Organe kosten nicht so viel, wie man denkt

Kim sah sich gerne als Gehirn der Operation, immerhin war sie die Chirurgin und als solche stand ihr, wie sie fand, Kevins Respekt zu. Dieser war nämlich, und das sollte man sich nicht schönreden, lediglich Anästhesist, ein überbezahlter Junkie. Leider war Kims Selbstbewusstsein in den letzten Monaten arge ins Wanken gekommen, wobei sie das selbstverständlich nie und nimmer vor ihrem Komplizen zugeben würde. Sei es wie es sei, auf jeden Fall saß die strebsame Frau auf der Gefriertruhe und trank in großen Schlucken ihr aus Japan importiertes Bier.
„Verkackte Scheiße!“, pfiff sie in den Flaschenhals. „Rob ist schon wieder zu spät. Verkackter, verschissener Mist!“
„Deine Flüche sind pleonastisch“, stellte Kevin trocken fest, gönnte sich ein Gläschen seines spritzigen Weißweins und schüttelte den Kopf. Weshalb der […] Weiterlesen

Erst töten, dann fragen

Mit einem gefrorenen Grienen nahm der Kellner Ps vollen Teller, deutete eine Verneigung an und trottete in Richtung Küche.
„Tut mir leid, dass du das mitansehen musstest“, meinte P zu Mara, die ihm gegenüber saß und schweigend in ihrem Lachs herumstocherte. „Manchmal muss man sich behaupten.“ Über Ps Nase verlief eine tiefe Furche, direkt vom unteren Rand des linken Nasenflügels bis zum inneren rechten Augenwinkel. Die gräulich lilafarbene Linie hatte P, wie er nie müde wurde zu erzählen, er von einem Angriff des Tigers erhalten. Neue Bekanntschaften ließen sich von dieser Geschichte immer fesseln; zum einen natürlich, weil Raubtierattacken als seltenes Ereignis grundsätzlich spannend waren, zum anderen, da jeder erfahren wollte, wie P zu so einer scheußlichen Narbe gekommen war. Die Neugier versiegte allerdings […] Weiterlesen

Es ist nicht Paranoia, wenn sie wirklich hinter dir her sind

„Mit unserer Flatrate steht Ihnen …“ Ich blende die Stimme des Kundenberaters aus, der eine andere Kundin berät (was Kundenberater halt tun) und sehe mich gelangweilt im Handyshop um, welcher mit Geräten aller erdenklichen Marken und Zubehörregalen vollgestellt ist. Die alte Matratze in meinem engen Apartment, der Inbegriff der Unbequemlichkeit, wirkt luxuriös und geräumig verglichen mit dem Fleckchen freien Boden unter meinen Füssen; wie sich irgendein Mensch in diesem Geschäft bewegen kann, ist mir ein Rätsel. Ein Rascheln lässt mich herumfahren und nach einem Moment verwirrten Umhersehens begreife ich, es ist lediglich das Prasseln der von heftigen Böen gegen die Schaufenster gewehten Regentropfen. Entspannter beobachte ich, wie die Kundin, die wie eine typische Oma aussieht, eine Frage stellt: „Ach, und mit dem Dings kann ich […] Weiterlesen

Zahltag

Vortag

Ein aufregender Tag wartete auf mich, womöglich der wichtigste meines Lebens und das alles verdankte ich Neumanns Einfall. Zu schade, Neumann würde das Resultat seiner Arbeit nie sehen, hätte die Feinheiten meiner Ausführung bestimmt zu schätzen gewusst. Es gab wenige, die meine Pläne kannten, weniger, die mich deshalb weder für skrupellos, noch verachtenswert hielten, es war daher verständlich, dass mir der Alte irgendwie fehlte.
„Komm heim“, rief meine bessere Hälfte durch den Telefonhörer. „Du musst dich ausruhen.“
„Ach, Schatz.“ Neumann hatte mir dazu geraten, sämtliche privaten […] Weiterlesen

