Für’n A****

Marco, wie ihn seine Kunden nannten, starrte die kuriose Konstruktion an und verzog das Gesicht. Eigentlich hieß er mit Nachname Markovic, weshalb sich das Pseudonym Marco geradezu anbot. Als einer der Top-Freelancer in seinem Bereich hatte er einen Decknamen auch unbedingt nötig, schließlich taten international gesuchte Profikiller gut daran, ihren echten Namen möglichst selten auszusprechen. Diese Überlegungen traten in den Hintergrund für den Mann, der seine Ziele bereits in den Bergen von Afghanistan und dem bolivianischen Dschungel gejagt hatte, denn die ihm bevorstehende Aufgabe übertraf alles.
„Wie benutzt man das Ding?“ Skeptisch musterte Marco das bis zum Rand mit Wasser gefüllte Bidet und setzte sich nach einiger Überwindung. „Für was soll das gut sein, wenn man ein Lavabo und eine Dusche hat?“, […] Weiterlesen

Das Problem mit der Weltherrschaft

Abseits des malerischen Bergdorfs staksen zwei Schreiberlinge durch den Wald, in dem sie so manche Redaktionssitzung abgehalten haben. Nachdem diverse Dringlichkeiten wie anstehende Emails an einen Verlag, ein neues Schema für das Lektorat und ihre jeweiligen Lieblingskaffeesorten diskutiert worden sind, will die Blondere erfahren: „Nun, berichte von deinen Neuigkeiten, irgendwelche Fortschritte mit der Forschung?“ Statt zu antworten betrachtet die Angesprochene wie hypnotisiert die vor ihnen hin- und her wippenden Hundehoden. Diese schwarzen, fast haarlosen Kugeln, welche sich vom ansonsten weiß-braun-gefleckten Beaglefell hervorheben, boten schon oft Stoff für die kindischen Albereien in der Clue Writing Redaktion.
„Klöten oder Anus?“ Lenkt sie vom Thema ab und formuliert die Frage […] Weiterlesen

Zuverlässig zuversichtlich

„Ich denke, der Neue wird sich prima schlagen“, meinte Marius und schlich durch die menschenleere Bank. „Der hat die richtige Einstellung.“
„Wer, Jack?“ Bernard schüttelte den Kopf. „Seine Zuversicht interessiert mich nen Dreck, Zuverlässigkeit ist alles. Punkt.“
„Dann ist der halt zuverlässig zuversichtlich. Passt schon.“
Die beiden maskierten Männer langten vor einer mit einem Schloss gesicherten Gittertür an und Marius fischte einen Dietrich aus seiner Jackentasche, während Bernard einwandte: „Kev war zuverlässig zuversichtlich, jeden verfluchten Tag schien dem die Sonne aus dem Arsch. Ohne Hose hätte der das ganze Schlachtfeld beleuchten können. Und was hat es ihm gebracht?“
„Wer zum Teufel ist Kev?“, wollte Marius wissen, damit beschäftigt, das […] Weiterlesen

Von Trollen und Füßen

„Welche Trottel laden all die Fuß-Bilder auf Instagram hoch?“, blaffte Betty, die eben das Zimmer betreten hatte, entnervt mit dem Daumen auf dem Handy scrollend. „Ist ja wie Tinder für Fußfetischisten, totaler Idiotenverein!“
„Pst“, knurrte Olivia und wandte sich an ihre Mitbewohnerin: „Kannst du dich bitte in einem anderen Zimmer beschweren?“
Betty sah auf und musterte die Schießerei, die sich auf Olivias Bildschirm abspielte. „Schon wieder am Zocken? Kriegst du ihn?“
„Nicht, wenn du …“ Sie unterbrach sich, ließ ihren Charakter springen und zerlegte einen Gegner mit der Maschinenpistole. „Ha, nimm das!“
Betty murmelte: „Keine Ahnung, irgendwie kann ich mich nicht dafür erwärmen, aber du scheinst deinen Spaß zu haben.“ […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Plopp

