Ein ganz normaler Tag

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“ und lässt euch ein bisschen mehr über die Figuren der Promise-Reihe erfahren.

Stanleys Tag lief seiner Ansicht nach alles andere als gut: Erst war er nach einer viel zu kurzen Nacht übermüdet aufgestanden, hatte sich die Zunge am heißen Morgenkaffee verbrannt und langsam aber sicher bahnten sich Kopfschmerzen an. Mit einem kraftlosen Grummeln ging er die paar Stufen zur Brücke des alten Sternenschiffes hoch, die Tür vor ihm glitt automatisch zur Seite.
„Morgen, Stan!“, flötete Natala, der Frachter-Captain der Promise, ohne sich von der Kommandokonsole abzuwenden. „Na, ordentlich geschlafen?“ […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Der Hüter des Zylinders

Dies ist eine Bonus-Story, ein Dankeschön für unsere Patreon-Unterstützer. Wer Zugang zu diesem und vielen weiteren exklusiven Inhalten haben möchte, kann sich jederzeit auf Patreon als Clue Writing Unterstützer registrieren und das Passwort erhalten. Selbstverständlich bleiben alle regulären Inhalte von Clue Writing kostenlos verfügbar. Um die Geschichte zu lesen, gebt bitte euer Passwort ins unterstehende Feld ein:

Advents-Special | Ein Königreich für Lebkuchengewürz

Diese Geschichte ist Teil der lose verbundenen Story-Reihe „Weihnachtsdorf“.

Marcel steckte seine filigranen Hände tief in die Taschen des Wintermantels, als er über den verschneiten Bürgersteig eines irischen Städtchens schlenderte. Griesgrämig blinzelte er eine Schneeflocke weg, die auf seiner Wimper gelandet war und hoffte, diesen unfreiwilligen Botengang bald hinter sich zu haben. Vermutlich hatte der Chef ihn für diese Aufgabe ausgewählt, weil er ihm seit der Zeit vertraute, in der sie gemeinsam in einer Wohngemeinschaft gelebt hatten. Aus einem der hell erleuchteten Schaufenster blendete ihn eine Halogen-Lampe. Der kleine Mann drehte sich derbe fluchend um. „Klausverdammte Rentierkacke!“ […] Weiterlesen

Die allerletzten Eidgenossen

Fortsetzung und Schluss zu: „Die letzten Eidgenossen“.

Höhle, [Lage Geheim], Schweiz, 1. August 2083

„Ich sehe etwas, was du nicht siehst und das ist …“
Martin, dem das Spiel gehörig auf den Kieker ging, unterbrach seinen Kameraden: „Alles außer das, bitte!“
„Okay“, seufzte Basil und musterte die Dose, die er in der Hand hielt. „Bohnen. Ich sehe Bohnen.“
Martin starrte demotiviert in die Flammen des kleinen Feuerchens. „Und […] Weiterlesen

Lass uns spielen

Jerome stand vor der Teigmaschine und betrachtete die rotierenden Bewegungen im Kessel. Wie üblich war es heiß in der Backstube, es war halb vier Uhr morgens und der Betrieb lief auf Hochtouren. Dennoch fror er, ihm war flau. Sein Magen fühlte sich eiskalt an. Der Arbeitsraum lag im Keller, dennoch gewährte eine schmale Luke den Blick in den Hinterhof, wo das satte Grün eines Ahorns Tag für Tag mehr ins Gelbliche kippte. Ein Großteil der Blätterpracht verschrumpelte mittlerweile zu seinen Wurzeln, raschelte jeweils unter Jeromes schweren Schritten, wenn er kurz nach Mitternacht zur Arbeit marschierte. Er hatte den Ahorn heute früh kaum wahrgenommen und war mit offenen Augen gegen einen Laternenpfahl gelaufen. Sein Hirn wollte nicht richtig funktionieren, knetete seine Gedanken wie die Teigmaschine den Teig. Ob das am Tumor lag, der an […] Weiterlesen

