Interview | Alexa Schilref und Aaron Sprawe vom Bücherstadt Kurier

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Heute möchten wir euch in unserer Reihe „Clue Writing Interview“ etwas ganz Besonderes vorstellen, nämlich die Online-Literaturzeitschrift „Bücherstadt Kurier“ sowie ihr gleichnamiges Web-Portal. Seit 2012 liefert der Bücherstadt Kurier einem begeisterten und interessierten Publikum ein buntes Sammelsurium an Inhalten, von Rezensionen über Filmvorstellungen und Illustrationen bis hin zu Aktionen wie einem literarischen Adventskalender. Gleich zwei Vertreter aus der Bücherstadt haben sich unseren Fragen gestellt, nämlich Alexa Schilref und Aaron Sprawe.

Der Fairness halber sei hier erwähnt, dass wir schon eine gemeinsame sowie eine von Sarah verfasste Adventsstory und einen von Rahel verfassten Essay im Bücherstadt Kurier veröffentlichen durften und die Zeitschrift auch bereits als scherzhafte Anspielung bei uns erwähnt wurde. Zudem ist Alexa als Jury-Mitglied in unserem Literaturwettbewerb aktiv.

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Während wir nun gemeinsam mit anderen Literaturpendlern im Intercity sitzen und der Bücherstadt entgegenrollen, wollen wir euch die eine Frage stellen, welche alle beschäftigt: Welches ist der perfekte Snack für eine kurze Literaturpause?

Aaron: Puh, ich hätte nicht erwartet, dass das Interview direkt mit derart ernsten, schwierigen und wichtigen Themen losgeht …  Bücherstädtisch wäre es, wenn sich jeder seinen eigenen Idealsnack heraussucht.

Alexa: Ach, so schwierig ist das doch gar nicht! Cookies und Sandwiches gehen immer.

Blättert man den Bücherstadt Kurier auf einem webfähigen Gerät durch, so fällt auf, dass eure Inhalte mehr als nur ein bisschen vielfältig sind. War diese Vielfalt von Beginn an Programm, oder ist sie im Laufe der Zeit gewachsen?

Alexa: Ja, Vielfalt war uns von Anfang an wichtig. Allerdings sind die Ressorts Filmtheater und Spielstraße erst kürzlich offiziell als Ressorts hinzugekommen. Zuvor wurden Filme und Spiele als Special-Inhalte in den Ausgaben behandelt. Wir wollen diese Vielfalt auch zukünftig beibehalten, weil wir den Literaturbegriff nicht so eng eingrenzen – Literatur kann auch außerhalb der Buchdeckel sein und stattfinden.

Aaron: Ich bin schon lange, aber nicht von Anfang an dabei. Für mich sieht es so aus, als sei die Vielfalt schon immer unser gemeinsames Ziel. Unsere Vorstellungen von Literatur haben sich ständig erweitert – und tun es immer noch.

Ihr betreibt aber nicht nur eine Zeitschrift, sondern auch ein Webportal, auf dem unzählige Beiträge, Texte und weitere Inhalte erscheinen, teils auch Gastbeiträge. Selbst wir, Rahel und Sarah, konnten bereits für euch schreiben. Aber was lockt eigentlich mehr Leute an: Die Onlineplattform oder die Zeitschrift?

Aaron: Das ist eine Frage, die wir nur mit Strategien der Marktforschung beantworten könnten. Natürlich interessiert uns die Antwort auch sehr, aber es ist nicht unser Anspruch, uns daran zu orientieren. Wir hoffen, dass bei den 1000en täglichen Aufrufen auch auf die sorgfältig erstellten Ausgaben zugegriffen wird. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Beiträge mit Katzen, Kaffee und Tee in den sozialen Medien mit Abstand häufiger angeklickt werden. Wir haben nicht das Ziel, mit Clickbait hohe Klickzahlen oder Geld zu generieren. Wir mögen nicht den Hype und bemühen uns stattdessen, Kleines und Großes von den Sockeln des Erfolgs auf eine Ebene zu bringen.