Beste Freunde bis zum Schluss

„Drew, schrei mich nicht so an!“, brüllte Jackie um einige Dezibel lauter als ihr Kumpel. „Fuck. Ich hab gedacht, du machst Witze.“ Die Dunkelhaarige stand vor der Badewanne, ihre Arme hingen schlaff herunter und sie fixierte auf den Inhalt der Emaillewanne. „Fuck, fuck, fuck!“, wiederholte sie, fassungslos vom Anblick der sich ihr bot. Sie legte schnaufend den Kopf in den Nacken, bevor sie weit leiser hinzufügte: „Weißt du, als ich dir gesagt habe, ich sei Tag und Nacht für dich da, habe ich echt nicht so eine verfickte Scheiße gemeint. Viel mehr …“ Sie zuckte mit den Schultern. „… Streit in der Beziehung oder irgend so einen Dreck.“
Drew hielt sich still, schaute betreten zu Boden und wartete, bis seine beste Freundin sich abreagiert hatte. „Etwas, das man über einem Bier diskutiert, mit einer Tafel Schokolade im Mund beweint und dann mit einem […] Weiterlesen

Valentinstag-Special | Tradition

Ich lehne mich gegen Beifahrersitz und starre für eine Weile auf sein wohlgeformtes, mit Bartstoppeln gespicktes Kinn, das im gelblichen Schein der Straßenlaternen knapp auszumachen ist. Wie lange ist es her? Ich rechne still und komme zum Schluss: Das ist unser achter Valentinstag, wir sind noch so verliebt wie zu Anfang. Nun ja, fast, einiges hat der Gewohnheit Platz gemacht, ist im Alltag aufgegangen. Heute ist es allerdings anders, denn obschon wir diesen Tag traditionsgemäß als Paar feiern, so war doch jeder der sieben bisherigen genauso einzigartig, wie Schneeflocken es sind. Selbst Schneeflocken schmelzen früher oder später, vergehen und verschwinden im Nimmerland, werden zu einem winzigen Teil unserer Erinnerungen. Ähnlich dem Winter, der jährlich wiederkehrt, erscheint unsere kleine, romantische Tradition pünktlich zum vierzehnten […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Die Fracht

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Gaststory | Alles koscher!

Wie schon zweimal zuvor erhielt Ariel seine Karteikarte erst einen Tag vor dem eigentlichen Auftrag – fein säuberlich in einem zugeklebten Umschlag.
Jargo, der kleine Boss, schaute ihn ernst an. „Morgen um zehn Uhr erwartet dich beim angegebenen Bahnhof ein Herr Lehm. Da bekommst du auch dein Lieferauto.“ Jargo sagte es mit einem Augenzwinkern, wussten doch beide, dass es sich wahrscheinlich um einen schnellen Sportwagen handelte. „Sei pünktlich.“
Ariel nickte. Er verließ so cool wie möglich die Lagerhalle. Verhalte dich wie James Bond, murmelte der Teufel auf seiner Schulter, undurchschaubar. Der Engel auf der anderen Seite schnaubte nur verächtlich Wunschdenken. […] Weiterlesen

Halloween-Special | Durch die Gläser eines Mörders

Seit ich meine Brille abgeholt habe, konnte ich der Aussicht vor dem Fenster nicht wiederstehen. Die Gebüsche, welche wenig zuvor kaum mehr als grünliche Flecken gewesen waren, bestanden aus Milliarden von Blättern. Jedenfalls schien mir das so, die Details der Natur waren mir nämlich völlig fremdartig und da hielt ich eine kleine Übertreibung für angebracht. Der Optiker hatte zuerst freundlich geschmunzelt, dann entwischte ihm ein spitzes Kichern, nachdem er meine Sehwerte begutachtet hatte. Wie mir eine derartige Einschränkung erst jetzt hatte auffallen können, wunderte er sich laut, schaute mich eindringlich an und schnaufte schlussendlich ernst: „Sie werten die Welt neu kennenlernen.“ Er sollte Recht behalten. Es […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Der Teufel tanzt im Kreis

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