Glückstreffer

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

„Erinnere mich bitte: Warum sind wir hier?“, beschwerte sich Porter durch den Schlamm staksend. Wehmütig sah er sich in dem längst überwucherten Zwinger um und war froh, waren sämtliche Käfige geöffnet und keine Hundeskelette darin. Sein Begleiter, Rhys, ließ sich auf einer rostenden Metallbox nieder und starrte auf die in der Sommerhitze flimmernde Straße. „Ich sage, wir legen eine Pause ein.“
„Prima Idee.“ Porter machte es sich neben dem Kameraden bequem und kramte seine Wasserflasche aus dem Rucksack. „Diese Sache war ein Reinfall.“
Trocken lachend stimmte ihm Rhys zu. „Ja, schlimmer als deine Liebesgeschichte mit der … wie hieß die noch gleich, du weißt schon, die am Raumhafen?“
„Nein, nein, nein, das Thema ist Geschichte!“, blaffte Porter peinlich berührt. „Das war das letzte Mal, dass ich eine Gangsterin gedated habe, Kriminelle haben alle einen an der Klatsche.“
Rhys konnte sich eine weitere Stichelei nicht verkneifen: „Na ja, als sie die halbe Bar aufgemischt hat, fand ich das lustig.“
„Wir wollten Hehlerware verkaufen und du findest es witzig, wenn wegen der die Cops angerannt kommen? Nein, Mister, das war nicht witzig, das war ein Problem!“
„Tja, dein Gesicht war unbezahlbar“, erwiderte der ältere und erhob sich. „Okay, gehen wir weiter.“
„Hier gibt es sowieso kaum was zu plündern, im Prinzip können wir aufgeben und uns auf den Rückweg zum Sternenschiff machen.“ Damit stand der Stämmige ebenfalls auf, schulterte seinen Rucksack und deutete gegen Norden. „Wäre jeder verlassene Planet eine Goldgrube …“
„Ich bin nicht bereit jetzt aufzugeben. Probieren wir die nächste Siedlung, danach bekommst du deinen Willen.“
„Wieso bist bloß du alter Ire Captain – wird Zeit für eine feindliche Übernahme“, motzte Porter leise, Rhys hörte es gerade so, wusste allerdings, der Kamerad respektierte ihn und stänkerte lediglich ein bisschen. Er wandte sich um, um sich zu vergewissern, dass sie alles eingepackt hatten, da fror er in der Bewegung ein. „Stop!“
Porter, der bereits lange mit ihm reiste, erkannte den alarmierten Tonfall und zog seinen Blaster. „Was?“ Er folgte Rhys‘ Fingerzeig zu einer Holocam, die an einem Schwanenhals aus der Ziegelmauer hervorragte. „Sieht die für dich alt und verwittert aus?“
Skeptisch beäugte er das Gerät. „Nein, jemand hat die montiert, lange nachdem die Welt vor die Hunde ging.“
„Also ist vielleicht wer in der Nähe“, folgerte Rhys. „Halten wir die Augen auf.“
Wie aufs Stichwort blaffte sie aus einem Lautsprecher an der Kamera eine raue, männliche Stimme an: „Verschwindet, das ist Privatgelände!“
Rhys fuhr zusammen. „Hey, wir haben keine bösen Absichten – wollen wir uns kurz unterhalten?“
Für mehrere Sekunden herrschte angespanntes Schweigen, dann ertönte die mürrische Antwort: „Von mir aus, doch wenn ihr nach den Waffen greift, schieße ich.“

