Inside Clue Writing: Der Podcast

Logo - Clue CastWerte Clue Reader,

was steckt eigentlich hinter der Entstehung einer Episode des Clue Cast? Zweimal pro Woche erscheint eine Kurzgeschichte auf dem wohl kultigsten deutschsprachigen Literatur-Podcast, dessen Redakteurinnen offensichtlich nicht durch Bescheidenheit glänzen. Und nun haben wir unsere Protokolle, Audio-Dateien und Desktops geöffnet und laden euch ein auf eine Reise über drei Monate, die wir in Form von Text, Bild, Audio und Video in diesen einen Post gepackt haben.

Die Geschichte einer Clue Cast Episode beginnt bei mir, Sarah. Ich bin diejenige, von der ihr als Clue Listener weniger direkt hört, weil meine Stimme nicht annähernd so bezaubernd ist wie diejenige von Rahel. Daher bin ich dafür zuständig, die ganze Administration zu erledigen, die Sprecher zu betreuen und die Geschichten auszuschreiben – damit beginnen wir jetzt.
9 - CC ProtokollZuallererst müssen Rahel und ich uns entscheiden, welche Geschichten drei Monate später als Episoden erscheinen sollen. Dazu wähle ich einen normalerweise kontinuierlichen Block aus dem Clue Writing Archiv aus, der möglichst vielseitig ist und bespreche ihn mit Rahel. Haben wir uns geeinigt, beginnt die eigentliche Vorbereitung. Ich texte die sinnlosen Sprüche, die ihr zu Beginn und Ende jeder Episode hören könnt und übertrage sie zusammen mit den Stories in unser Clue Cast Protokoll, in dem wir die Übersicht über alle Episoden haben. Zudem füge ich die Episoden fortlaufend in unseren Google-Kalender ein, damit alle nachsehen können, wann welche Story erscheinen wird.

Nun ist es an der Zeit, unsere Sprecher wählen zu lassen, was sie gerne einlesen möchten. Wir arbeiten dazu mit der deutschsprachigen Sprecher- und Hörspielcommunity hoerspielprojekt.de zusammen, die in ihrem Forum „Hoer-Talk“ eine Plattform für Independent-Projekte bietet. Ich verfasse einmal pro Monat einen Beitrag, in dem ich die Episoden ankündige, die eingelesen werden müssen und erzähle zugleich den Sprechern, was es bei uns Neues gibt. Bei den dreiundzwanzig Stimmen, die schon für den Clue Cast gelesen haben, geht das natürlich nicht in einer Diskussionsrunde, denn da würden wir alle sehr schnell die Übersicht verlieren. Deshalb füge ich die neuen Stories in das Abstimmungstool Doodle ein, wo sich unsere Sprecher gleich auf die Geschichten bewerben können, ganz nach dem Prinzip „First come, first served“. Meistens geht das so rasch, dass gar nicht alle Sprecher, die gerne in diesem Monat mitmachen möchten, eine Story bekommen. Vor so viel Begeisterung muss man sich einfach verneigen – ganz ehrlich!
Jetzt mache ich mich daran, die Skripts zusammenzustellen, in denen jeweils der Titel, die eigentliche Story und die Schlusssätze enthalten sind und beginne damit, diese an unsere Sprecher zu versenden. Natürlich haben wir auch eine Sprecherliste mit allen Mailadressen, die ich euch aber aus Datenschutzgründen nicht zeigen kann, also müsst ihr ausnahmsweise mein Wort dafür nehmen, dass sie schön bunt und sehr organisiert ist.
Sind die Skripts versandt, haben mich diese Episoden vorerst nicht mehr zu kümmern, denn nun bleibt den Sprechern zwei Monate Zeit, die Episoden einzulesen und uns die Audiodateien zuzusenden. Natürlich beantworte ich hier und da Fragen, stehe helfend zur Seite und muss ab und an eine einzelne Episode umplanen, weil jemand krank, heiser oder gestresst ist, doch das ist dank dem langen Zeitrahmen eher die Ausnahme. Dazu kommt, dass ich in dieser Zeit auch noch das eine oder andere Skript für den Intro- und Outro-Text schreibe und die von Rahel geschriebenen korrigiere, doch dazu wird euch meine Co-Redakteurin später mehr erzählen.