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Der Fruchtfliegen-Effekt

„Na, wenn das mal nicht ein guter Tag wird“, seufzte Hailey und fragte sich, ob sie die falsche Profession gewählt hatte. Nur, das wäre jetzt, kurz nach ihrem dreiundfünfzigsten Geburtstag, kaum leicht zu ändern. Trotzdem, niemand, der keine Hitze vertrug und halbwegs bei Verstand war, eröffnete ein Ventilatorgeschäft, immerhin musste sie so jeden Sommer arbeiten, statt in den hohen Norden fahren zu können. Abwesend starrte sie über ihre Ladentheke auf das geschäftige Treiben: Die Hitze flimmerte über dem Asphalt vor dem alten Schaufenster, ein schäbig wirkender Gelenkbus tuckerte vorbei. „Scheißdreck“, stöhnte sie, wohl wissend, dass nicht einmal alle Ventilatoren der Welt eine Klimaanlage ersetzen konnten, eine Tatsache, die ihr regelmäßig verschwitzte Tage bescherte, wenn sie auch glücklicherweise von ihren Kunden ignoriert […] Weiterlesen

Passend gefaltet

Der Trockner piepst und spuckt aus, was ich ihm vor exakt einer Stunde und vierundzwanzig Minuten gefüttert habe:

  • Ein dunkelgraumeliertes T-Shirt, Größe Medium
  • Zwei royalblaue T-Shirts, Größe Medium
  • Ein navyblaues T-Shirt, Größe Large
  • Sechs schwarze T-Shirts, fünf Größe Medium, eines Large
  • Zehn Paar schwarze Sportsocken mit hellgrauem Bündchen, Größe Vierundvierzig bis Sechsundvierzig
  • Zehn schwarze Unterhosen, Slips mit halblangem Bein, mit jeweils zwei hellblauen Streifen am Bund, Größe Large
  • Vier Paar dunkelblaue Levis Jeans, klassischer Schnitt, Größe vierundfünfzig
  • Zwei Paar schwarze Chinos mit weißem Bund innen, Größe vierundfünfzig
  • Fünf dunkelgraue Frotteehandtücher
  • Zehn dunkelgraue Waschlappen
  • Ein blaukariertes Badehandtuch
  • Ein bordeauxrotes Tischtuch

[…] Weiterlesen

A.K.R.O.N.Y.M.

Philipp lehnte gegen das hölzerne Balkongeländer und gönnte sich eine Zigarette. Seit seiner Scheidung wohnte er in dem Häuschen am Waldrand, wo einzig der Postbote, ein paar verirrte Wanderer und unzählige Rehe vorbeischauten. Manchmal begäbe sich Phillip am liebsten mit dem Scharfschützengewehr aufs Dach, um die Reifen des pöstler’schen Mopeds zu zerschießen und auch vor dieser Störung Ruhe zu haben. Dieser Plan war allerdings aus zweierlei Gründen unrealistisch: Einerseits besaß Philipp kein Scharfschützengewehr und andererseits lieferte der Pöstler den Löwenanteil von Phillips Lebensmitteln.
Vor zwei Tagen jedoch hatte die jährliche Konferenz Phillips Leben drastisch auf den Kopf gestellt, denn der Zufallsgenerator hatte seine Residenz als Veranstaltungsort auserkoren. Und so musste er sich wohl oder übel damit abfinden, dass seine Berufskollegen sein unglaublich friedvolles […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | In die Röhre schauen

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Apokalypse für Anfänger

„Scheiße, scheiße, scheiße!“, keuchte Samantha, als sie die Treppe hochhastete. Die Pistole in ihrer Hand fühlte sich ungewohnt an, schwer, wenn auch zugleich beruhigend. Im Gegensatz dazu war der Schweiß an ihrem Körper nur unangenehm, stellte sie nebenbei fest, fasziniert, konnte sie im Adrenalinrausch noch solche Nebensächlichkeiten bemerken. „Verfluchtes Haus“, wetterte sie, als wie wieder im zweiten Stock anlangte, die ganzen Treppen machten ihr irgendwann noch den Garaus. Ein weiterer Grund zur Sorge, denn in einer kollabierten Gesellschaft würde sie entweder ganz schnell abnehmen und fit werden oder mit dem Großteil der Menschheit abkratzen.
Geistesgegenwärtig entschloss sie sich, Peters Waffe vorerst in die Tasche ihres Strickjäckchens zu stecken, ehe sie in die Küche zurückkehrte. Ihr […] Weiterlesen