Special zur sechshundertsten Story | Die Sechshundert

„Hach, was für ein schöner Tag“, frohlockte Melissa, als sie die Fensterläden aufmachte und auf die verschneite Morgenlandschaft blickte. „Beinahe idyllisch.“
Alexander, ihr Mann, streckte sich ausgiebig und strich sich über den Bart. „Hauptsache, wir haben reichlich zu essen und Brennholz.“ Damit schlenderte er ins Badezimmer, um sich frischzumachen.
„Was für ein Morgenmuffel“, kicherte Melissa und stellte die Tassen für das Frühstück auf den Tisch. Die Dielen ächzten unter ihren Schritten und insgeheim fragte sie sich, ob das am Alter des Fußbodens lag, oder sie zugenommen hatte – zu dumm, gab es keine Waage. Routiniert stapelte sie Holz in den Ofen, entzündete ein Streichholz und seufzte: „Ein Generator wäre nett.“ Sie beobachtete schweigend, wie die Flammen Halt fassten und […] Weiterlesen

Weihnachts-Special | Weihnachten auf der Spes Solis

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

„Gānbēi!“, flötete Lin fröhlich, als sie ihr Glas mit dem widerlichen Getränk über dem Tisch in die Höhe hob. Greg und Seung stießen bereitwillig an, zögerten dann aber, als es darum ging, das Zeug wirklich zu trinken, das nicht nur eine grausige Farbe hatte, sondern auch nicht viel besser roch.
„Wie wär’s stattdessen mit Tee?“, versuchte Seung vorsichtig vorzuschlagen und stellte sein Glas wieder auf den Tisch. Er hätte damit gerechnet, dass Lin ihn rügen würde, immerhin war sie es gewesen, die mühsam aus den heruntergefallenen Früchten etwas gebraut hatte, das bloß entfernt an Wodka erinnerte. Doch zu Seungs Überraschung war es Greg, der beinahe befehlend blaffte: „Keine Rückzieher, trink!“ […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Patrizid

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Special zu Sarahs zweihundertfünfzigster Story | Auf nach Alteram Vicem

Entnervt lausche ich der Stimme in meinem Kopf, die verkündet, ich solle aufstehen. Ich habe Wecker schon zu jenen Zeiten gehasst, als ich keine bioelektronischen Implantate hatte, aber die telepathische Version ist tatsächlich schlimmer. „Ist gut, bin wach“, murre ich gedanklich und richte mich auf – wenigstens ist der impertinente Piepston, der zusätzlich durch meinen Schädel hallte, endlich verstummt. Die erste halbe Stunde des Tages ist für mich bis heute seltsam: Während die Cyborg-Teile vollständig hochgefahren sind, kommt der organische Teil meines Körpers gerade erst zu sich. Nach über zweihundertfünfzig Jahren habe ich aufgegeben jemals ein Morgenmensch zu werden. Glücklicherweise ist die Erde ein Ort, der nie schläft und meinem Jobs als Schriftstellerin und Designerin virtueller Realitäten kann ich rund um die Uhr nachkommen. […] Weiterlesen

Special zu Rahels zweihundertfünfzigster Story | Alteram Vicem

Das System wird gebootet, die Bioware-Treiber initialisiert und schließlich rahel3145.exe ausgeführt. Schlagartig öffne ich die Augen und starre an die Deckenkuppel meines Habitats, wo aktuelle Wetterdaten, Nachrichten und verpasste Mitteilungen eingeblendet werden. In Gelb hinterlegter Schrift zählt der Countdown zu Sarahs Ankunft hinunter: Zwei Tage, sechsunddreißig Stunden, zwölf Minuten und vierzehn, nein, dreizehn Sekunden. Achtundzwanzig Jahre ist es nun her, seit wir uns das letzte Mal in Fleisch und Blut statt via Direktübertragung gesehen haben. Wobei die Umschreibung ‚Fleisch und Blut‘ zumindest bei Sarah nicht mehr ganz korrekt ist, besteht sie doch vorwiegend aus mechanischen Teilen. Ich hingegen ließ meinen Originalkörper zurück, als seine Gebrechen umfangreichere Modifikationen bedurften. Einen sentimentalen Wert hatte […] Weiterlesen