Schon nach ein paar Tagen erreichen mich die ersten Aufnahmen, die dann den Weg in unser Google Drive finden und von mir angehört werden, um sicher zu sein, dass alles da und die Datei nicht beschädigt ist. Zudem hört auch Rahel kurz in diese Audiodateien, da sie später für den Edit zuständig ist und beurteilen kann, ob die Qualität gut ist. Nun hat Rahel einen Monat Zeit für die Bearbeitung dieser Episoden, bevor schliesslich der Monat anbricht, in dem sie laufend erscheinen werden. So haben wir genügend Spielraum, um wenn nötig etwas zu verschieben, ändern oder umzuplanen. Die Aufnahmen sind im Google Drive sortiert und richtig benannt, die Sprecher verdankt und die Protokolle aktualisiert – Zeit, den Stab an Rahel zu übergeben, sowohl in unserer Beispielepisode als auch in diesem Post!

Ein klein wenig habe sogar ich, Rahel, mit der ganzen Administration zu tun, auch wenn ich mich meistens davor drücken kann. Da die gute Sarah nun eben nicht mit ihrer Hörfähigkeit glänzt (sorry Sarah, dafür kannst du Labern!), lausche ich laufend in die eingehenden Aufnahmen unserer werten Sprecher und beantworte ihre Fragen zu allem, was mit Audio zu tun hat. Das klingt jetzt so, als wüsste ich wovon ich spreche. Das stimmt selbstverständlich nicht, aber immerhin weiss ich, wo ich Hilfe finde (na wo wohl? Auf Hoer-Talk.de).

7 -ScriptJetzt, da Sarah alles hübsch für mich vorbereitet hat, liegt es an mir, meine Ohren und meine Stimme in Fahrt zu bringen. In der Regel beginne ich mit dem Intro, Outro und den lustigen Sätzen für die zu bearbeitende Woche. Bevor ich überhaupt in die Nähe des Mikrofons gehe, korrigiere ich das vorbereitete Skript und verändere es gegebenenfalls ein wenig. Uns ist klar, dass euch vor allem die Kurzgeschichte und nicht unser Gelaber interessiert, weswegen wir uns bemühen, diese Teile wenigstens einigermassen unterhaltsam zu gestalten. Klar ist nun auch, dass wir uns dabei gut und gerne auch etwas austoben und euch demonstrieren wollen, für wie witzig wir uns halten.

TalkboxWenn das Skript fertig ist, wird es Zeit mich als Baumeister zu versuchen. Mit Klapptisch, Kissen, Decken, Kopfhörern und natürlich dem Mikrofon bewaffnet errichte ich das original Clue Writing Studio und bereite die Audio-Dateien zur Aufnahme vor. Ein paar Klicks in den Tiefen der Windows Soundoptionen und schon ist alles bereit. Weil ich es gerne bequem und kaffeehaltig mag, wird das Audio-Programm auf mein Grafiktablett geschoben und eine gehörige Portion Kaffee (inkl. Strohhalm) in die Box gestellt.

Wer jetzt schon lesemüde geworden ist, kann sich den Rest von Rahels Teil der Clue Cast Reise anhören.

Nun wird erst einmal tief durchgeatmet, sich geräuspert und dann gesprochen was das Zeug hält. Mal abgesehen von kleinen Unterbrechungen, um die Aufnahmen zu überprüfen und abzuspeichern, rede ich, in alter Clue Writer Manier, solange weiter, bis alles gesagt wurde, was gesagt werden musste. Und das, logisch, in möglichst lange Sätzen – man wird ja wohl noch die Leser zur Verzweiflung bringen dürfen.
„Aller Anfang ist schwer“, sagte man mir und das stimmt zwar, doch frage ich mich, wann es denn eigentlich leichter wird. Na, das klingt jetzt etwas gar dramatisch, aber er jetzt glaubt, ich würde mich nur zu Beginn meiner Aufnahmen verhaspeln, der irrt. Es gibt einfach Worte, die von mir nicht gesagt werden möchten und sich mit aller Kraft wehren. Zum Beispiel so:

Nun gut, jeder Schrecken nimmt zum Glück auch sein Ende. Wenn unsere Intros und Outros eingelesen sind, belohne ich mich mit einer kurzen Pause und Kaffeenachschub. Lange herumtrödeln kann ich aber nicht, denn jetzt müssen all die frechen Versprecher eliminiert oder wahlweise in ein Outtake-Ordner verschoben werden. Für den Fall, dass ich dabei Fehler mache (was? Ich doch nicht!), werden alle Aufnahmen vor der Bearbeitung kopiert.
Ist das erst mal geschafft, geht es mit hochgekrempelten Ärmeln gleich weiter zum munteren Herumfeilen an der Aufnahme. Wer sich noch an unser Inside über unsere Protokolle erinnert, wird sicher schon ahnen, dass ich auch für die Editier-Arbeit eine Liste habe – Ein Audio-Cheat-Sheet sozusagen. Aber nicht nur das, nein. Ich notiere mir jeweils für jeden Sprecher, welche Bearbeitungsmassnahmen sich bisher am besten bewährt haben. So kann ich meiner Ahnungslosigkeit ein wenig entgegenwirken und mir dabei auch gleich noch etwas Haareraufen ersparen. Bei mir sieht das dann etwa so aus und hört sich auch genauso an:Audio Cheat Sheet

Da meine eigenen Aufnahmen immer mit den passenden Einstellungen eingesprochen werden, fällt hier die erste Konvertierung weg. Danach wird entrauscht, so wird dann das leise Säuseln meines Computers zur Stille. Gut, damit wäre das erledigt, aber habt ihr euch schon mal überlegt, wie nervig es sein kann, wenn Leute mal super leise, mal mega laut sprechen? Genau, das ist nun wirklich nicht angenehm und führt zum Stichwort „Kompression“. Damit rücke ich also meinen Stimmungs… äh, Stimmschwankungen zu Leibe.1

Super, nur jetzt ist alles zu leise geworden. Deswegen wird nun normalisiert. Schon viel besser und sollte sich jetzt wieder ein dreistes Rauschen eingeschlichen haben, entrausche ich eben nochmal, bevor der DeHummer und DeEsser meine Stimme etwas hübscher klingen lassen.

Trotz alledem gibt es einzelne Geräusche, die sich bis jetzt hartnäckig halten. Ja, liebe Clue Freunde, ich schmatze und stosse gegen Dinge. Hier reicht meist ein sanftes Noise Gate aus, das mir den nächsten Schritt enorm erleichtert.
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Gut, es wird Zeit, die ganze Aufnahme nochmals von Anfang bis Ende anzuhören. Aus unserem Bedürfnis zu Atmen wollen wir ein Geheimnis machen, weswegen ich laute Atemgeräusche etwas leiser stelle und wenn ich schon dabei bin, editiere ich auch gleich noch alle anderen Störgeräusche von Hand raus – Perfektionismus verlangt nun halt auch etwas Einsatz.
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So, nun sitze ich da mit einer Aufnahme, die sich schon fast hören lässt. Doch verbessern kann man selbstverständlich immer und genau das versuche ich mit dem Mastering. Zugegeben, meine Ahnung von dieser Kunst ist freundlich ausgedrückt steigerungsfähig, aber ich bemühe mich so gut ich kann, die richtigen Einstellungen für jede Stimme zu finden. Bei mir zum Beispiel hebe ich die Bässe ein wenig an, mache meine Stimme mit dem Exciter etwas aufregender und klarer und gebe minimalen Hall dazu, damit ich nicht so klinge, als würde ich durch ein Kissen sprechen.
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Endlich ist es fast geschafft, es fehlen nur noch die Spezialeffekte. Darunter fällt auch das Helden Echo. Damit ist das Intro und Outro fertig und es wird Zeit für eine Pause!
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Nicht identisch aber zumindest nach demselben Prinzip werden auch die Aufnahmen unserer werten Clue Cast Sprecher bearbeitet. Je nachdem was diese grandiomegalotastischen Damen und Herren im Vorfeld schon gemacht haben, geht das ruckzuck. Wir dürfen uns nämlich glücklich schätzen und Leute zum Clue Cast Team zählen, die uns perfekt bearbeitete Kurzgeschichten einreichen. So viel Einsatz und Know-How können und wollen wir jedoch nicht von jedem erwarten. Wir finden es toll, dass wir unseren Hörern ein breites Stimmenspektrum präsentieren dürfen und freuen uns über Profis ebenso wie Amateure!
Daher kann es also durchaus auch sein, dass ich etwas länger an einer Bearbeitung für eine Kurzgeschichte sitze. Ein Grund jemanden auszuschliessen wird das aber erst dann, wenn ich einen ganzen Arbeitstag dafür rechnen muss. Wer sich jetzt etwas angestachelt und zum Clue Cast Sprecher berufen fühlt, kann sich in unseren FAQs für Sprecher über alle Vorgaben informieren.