Wenn es um Bücher geht, streiten sich die Literaturmenschen sehr gerne darüber, ob Print oder E-Book besser seien und solche Überlegungen machen auch vor Literaturzweitschriften nicht Halt. Beim Bücherstadt Kurier habt ihr euch für eine elektronische Fassung entschieden, was uns nun natürlich zur Frage bringt: Was hat den Ausschlag gegeben?

Aaron: In der Diskussion um Buch vs. E-Book stehen wir auf keiner Seite, wir sehen Vorteile in beiden Positionen. Das eine kann das andere nicht ersetzen.
Die Gründe, weswegen wir bisher nicht gedruckt haben, sind praktischer und moralischer Natur: Die Distribution (Verteilung) von Drucksachen ist mit logistischen und finanziellen Hürden verbunden. Das führt zu zwei Entscheidungen: A – Wir arbeiten ehrenamtlich und finanzierten uns von Anfang an ausschließlich über eigene Mittel – nicht mit Werbung, Product-Placement und dergleichen. Damit sichern wir unsere journalistische Unabhängigkeit und Qualität, denn wir berichten nicht  fremdbestimmt. B – Wir wollen „Literatur für alle“, deswegen verzichten wir darauf, von unseren LeserInnen Geld für z.B. den Druck zu verlangen. Der finanzielle Status soll zumindest bei uns nicht darüber bestimmen, ob jemand am literarischen Kulturgut teilhaben kann oder nicht. Die Onlinekosten können wir privat noch gut stemmen und wer Zugang zu zensurfreiem Internet hat, kann auf unsere Website. Diese Voraussetzung ist wiederum eine Hürde, die mit gedruckten und mehrsprachigen Möglichkeiten genommen werden könnte …

Alexa: Natürlich wäre es schön, den gedruckten Bücherstadt Kurier in Händen zu halten. Unsere bisherigen Versuche, das Magazin zu drucken, blieben im kleinen, redaktionellen Rahmen. Für eine höhere Auflage bräuchten wir finanzielle Unterstützung. Geld für unser Magazin verlangen wollen wir jedoch nicht, da es – wie Aaron bereits erwähnte – unserem Ansatz „Literatur für alle“ widerspricht. Auch Werbung ist keine Option. Es gibt überall Werbung, die nur den Zweck hat, Menschen Dinge anzudrehen, die sie nicht brauchen. Wir wollen eine Plattform bieten, die gänzlich ohne Werbung funktioniert. Nur manchmal sind wir derart von einem Projekt oder Sonstigem überzeugt, dass wir es freiwillig empfehlend vorstellen.

Viele Literaturzeitschriften, sei es elektronisch oder im Print, überleben nicht besonders lange. Euch gibt es nun schon seit 2012 (Ha, unsere Projekte haben im selben Jahr Geburtstag!) und ihr wachst fleissig weiter. Was ist euer Erfolgsrezept?

Alexa: Das ist ganz einfach: Es ist ein Herzensprojekt. Wir machen das aus Überzeugung und Spaß. Jeder und jede kann Ideen und Wünsche einbringen und den Bücherstadt Kurier damit aktiv mitgestalten. Wir glauben auch, dass der ehrenamtliche Aspekt ebenso ausschlaggebend ist. Solange wir uns ausleben und die Freiheit genießen können, z.B. über Dinge zu schreiben, die uns interessieren, wird der Spaß erhalten bleiben. Das sieht bei finanzierten Magazinen, wo meist nach Auftrag und vorhandenen Finanzen gearbeitet wird, etwas anders aus. (Unsere Geburtstage sollten wir zusammen feiern!)

