Am Pranger

Warnung: Diese Kurzgeschichte enthält Szenen, die auf einige Leser beunruhigend wirken könnten. Mehr zu unseren Warnungen sowie wann und weshalb wir sie anwenden, erfahrt ihr in unseren FAQ.

Jemand zieht ihn an seinen Fesseln ruckartig vorwärts. Leute jauchzen, andere raunen erzürnt jene Beschimpfungen, die ihn seit Wochen verhöhnen. Hart stößt man ihn zu Boden, die Haut über seinen Knien platzt auf den Pflastersteinen auf. Es ist bloß eine weitere Wunde von vielen. Der Gestank von Schweiß steigt ihm in die Nase, dann wird er gepackt, weggeschleift und sein Kopf nach unten gedrückt. „Seht ihn euch an“, donnert eine Stimme direkt neben ihm. „Eine dreckige, ehrlose Kreatur.“ Die Sonne steht tief, blendet ihn blind, als die Augenbinde verschwindet […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Bericht aus dem Pentagon

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Von Hunden und Bluetooth

Eigentlich bin ich ein Katzenmensch, Hunde finde ich aber auch unterhaltsam. Trotzdem befand ich das Ausbildungszentrum für Therapiehunde, dessen Gelände ich vor kurzem betreten hatte, für denkbar langweilig, insbesondere weil alle Hunde sehr folgsam waren. Da war niemand, dessen Frustrationstoleranz auf die Probe gestellt wurde oder der über eine Leine stolperte. Das normale Leben war gerade bestenfalls doppelt so langweilig wie Reality-TV, und das wollte etwas heißen. Ich ließ mich auf einer Bank nieder, deren Beine sicherlich von unzähligen Therapiehunden in ihrer Pinkelpause besucht wurde, und streckte mich.
Ich fuhr zusammen, als ein Fremder sich neben mich plumpsen ließ, sodass die Holzlatten sich bogen.
„Tagchen“, lachte der Kerl in Jeansjacke, blinzelte in die Sonne und zündete […] Weiterlesen

Weihnachts-Special | Josefs Bitch

„Oh, hey, Josef!“, brüllt Markus durch die winzige Gaststätte. Paulus und er haben sich vor über zwei Stunden getroffen, seitdem sitzen sie an ihrem Stammplatz und plaudern über dies und das. Das aktuell spannendste Thema ist selbstverständlich die Wiederkehr ihres Kumpels Josef. Dieser war nach der Volkszählung vor einigen Jahren nicht auf direktem Weg zurückgekommen, sondern erst nach Ägypten ausgewandert. Erfahren hatten sie das alles erst viel später von einem Verwandten der Familie, sodass Markus und davon ausgegangen waren, ihr Freund sei für immer verschollen. Dementsprechend groß ist die Begeisterung, als der dritte ihrer Gruppe über die Schwelle tritt.
„Mann, du hast dir Zeit gelassen“, schmunzelt Paulus, schiebt sich mitsamt Stuhl vom Tisch weg und streckt die Arme einladend aus. […] Weiterlesen

Advents-Special | Hells Bells

Die Adventszeit birgt manche Gefahren, das dürfte wohl für niemanden eine Neuigkeit sein. Vielleicht treffen sich die Konfliktherde im November zur Paarung, immerhin würde das erklären, weshalb sie sich im Dezember plötzlich vermehren wie räudige Karnickel. Oder, viel wahrscheinlicher, die Konfliktdichte verhält sich proportional zur Nähe, die man zur Familie hat. Kevins Beziehung zur Zeit der Teelichter, Zimttees, Mandarinen, Erdnüsse, Wollsocken und drakonischer Durchsetzung urkatholisch-irischer Traditionen war, wie man so schön sagt, kompliziert.

Als Sohn seines Vaters, welcher wiederum Sohn seines Vaters war, dessen Vater sich aus dem Pöbel erhoben und zum Pastor gemausert hatte, begegnete Kevin der unumstößlichen Erwartung, in die Familienfußstapfen […] Weiterlesen

Advents-Special | Ein Königreich für Lebkuchengewürz

Diese Geschichte ist Teil der lose verbundenen Story-Reihe „Weihnachtsdorf“.

Marcel steckte seine filigranen Hände tief in die Taschen des Wintermantels, als er über den verschneiten Bürgersteig eines irischen Städtchens schlenderte. Griesgrämig blinzelte er eine Schneeflocke weg, die auf seiner Wimper gelandet war und hoffte, diesen unfreiwilligen Botengang bald hinter sich zu haben. Vermutlich hatte der Chef ihn für diese Aufgabe ausgewählt, weil er ihm seit der Zeit vertraute, in der sie gemeinsam in einer Wohngemeinschaft gelebt hatten. Aus einem der hell erleuchteten Schaufenster blendete ihn eine Halogen-Lampe. Der kleine Mann drehte sich derbe fluchend um. „Klausverdammte Rentierkacke!“ […] Weiterlesen

233541 – Mein Name ist Yitzhak!

Du kauerst unter einer Birke, klammerst dich zitternd an ihren dünnen Stamm. Vorhin habe ich ihre Stimmen vernommen, in ihren Stiefel walzten sie zackig durchs Unterholz, eilten an uns vorüber. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass unser Verschwinden so schnell auffällt, hoffte, es käme frühestens beim morgendlichen Appell zur Sprache. Was unser Ausbruch für die anderen, unsere Freunde und Leidensgenossen, bedeutet, ist mir klar. Ich denke kaum mehr daran, wegen dir.

„Efim, sei still“, befehle ich dir im Flüsterton. Du gehorchst, verschluckst dein Wimmern und gewährst mir, dich ins kalte Weiß zu drücken. Erst heute früh habe ich das Loch im Zaun hinter der Wäscherei erspäht. Obwohl ich […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Die Fracht

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Altes Flanellnachthemd

„Hey, in welche Kiste soll das?“, rief Lena durch das Chaos im unbewohnten Schlafzimmer. Ich wandte mich um und konnte zuerst ihren staubbedecken Lockenschopf erkennen, was mich kindisch kichern ließ. „Wo hast den du denn deinen Kopf reingesteckt?“
„Wandschrank“, gab sie trocken zurück und hielt ein antikes Fotoalbum mit Ledereinband hoch. Die heldenmutige Asthmatikerin tauchte kopfüber in den Staub, wedelte mit dem Buch und setzte eine Wolke frei, die einem mittleren Vulkanausbruch würdig gewesen wäre.
„Spinnst du?“, keifte ich lachend, ehe ich auf das Album deutend meinte: „Das nehme ich mit, kannst es einpacken.“
Meine beste Freundin tat, wie ihr geheißen und verschwand sogleich wieder […] Weiterlesen

Zaira ist zu alt für diesen Mist

Zaira Zyan trabte auf dem Basketballfeld ihre Runden und genoss die Stille sowie die klirrendkalte Luft. Wie üblich war ihr Tag lang und hart gewesen, nichts für Anfänger, doch sie war ja längst keiner mehr. Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr arbeitete die zierliche Blonde daran, die Welt vor monströsen Unholden aus der Unterwelt zu retten. Heute war sie vierzig geworden.
Zaira betrachtete die Wolken, die ihre Nase verließen, um in die Nacht emporzusteigen. Inzwischen kauerte sie, den Kopf auf die Knie gestützt, unter dem Basketballkorb und zählte Kieselsteinchen auf dem Hartplatzboden. Sie könnte nach Hause gehen, wahrscheinlich sollte sie das […] Weiterlesen