Wenn alle Aufnahmen vorbereitet wurden, müssen sie eigentlich nur noch zusammengeflickt werden. Das passiert in einem Multitrack. Dort werden die einzelnen Teile an ihren Platz geschoben, zeitlich aufeinander abgestimmt und, wenn das Resultat sich hören lässt, exportiert.
8 -multitrack

An dieser Stelle darf ich mir auf die Schulter klopfen, rasch all unsere Protokolle aktualisieren und mich darüber freuen, dass die fertige Clue Cast Episode wieder Sarahs Problem ist.
Etwas will ich jedoch anmerken: Wenn ihr euch für Audio-Bearbeitung interessiert und selbst das ein oder andere darüber lernen möchtet, dann ignoriert mich bitte. Ich lerne fleissig und habe noch eine ganze Menge vor mir, bevor man meine Informationen ernstnehmen kann. Ich bedanke mich für die Geduld der werten Clue Caster und unserer Hörer und bin wie immer froh um Feedback und Kritik zu meiner Audio-Akrobatik.

6 - CC ChecklistUnd hier ist sie wieder, die altbekannte Sarah. Doch was gibt es jetzt noch mit der Clue Cast Episode zu tun, sie muss doch nur noch veröffentlicht werden? Auch da gehört einiges dazu – der Beitrag muss getextet werden, für YouTube muss ein Video erstellt werden, die mp3-Datei muss hochgeladen werden… Ihr seht, auch da gibt es was zu tun und es darf kein Fehler passieren, denn was einmal den Weg in unser RSS-Feed gefunden hat, wird auf manchen Plattformen für immer verewigt! Dazu kommen alle Links im Episoden-Post auf Clue Writing und auch wenn ich, wenn man der Legende glauben will, „halb taub“ bin, höre ich mir dazu noch einmal die ganze Episode an. Normalerweise dauert dieser Prozess eine halbe bis eine dreiviertel Stunde, wenn jedoch etwas schief läuft, kann es auch mal länger gehen. Ihr könnt neben diesem Text die Checklist sehen, die ich nur für den Upload einer Episode benötige. Da es so viele einzelne Punkte sind, habe ich mich dagegen entschieden, euch hier mit jedem einzelnen zu langweilen und mir gedacht, es ist lustiger, wenn ich es euch stattdessen einfach zeige. Und so viel sei verraten: Es geht was schief, aber diesmal schieben wir es einfach nonchalant auf den Vorführeffekt. Viel Spass!

Tja, viel bleibt mir dazu nicht zu sagen, ausser, dass ihr froh sein könnt, dass Rahel mit ihrer lieblichen Stimme das Intro und Outro liest. Dafür wisst ihr jetzt, wieso ich mich manchmal mit „es verneigt sich und grüsst“ verabschiede und für was zwei 27-Zoll-Monitore gut sind…

Hinter dem Clue Cast steckt mehr, als man auf den ersten Blick ahnen würde. Wir hoffen, ihr hattet Spass mit dem bisher wohl multimedialsten Beitrag auf Clue Writing und würden uns freuen, wenn ihr hier oder da eine Bewertung, einen Kommentar oder ein Klick auf „Abonnieren“ springen lässt.

Und damit verabschieden sich eure Clue Writer für heute, wie immer mit lieben Grüssen und den besten Wünschen,
Rahel und Sarah

EDIT: Das Bearbeitungsprozedere hat sich seit der Publikation dieses Beitrages verändert und – hoffentlich – zum Besseren weiterentwickelt. Rahel lernt mit jeder neuen Episode des Clue Cast dazu und wird in Zukunft sicherlich weiter an ihrer Audioakrobatik feilen. Wer mehr über das aktuelle Vorgehen bei der Audiobearbeitung erfahren möchte, kann gerne mit Rahel Kontakt aufnehmen.

3 Gedanken zu „Inside Clue Writing: Der Podcast

    • Ja, diese Geschichte mit der Sarah und dem F-Wort… Ich habe ja gewusst, dass ich nun dafür bekannt sein werde, als ich das Video hochgeladen habe… Ich habe nur nicht gewusst, wie bekannt :D Wenn das so weitergeht, muss ich früher oder später mehr solche Videos machen ;)
      Aber um wieder zum Thema zurückzukommen – jetzt weisst du, dass die, die letzte Woche den Buch zur Post gebracht ist, ein megalotastisches „pottymouth“ ist! Doch keine Bange, ich habe keine F-Wörter whatsoever ins Paket gesteckt ;)
      Liebe Grüsse
      and have a f***ing awesomtacular day,
      Sarah

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