Aaron: Der ursprüngliche Gedanke der Bücherstadt, die intrinsische Motivation der Mitglieder und die beständige Zusammenarbeit haben uns das erreichen lassen. Dies bringt Mühen statt Geld, aber verglichen mit gewissen finanzierten Literaturformaten sind wir weitaus langlebiger und gehaltvoller, kurz: erfolgreicher.

Zählt man die Portraits auf euer Redaktionsseite, so kommt man auf stolze achtzehn Gesichter, die einem entgegenlächeln, ernst dreinschauen oder grinsen, euer Team hat also eine beachtliche Grösse, die Gastautoren noch nicht einmal mitgerechnet, also muss sicherlich viel geplant werden. Wie koordiniert ihr eigentlich die Zusammenarbeit, um die Qualität der Inhalte garantieren zu können?

Alexa: Es gibt sechs Ressortleiter, die für die Planung, Organisation und Betreuung der Inhalte ihrer Ressorts zuständig sind. Da die Redaktionsmitglieder in Österreich und Deutschland verteilt leben, sind Redaktionstreffen nicht so einfach zu organisieren; wir treffen uns aber in regelmäßigen Abständen online, um die Zusammenarbeit zu reflektieren, die nächsten Ausgaben, Aktionen und Projekte zu planen. Um die Qualität zu gewährleisten, gibt es immer wieder Feedback.

Aaron: Wir sind recht offen, was unsere Mitgliederauswahl angeht, denn so gibt es bei uns auch immer eine Vielfalt an Zugängen zur Literatur. Neben verkopften, akademischen Arbeiten macht uns eben aus, dass auch geerdete, deutliche Texte Platz in Bücherstadt haben. Unser Motto ließe sich also erweitern und ergäbe so: „Literatur VON ALLEN für alle!“ Deswegen sind wir auch offen für Gastbeiträge.
Für die Qualität der Texte gibt es ein mehrstufiges Lektorat, das auf eine Zweitbearbeitung des eigenen Textes angewiesen ist. Für die Qualität der Illustrationen gibt es kein vergleichbares System, jedoch gibt es neben dem individuellen Streben zur künstlerischen Perfektion auch Feedback und hin und wieder Überarbeitungen.

Bevor wir auf die einzelnen Bereiche des Bücherstadt Kurier eingehen, möchten wir euch beide, oder besser euren Bezug zum Projekt etwas näher kennenlernen. Beginnen wir mit Alexa: Liebe Alexa, die einen oder anderen unserer Leser kennen dich sicher schon als Jury-Mitglied unseres zweiten Literaturwettbewerbs, wo du in einer Geschwindigkeit und mit einem Engagement liest, das Lorbeeren verdient hat. Auf deiner Vorstellungsseite erfährt man, dass du dich gerne kreativ austobst und etwas auf die Beine stellst und im Impressum steht dein Name – gehörst du zu den Gründungsmitgliedern oder bist du die grosse Chefin?

alexaAlexa: Die Idee einer solchen virtuellen Bücherstadt entsprang meiner Fantasie, gestaltet wurde und wird der Bücherstadt Kurier allerdings von allen Mitwirkenden. Da kommen sehr viele Ideen zusammen und ohne diese wäre die Bücherstadt niemals so, wie sie jetzt ist. Hin und wieder muss ich die große Chefin spielen, vor allem, wenn es um organisatorische Dinge geht. In Bücherstadt herrscht jedoch Demokratie – das heißt: Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, fragwürdige Schritte erst ausdiskutiert, über Veränderungen wird abgestimmt. Tatsächlich hatten wir Teammitglieder, die diese Herangehensweise genervt hat, weil diese sehr aufwendig ist. Ich bin da aber wahrscheinlich zu beeinflusst von meiner pädagogischen Arbeit und dem Konzept der Partizipation. Gemeinsames Gestalten ist – gerade im kreativen-kulturellen Bereich – schöner als fremdbestimmtes Arbeiten.

