sich ablösenden Häutchen einfielen, die man nach dem Baden immer hatte. „Vielleicht doch nicht“, fügte sie abwesend hinzu. Nicht, dass sie vorgehabt hätte, jemanden zu ermorden, nein, aber sie sah genug Krimiserien und las genug Detektivromane, um ihrer Fantasie manchmal freien Lauf lassen zu müssen. Und da sie in der Badewanne nie las (immerhin hatte sie nur das Licht einer flackernden Kerze, denn die grässliche Deckenbeleuchtung wollte sie nicht anmachen), drifteten ihre […] Weiterlesen