Vampir, hungrig, sucht …

„Als Vampir hat man es nicht immer leicht. Davon hört oder liest man nichts, nein. Entweder werden wir als blutrünstige Monster dargestellt, vielleicht als kitschige Romantik-Fantasie. Ob ein Vampir seine Steuererklärung ausfüllt, aufs Klo geht und Pakete auf die Post bringt, ja, das will keiner wissen. Ehrlich, in einer Gesellschaft, in der man uns bloß auf Stereotypen reduziert, läuft einiges schief.“
Ich lege den Stift beiseite, denn ich kann schlecht ewig hier im Krankenhaus im Wartebereich herumlungern, ansonsten erwecke ich Verdacht. Mein Tagebuch muss sich daher gedulden und ich widme mich meinem aktuellen Problem: Blutkonserven zu klauen ohne dass ein Arzt auf die Idee kommt, meine Temperatur zu messen (die, da ich untot bin, selbstverständlich identisch mit der Raumtemperatur ist, was zu einem kleinen […] Weiterlesen

Gaststory | Kalte Erkenntnis

Lena fror. Sie drehte am Regler für die Klimaanlage. Eine Kältewelle war im Oktober über Österreich hereingebrochen. Dunkelheit umgab Lenas Auto. Sie gab mehr Gas. Die Autobahn war wie leergefegt. Es war schon geraume Zeit her, seit sie ein anderes Auto gesehen hatte. Mit einem Blick auf ihr Navigationsgerät stellte Lena fest, dass es bereits 20 Uhr war. Die aktuelle Ankunftszeit betrug 23:31 Uhr. Obwohl es im Auto allmählich wärmer wurde, fröstelte Lena. Die seltsame Kälte, die sich seit dem Streit mit der Mutter in ihrem Inneren ausgebreitet hatte, wurde stetig schlimmer. Lena würde niemals zu Mamas Hochzeit mit diesem Heiko kommen. Mama gehörte zu Papa. Daran gab es keinen Zweifel. Mama hatte Papa vergrault. Vertrieben. Hatte sie es nicht ertragen können, dass Tochter und Mann ein Herz und eine Seele gewesen waren, hatte sie es als […] Weiterlesen

Special zum fünfjährigen Jubiläum | Fünf Jahre und ein Weltuntergang

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

„Fünf Jahre ist es her, seit es seinen Anfang genommen hat. Die glühende Sonne ist auf- und untergegangen, der Wüstensand steckt jeden Tag in meinen verfluchten Schuhen und Jahreszeiten verwandelten sich in eine Erinnerung aus einer weit entfernten Epoche meines Lebens. Ich hätte mir einen schöneren Ort als diese Staubschüssel für mein Exil aussuchen sollen, doch dazu ist es zu spät, ich bin hier gestrandet.“
„Bist du ein Poet oder so?“, will der grobschlächtige Kerl wissen, der sich an die Bartheke lehnt. Ich gluckse müde und entgegne: „Nein, betrunken.“
„Ist dasselbe“, gibt er schulterzuckend zurück und stürzt seinen Agavenschnaps in einem […] Weiterlesen

Fußspuren

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

Ich bin verdammt kribbelig. Es kribbelt mich in den Fingern, den Füßen, dem Rücken, vermutlich überall. Ich versuche mich abzulenken, starre aus dem Fenster auf die vorbeiziehende Skyline und vermute, alles, was ich tun könnte, vermochte mich niemals von dem Bevorstehenden abzulenken.
Mit einem leisen Zischen gleitet die Tür zu meinem Zugabteil auf und ein junger Mann steht davor. „Ist hier noch einer frei?“
„Bitte“, entgegne ich mit einer unnötig auslassenden Handbewegung auf die fünf leeren Plätze und widme mich erneut der rasch näherkommenden Metropole, während mein […] Weiterlesen

Winter im Tonstudio

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.
Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.
Fortsetzung und Schluss zu: „Symphonie im Bunker“.

Der kalte Nachtwind fegte Nani vereinzelte Schneeflocken ins Gesicht und ihre Ohren schmerzten, dabei brannten ihre Lungen vom Aufstieg. „Sag mal“, begann sie und lehnte sich gegen eine Wand, „denkst du, wir schaffen es?“
„Hinauf? Keine Ahnung“, murmelte der Junge, alles andere als zuversichtlich. Er hatte seine abgewetzte Jeansjacke eng um seinen ausgemergelten Oberkörper geschlungen. Nani hatte seinem Schritt die Erschöpfung angesehen, zumindest beim Erklimmen der letzten fünf […] Weiterlesen