Du schreibst unter anderem, dass du froh bist, wenn Feedback gegeben wird: „Die Bücherstadt lebt durch Kommunikation, in welcher Form sie auch sein mag!“ Nach der Zeit, die du beim Bücherstadt Kurier mitmachst, wie erlebst du die Feedbackkultur in der Literaturwelt?

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Alexa: Ich habe den Eindruck, dass Feedback als Strategie verwendet wird. Gerade wenn wir von Autoren angeschrieben werden, die uns ihr neues Buch ans Herz legen wollen, damit wir es im Bücherstadt Kurier vorstellen. Dann wird zunächst feierlich Lob verteilt, wie schön und lesenswert unsere Plattform sei, wie lange die Autorin / der Autor uns schon liest und immer wieder tolle neue Texte entdeckt usw. Nur um dann mit der Bitte zu kommen, das neue Buch vorzustellen. Ähnlich haben wir es auf der Website unter den Kommentaren erfahren: „Vielen Dank für diesen interessanten Text!“, hieß es da und wenn man dem Link folgte, wurde man auf einen Shop weitergeleitet. Sehr oft ist es also Feedback für Gegenleistung. Wirklich differenziertes, ehrliches, uneigennütziges Feedback erhalten wir – zumindest virtuell – selten. Ich denke aber mittlerweile auch, dass man gezielt Feedback einholen kann.

Die dritte Frage an dich bezieht sich auf ein kleines Vögelchen, denn, wie sagt man so schön, manche haben einen Vogel (Sarah als Amsel-Halterin kann das nachvollziehen). Auf eurer Seite findet man immer wieder Hinweise auf den Buchfinken, von dem du, laut deinem Profil, fleissig unterstützt wirst. Wir Hobby-Ornithologen wollen jetzt natürlich wissen: Was gibt es, was du uns noch über den Buchfinken erzählen kannst?

Alexa: Tja, der Buchfink … er war und bleibt wohl ein ewiges Mysterium. Er kam eines Tages angeflattert und seitdem ist er da.

Und damit wenden wir uns Aaron zu, unserem zweiten Gesprächspartner, der bisher gemütlich an einer Skizze gearbeitet hat. Lieber Aaron, du bist Illustrator des Projekts und erzählst auf deinem Profil unter anderem, dass es dir wichtig ist, bei etwas Schönem mitzuwirken, etwas, mit Sinn zu erschaffen. Darum möchten wir dir die Gelegenheit geben, unseren Lesern genau diesen Sinn näherzubringen und fragen dich: Was macht den Bücherstadt Kurier aus, wie vermittelt er Sinn?

aaronAaron: Wichtig: Ich illustriere im Bücherstadt Kurier nicht allein! Im Skriptorium sitzen auch noch andere Kunstversierte. Ich kümmerte mich bisher zwar weitestgehend selbst um das Design und Layout, aber die Illustrationen stammen nicht alle aus meiner Hand. Das führt schon zu einem Sinn: dem Gemeinschaftssinn. Der BK ist kein eigenbrötlerisches Einzelprojekt, sondern es steht ähnlich wie auch Clue Writing in einem Zusammenhang aus Geben und Nehmen. Im Endeffekt ist es sehr erfüllend, etwas Wertvolles, mit Herz und Kopf Gemachtes in die Welt zu geben.

Nun, die zweite Frage ist sehr naheliegend, um sie einem illustren Illustrator zu stellen: Der Bücherstadt Kurier ist schön strukturiert und wirkt auch beim visuellen Konzept wie aus einem Guss, man sieht, dass hier jemand Überlegung und Begeisterung in das Projekt gesteckt hat. Wie kam es zu genau diesem Grafikkonzept?