Glückstreffer

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

„Erinnere mich bitte: Warum sind wir hier?“, beschwerte sich Porter durch den Schlamm staksend. Wehmütig sah er sich in dem längst überwucherten Zwinger um und war froh, waren sämtliche Käfige geöffnet und keine Hundeskelette darin. Sein Begleiter, Rhys, ließ sich auf einer rostenden Metallbox nieder und starrte auf die in der Sommerhitze flimmernde Straße. „Ich sage, wir legen eine Pause ein.“
„Prima Idee.“ Porter machte es sich neben dem Kameraden bequem und kramte seine Wasserflasche aus dem Rucksack. „Diese Sache war ein Reinfall.“
Trocken lachend stimmte ihm Rhys zu. „Ja, schlimmer als deine […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Einer von ihnen

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Die Reisende

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

Über den sandigen Straßen flirrte die Spätnachmittagshitze, als Lucy erst einem Kamel, und dann einer in ihre praktische, weiße Tunika gehüllten Frau mit Kinderwagen auswich. Wüstensiedlungen wie diese hatte sie in den letzten zehn Jahren zur Genüge besucht, genauso wie schäbige Ortschaften. Obschon sie grundsätzlich immer alleine reiste, hatte sie sich seit Ewigkeiten nicht so alleine gefühlt wie jetzt. Nun ja, bisher war auch noch nie der Geheimdienst hinter ihr her gewesen. Sehr zu ihrem Erstaunen war sie deshalb nicht aufgebracht, stattdessen einigermaßen gelassen; selbst die für sie untypischen Capri-Hosen störten sie mehr.
Unschlüssig blieb Lucy auf der Straße stehen, sah sich zwischen den […] Weiterlesen

Der Fruchtfliegen-Effekt

„Na, wenn das mal nicht ein guter Tag wird“, seufzte Hailey und fragte sich, ob sie die falsche Profession gewählt hatte. Nur, das wäre jetzt, kurz nach ihrem dreiundfünfzigsten Geburtstag, kaum leicht zu ändern. Trotzdem, niemand, der keine Hitze vertrug und halbwegs bei Verstand war, eröffnete ein Ventilatorgeschäft, immerhin musste sie so jeden Sommer arbeiten, statt in den hohen Norden fahren zu können. Abwesend starrte sie über ihre Ladentheke auf das geschäftige Treiben: Die Hitze flimmerte über dem Asphalt vor dem alten Schaufenster, ein schäbig wirkender Gelenkbus tuckerte vorbei. „Scheißdreck“, stöhnte sie, wohl wissend, dass nicht einmal alle Ventilatoren der Welt eine Klimaanlage ersetzen konnten, eine Tatsache, die ihr regelmäßig verschwitzte Tage bescherte, wenn sie auch glücklicherweise von ihren Kunden ignoriert […] Weiterlesen

A.K.R.O.N.Y.M.

Philipp lehnte gegen das hölzerne Balkongeländer und gönnte sich eine Zigarette. Seit seiner Scheidung wohnte er in dem Häuschen am Waldrand, wo einzig der Postbote, ein paar verirrte Wanderer und unzählige Rehe vorbeischauten. Manchmal begäbe sich Phillip am liebsten mit dem Scharfschützengewehr aufs Dach, um die Reifen des pöstler’schen Mopeds zu zerschießen und auch vor dieser Störung Ruhe zu haben. Dieser Plan war allerdings aus zweierlei Gründen unrealistisch: Einerseits besaß Philipp kein Scharfschützengewehr und andererseits lieferte der Pöstler den Löwenanteil von Phillips Lebensmitteln.
Vor zwei Tagen jedoch hatte die jährliche Konferenz Phillips Leben drastisch auf den Kopf gestellt, denn der Zufallsgenerator hatte seine Residenz als Veranstaltungsort auserkoren. Und so musste er sich wohl oder übel damit abfinden, dass seine Berufskollegen sein unglaublich friedvolles […] Weiterlesen