Das Duo wartete nur kurz, bis der Unbekannte aus einem an die Zwinger grenzenden Gebäude trat, einen Blasterkarabiner im Anschlag. Rhys musterte den alternden Mann, dessen sonnengegerbte Haut auf Arbeit im Freien schließen ließ. „Was wollt ihr?“
„Wir sind auf der Durchreise“, erklärte Rhys. „Wo ist die nächst größere Siedlung? Wir haben leider keine aktuelle Karte.“
„Es hier weder Siedlungen noch Karten“, murrte Einheimische. „Die Region ist seit Jahrzehnten unbewohnt, weil die Minen unrentabel geworden sind.“
„Tja, nicht völlig“, kommentierte Rhys grinsend das Offensichtliche und kam dann aufs Thema zurück: „Wir sind nicht auf der Suche nach bewohnten, vielmehr verlassenen Siedlungen.“
„Plünderer, was?“, gluckste er und mangels einer passablen Ausrede nickte Rhys. Der alte Mann fuhr fort: „Da seid ihr am falschen Ort, die Freibeuter haben sich schon alles geholt, was es zu holen gab, auf dieser Welt ist kaum mehr was übrig. Was ihr im ComNet lest, ist bestenfalls eine Momentaufnahme des Untergangs, seither hat sich viel verändert.“
„Verdammt“, seufzte Porter. „Wieder ein Reinfall. Raumschiffwracks sind lukrativer.“
„Und radioaktiver“, spottete der Alte und senkte sein Gewehr. „Für Gauner scheint ihr ganz okay zu sein. Kommt rein, ich koche euch einen Tee – ich hab ja sonst kaum je Gesellschaft.“

Der Einsiedler, der sich als Ahmed vorgestellt hatte, rührte in seiner Tasse und meinte: „Wohl bekomm’s.“
Rhys nahm einen Schluck von dem starken Gebräu und sah sich in dem ehemaligen Büroraum um, in dem Ahmed sich wohnlich eingerichtet hatte. „Wieso bist du geblieben, als die anderen ausgewandert sind?“
„Das ist meine Heimat“, entgegnete der Angesprochene schulterzuckend. „Ich gehöre hierhin. Von den Freibeutern ließ ich mich zwar aus der Stadt, nicht aber vom Planeten vertreiben, die hatten kein Interesse an mir, sondern nur an Wertsachen in großen Siedlungen. Darum lebe ich jetzt hier draußen, in der Anlage hat es zudem in der Tierarztpraxis Medikamente.“
„Na, da hast du Glück gehabt.“ Porter hob seine Tasse zum Anstoßen. „Auf ein langes Leben.“
Die anderen stimmten ein und schließlich knurrte Ahmed: „Trotzdem kann ich die keineswegs leiden. Es ist ja eines, wenn man klaut, doch die haben mit Menschenhandel zu tun. Sogar aus meiner Familie wurden Angehörige verschleppt.“
Rhys brummte zustimmend. „Üble Sache.“ Die Machenschaften der Freibeuter gingen auch ihm gegen den Strich.
Ahmeds Mine hellte sich auf. „Hey, ich habe da eine Idee – ich weiß, wie ihr denen einen Denkzettel verpassen könnt und zudem zu Wertsachen kommt.“
„Erzähl.“
„Na ja, die haben in der Gegend eine Höhle, in der sie ihr Diebesgut bunkern, weil sie nie alles auf einmal vom Planeten transportieren können. Wenn ihr die ausräumt, habt ihr euch einen schönen Batzen verdient.“

„Siehst du, manchmal ist es vorteilhaft sich mit jemandem zu unterhalten statt ohne Vorwartung loszuballern“, scherzte Rhys, als er neben Porter nordwärts schritt. „Es lassen sich durchaus gute Geschäfte machen.“
Porter grunzte erheitert. „Gut? Das ist die Untertreibung des Jahres. Wie es klingt, haben ein paar dreckige Gesellen das Plündern für uns erledigt und neben der Beute können wir noch über ihren Verlust schadenfreudig sein – ein Glückstreffer!“
„Das ist Networking, mein Freund“, lachte der Captain und hoffte, die Ausbeute wäre groß genug, um einige Zeit über die Runden zu kommen.

Autorin: Sarah
Setting: Zwinger
Clues: Liebesgeschichte, Momentaufnahme, Sommerhitze, Übernahme, Schwanenhals
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