Aaron: Es freut mich, dass dies so erkannt wird. Auch innerhalb des Redaktionsteams sind wir alle stolz auf das Ergebnis, denn der Guss umfasst nicht nur das optisch-visuelle, sondern auch die konzeptionelle Planung der Texte dahinter. Die Grafik entsteht, wie jeder andere Bestandteil des Bücherstadt Kuriers auch, in mühevoller Einzelarbeit, die dann wiederum in sorgfältiger Arbeit zu einem Ganzen zusammengebracht wird. Ich denke, dass ein diffuses bücherstädtisches Gefühl die Einzelarbeiten, auch das Zusammenfügen als solches, bestimmt.

Du illustrierst nicht nur die Seite, sondern auch viele Beiträge und schaffst damit visuelle Inhalte, die den Text auflockern und mehr Lebendigkeit verleihen. Was macht eigentlich eine gute Bücherstadt Kurier Illustration aus, was muss sie haben, um hereinzupassen?

Aaron: Bei der Illustration und Seitengestaltung sind mehrere Hände und Köpfe am Werk. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Schrifttext und Bild/Grafik sich nicht gegenseitig erdrücken. Zu entscheiden, welcher Text ein Foto, welcher eine Skizze und welcher nur einen guten Satz braucht, ist ein Teil der Illustration. Dafür gibt es keine simplen Faustregeln. Erfahrung und Zeit begünstigen den Entscheidungsprozess und ich behaupte, dass eine gute Illustration nicht zu viel vorgibt und stattdessen für eigene Gedanken der Lesenden genügend Raum lässt.

Eure Seite (und auch eure Zeitschrift) gliedert sich in mehrere, umfangreiche Bereich, in denen es viel zu entdecken gibt. Im „Buchpranger“ diskutiert ihr jeweils aktuelle genauso wie bereits länger erschienene Werke, querbeet durch alle Genres. Inwiefern unterscheiden sich eure Rezensionen und Diskussionen von denen vieler Buchblogger?

Alexa: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Möglicherweise liegt der Unterschied darin, dass hier eine ganze Redaktion zusammenarbeitet. Verschiedene Stile und Herangehensweisen bieten eine schöne Abwechslung. Außerdem folgen wir stets unserem Interesse und jagen keinen Neuerscheinungen hinterher. Das kann aber auch auf Buchblogger zutreffen. Wir sehen uns übrigens weder als Buchblogger noch als Feuilleton, weil wir damit in Kategorien fallen würden, mit denen wir uns nicht identifizieren. In unseren Augen haben diese beiden Kategorien ihre jeweils eigenen Vorzüge.

Aaron: Die Kategorisierung von Kunst und Literatur im Allgemeinen ist ein Fluch! Jede Einzelperson und jede Institution geht dabei anders vor – und doch will niemand zugunsten einer gepflegten Ordnungslosigkeit darauf verzichten. Innerhalb der Redaktionsarbeit helfen die Ressorts, die Arbeit zu (fair-)teilen.

Wer jetzt denkt, beim Bücherstadt Kurier würden nur Bücher besprochen, hat weit gefehlt! Die Rubriken „Filmtheater“ und „Spielstrasse“ bieten Einblicke in viele weitere Bereiche in ihrer ganzen Vielfalt: Von Filmbesprechungen über Brettspiele bis hin zu Video-Games, nichts lässt ihr aus. War diese Vielfalt bereits seit Anbeginn Programm oder ist sie im Laufe der Zeit gewachsen?

Alexa: Wir haben uns in diese Richtung entwickelt, weil es uns wichtig ist, die Vielfalt der Literatur aufzuzeigen. Was hat Literatur mit Spielen zu tun? Wir schauen uns die Narration, die Sprache und den Text an. Im Filmtheater berücksichtigen wir die Drehbuchautoren, die leider immer noch sehr im Schatten stehen. Drehbücher sind unserer Meinung nach nämlich ebenso Literatur; nur mit dem Unterschied, dass viele Werke der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wurden.

Sehr interessant ist auch euer „Kreativlabor“, wo, wie ihr sagt, Gedankenkrümel zu finden sind und auch hier hält ihr, was ihr versprecht. Wir wollen aber nun für unsere Leser doch etwas genauer nachhaken: Handelt es sich dabei um eine Kategorie, in die alles kommt, das sonst keinen Platz findet?

Aaron: Im Stadtgespräch (ehemals „Aktuelles“) sind eher journalistische Berichte und Interviews zu finden. In Buchpranger, Filmtheater und Spielstraße sind Betrachtungen zu einzelnen Werken. Im Kreativlabor ist dahingegen Platz für eigene Werke und literarische Experimente. Doch hier schreiben nicht nur die Redaktion, sondern auch einige LeserInnen, wie etwa beim Projekt „100 Bilder – 100 Geschichten“. In gewisser Weise kommt ins Kreativlabor also das, was nicht über etwas berichtet.

Alexa: Genau, im Kreativlabor landen kreative Texte wie Kurzgeschichten, Kolumnen, Glossen und Gedichte. Hier ist ausreichend Raum für sprachliche Experimente, für Gedanken(-krümel), aber auch für die Wissenschaft. Im Grunde setzt sich das Kreativlabor aus „Kreativem“ (Kreatives Schreiben) und „Labor“ (Literatur- und Sprachwissenschaft u.ä.) zusammen.

Zu guter Letzt möchten wir gemeinsam mit euch einen Blick ins „Skriptorium“ werfen, wo es Illustrationen, respektive graphische Kurzgeschichten, zu entdecken gibt. Wir möchten jetzt von euch wissen, wie viele Illustratoren und Zeichner ihr im Team habt?

Aaron: Momentan sind wir vier aktive SkriptorantInnen. So wie wir auch für die anderen Ressorts schreiben, sind auch andere Mitglieder potentielle IllustratorInnen.

Alexa: Ohne das Skriptorium sähe die Bücherstadt grau und trostlos aus und wäre kein Ort, an dem man lange verweilen möchte.

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Wenn derart viele Leute gemeinsam an einem Projekt arbeiten und Beiträge liefern, so werden diese natürlich auch eine persönliche Note haben. Inwiefern achtet ihr dabei auf Einheitlichkeit und inwiefern lässt ihr euren Mitarbeitern freie Hand beim Ausgestalten ihrer Inhalte?

Alexa: Wir haben uns gemeinsam Strukturen erarbeitet und uns dabei ein wenig am klassischen Journalismus orientiert, was die Textsorten betrifft. Allerdings sind wir diesbezüglich nicht streng: formal sollten die Texte je nach Sorte ähnlich gegliedert sein, inhaltlich besteht da hingegen sehr viel Freiraum. Das oftmals verpönte „Ich“ ist in Rezensionen ebenso in Ordnung wie Objektivität. Im Magazin müssen wir natürlich schauen, dass die Texte von der Länge passen – da gibt es vorgegebene Zeichenanzahlen, die eingehalten werden müssen. Bei der Planung des Magazins sprechen wir allerdings ab, wer welchen Text schreiben möchte und wie lang er werden soll/kann. Auf der Website ist die Zeichenanzahl nicht ganz so wichtig. Würden wir zu viel vorgeben, wäre der Bücherstadt Kurier wohl kein freier Raum mehr und das ist schließlich nicht Sinn der Sache.

Aaron: Was das Optische angeht, ist es hingegen sehr wichtig, dass alle Beiträge in einem Guss erscheinen, denn sonst leidet die Lesbarkeit.

Ein Projekt eurer Grösse könnte sich zwar locker alleine behaupten, aber was wäre das Leben ohne die eine oder andere Kooperation oder Partnerschaft. Als Partner wird auf eurer Startseite der Podcast „Feuilletöne“ genannt, was uns nun zur Frage führt: Was macht ihr gemeinsam und wie schaut eure Zusammenarbeit, respektive euer Austausch, aus?

Aaron: Wir fühlen uns im Umgang mit der Literatur sehr mit den Feuilletönen verbunden und möchten sie auch unterstützen, wo wir können. Dazu würde es natürlich nicht kommen, wären Herr Martinsen und Frau Windhorst nicht auch so sympathische, liebe Menschen!

Alexa: Unsere Kooperation besteht vor allem in der gegenseitigen Unterstützung, dazu gehört der gegenseitige Verweis. Zum Beispiel haben wir die Titel, welche die Feuilletöne vorstellen, auch im Bücherstadt Kurier besprochen. Durch den Verweis gelangen unsere LeserInnen zu den Feuilletönen und die ZuhörerInnen der Feuilletöne auf uns.

wordcloud2Nun möchten wir noch eine etwas allgemeinere Frage in die Runde werfen, denn der Ausblick aus dem Fenster ermöglicht uns eine gute Sicht auf die Bücherstadt. Was uns jetzt noch neugierig macht, ist die Stadtplanung: Wie sieht die Zukunft des Bücherstadt Kuriers aus?

Alexa: Sehr viel darf noch nicht verraten werden, nur so viel: Fast fünf Jahre besteht der Bücherstadt Kurier schon, die Bücherstadt wächst und entwickelt sich und weil uns die ehrenamtliche, gemeinsame Arbeit Spaß macht, haben wir uns entschieden, einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Mehr dazu gibt es aber bald im Bücherstadt Kurier zu lesen!

Nun, unser Zug trifft bald in der Bücherstadt ein und es würde uns fernliegen, euch von der Arbeit abzuhalten, also stelle ich meine Abschlussfrage rasch, während ihr die Mäntel anzieht und euer Schreibwerkzeug spitzt. Welches Genre lest ihr am liebsten?

Aaron: Ich bevorzuge kein spezielles Genre.

Alexa: Ach, das ist unterschiedlich und hängt von meiner Laune ab! Nur Krimis lese ich nicht so gerne.

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Wir von Clue Writing möchten Alexa und Aaron herzlich dafür danken, dass sie sich die Zeit genommen haben, die Fragen zu beantworten. All unseren Lesern können wir nur wärmstens empfehlen, in den weitläufigen Archiven des Bücherstadt Kuriers zu stöbern und die aktuelle Ausgabe durchzublättern. Die Begeisterung für die Literatur, und weit darüber hinaus, findet sich in jedem Beitrag und auf jeder Seite.
Wir wünschen dem ganzen Team vom Bücherstadt Kurier weiterhin viel Spass zwischen den Zeilen, Kinositzen, Spielekonsolen und Zeichenbrettern.

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Vielen lieben Dank an Aaron, Alexa und an unsere werten Leser
Eure Clue Writer
Rahel und Sarah

2 Gedanken zu „Interview | Alexa Schilref und Aaron Sprawe vom Bücherstadt Kurier

  1. Liebes ClueWriting-Team,

    auch an dieser Stelle nochmal: einen megalotastischen Dank dafür, dass wir den Bücherstadt Kurier vorstellen durften! Die Fragen waren sehr interessant und es hat Spaß gemacht, sie zu beantworten. Nicht zuletzt haben wir uns dadurch nochmal in Erinnerung gerufen, weswegen wir ein solchen Projekt – gänzlich ohne Bezahlung – gestalten. Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße aus der Bücherstadt!
    Alexa

    • Hallo liebe Alexa,
      es freut uns sehr, dass ihr Spass an der Beantwortung der Fragen hattet und wir euch damit gar erinnern konnten, was euch wichtig ist :)
      Insbesondere das mit dem Feedback fällt uns auch auf, insbesondere beim Schreiben – es war also für uns auch sehr interessant zu lesen, wie ihr das so erlebt, genauso wie ihr den Bücherstadt Kurier führt :)
      Wir wünschen euch auch weiterhin viel Erfolg, Spass und Literatasmus!
      Für die Clue Writer
      Sarah

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