Interview | Shari Joko von Alles Allerlei

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Heute möchten wir euch eine Person aus der Welt der Literatur vorstellen, die ein bisher in unseren Interviews noch nicht gesehenes Format nutzt und euch Lektüre audiovisuell vermittelt. Shari Joko betreibt den YouTube-Channel „Alles Allerlei“, bei dem der Name Programm ist. Die engagierte, fröhliche und humorvolle Booktuberin spricht nicht nur auf erfrischende Art über das geschriebene Wort zwischen den Buchdeckeln – auf ihrem Channel gibt es noch viel mehr zu entdecken, unter anderem Vlog-Beiträge aus ihrem Leben und Poetry Slam Vorträge ihrer eigenen Texte.
Sharis Begeisterung ist ansteckend und sie macht vor ihren Followern und Zuschauern auch keinen Hehl aus ihren Passionen. Ob Science Fiction, Fantasy, Tierpark-Besuche oder wirklich coole T-Shirts, Shari vermag mit ihrer lockeren und aufgestellten Art stets zu erfreuen. Aber lasst euch selbst von ihr anstecken …

Liebe Shari,
wie bei uns üblich beginnen wir zum Einstieg gemächlich, setzen uns hin und öffnen mal YouTube in unserem Browser. Immerhin bist du nicht nur Produzentin, sondern auch Leserin und man sieht, mit welcher Begeisterung du liest. Aber verbringst du auch als Konsumentin viel Zeit auf YouTube?

Ich glaube ich verbringe manchmal sogar viel zu viel Zeit als Konsumentin vor YouTube. Vor allem wenn ich mich wahllos durch Videos klicke und dann im Nachhinein merke, dass ich gerade eine Stunde mit Katzenvideos „vertrödelt“ habe, in der ich andere Dinge hätte tun können – Hundevideos schauen zum Beispiel. Grundsätzlich nutze ich YouTube oft zum Abschalten abends, wenn mein Kopf noch zu voll ist um zu lesen, oder ich den Tag über viel las und abends etwas anderes machen möchte. Oder morgens um wach zu werden. Oder in den kleinen Pausen zwischendurch.

Deine Art ist sehr locker, entspannt und sympathisch – du wirkst nicht gespielt, inszeniert und traust dich auch, in deinen Videos deine Meinung zu vertreten. Stichst du damit in einer Literaturwelt, die manchmal noch immer ein angestaubtes Hochkultur-Image hat, heraus?

Ja und Nein. Ich denke, es gibt eine Menge Menschen, die sich genauso wie ich im Netz mit Literatur beschäftigen und die genauso unverblümt ihre Meinung kundtun. Vielleicht steche ich einfach nur deswegen heraus, weil ich oft einfach genau das sage was ich denke. Denn wenn ich beim Lesen 30-mal dachte „Mann, ist das scheiße“, dann kommt das im Fazit auch so rüber. Viele andere versuchen sich da dann doch etwas gewählter auszudrücken. Und wenn ich ehrlich bin, könnte ich das sicherlich auch, aber um noch ehrlicher zu sein ist mir das zu anstrengend, erst einmal darüber nachzudenken, wie ich es denn blumig umschreiben kann, wenn etwas Scheiße war. Ich mag es, wenn man ehrlich und direkt zu mir ist und wahrscheinlich bin ich es deswegen auch zu den Büchern.

Viele begeisterte Leser beginnen irgendwann mit dem Verfassen von Rezensionen, bei den engagiertesten entsteht ein Rezensions- oder Literaturblog. Wie kamst du auf die Idee, ein solches Format auf YouTube zu publizieren?

Ursprünglich hatte ich das so nie geplant. Ich hatte schon seit 2009 einen Kanal auf YouTube, den ich dann jedoch mal in einem Anflug von „Warum tu ich das alles eigentlich“ gelöscht hatte. Um mir dann keine halbe Stunde später einen neuen Kanal zu erstellen. „Alles Allerlei“ war ursprünglich als Vlogging Kanal gedacht, in dem ich über alles reden wollte, was mich beschäftigt und wozu ich eine Meinung in die Welt tragen wollte. Und obwohl das schon immer Bücher waren, kam ich anfangs gar nicht auf die Idee über Bücher zu reden. Erst mit meinem Umzug nach Görlitz 2012 merkte ich, dass mir Menschen fehlten, mit denen ich über Bücher reden kann. Dem Internet sei Dank entdeckte ich dann aber auch Videos über Bücher. Den Entschluss selber auf meinem Kanal auch über Bücher zu reden fasste ich 2012 nachdem ich den Kanal The Readables für mich entdeckt hatte. Und aus anfänglichen stocksteifen monatlichen überblicken wurde dann nach und nach immer mehr.

„Booktuber“ ist ein gängiger Begriff, mit dem du dich selbst auch schon auseinandergesetzt hast. Aber ab wann genau ist man denn nun eigentlich eine Booktuberin und wie würdest du den Begriff definieren?

banner finalIch glaube dafür gibt es keine feste Definition und jeder kann für sich entscheiden. Ausschlaggebend ist, zumindest glaube und lebe ich das immer, einfach nur, dass man sich selber mit dem Begriff der Booktuber_in identifizieren kann und mehr braucht es nicht. Ich selber sage von mir zwar auch, dass ich Booktuberin bin, aber eben nicht nur. Und wenn ich nach meiner eignen nicht wirklich definierenden Definition gehe, fühle ich mich ehrlich gesagt mehr als „normale“ Youtuberin die jedoch den Schwerpunkt Booktube hat.

Die Literaturwelt vereint ja viele unterschiedliche Persönlichkeiten, von den öffentlichkeitsscheuen bis zu den händeschüttelnden Schreiberlingen und Büchernarren. Wie erlebst du diese Community selbst?

Genau so. Als unglaublich vielfältig. Und das liebe ich. Ich würde es nicht anders haben wollen als wie es jetzt ist. Für jeden Geschmack gibt es jemanden, der Videos macht und das ist wunderbar.

Da Videos ein ziemlich anderes Medium sind als Text, drängt sich natürlich jetzt die Frage auf: Erreicht man mit YouTube ein anderes lesebegeistertes Publikum als mit Rezensionen in geschriebener Form?

Gute Frage. Da ich selber mich ehrlich gesagt so gut wie gar nicht mit der Bloggerwelt des geschriebenen Wortes auseinander setzte (ich sehe jetzt mal von den Blogs, die ich selber lese ab) kann ich schwer beurteilen, ob das so ist. Ich denke, es gibt viele Menschen die beides konsumieren, Blogs und YouTube. Aber genauso wird es sicherlich auch immer Menschen geben die nur Blogs oder nur YouTube konsumieren, ebenso wie jeder es am liebsten mag. Das ist ok, und dafür sind ja auch beide Medien da.

Bei manchen, meist von Überzeugungen und Ideologien geprägten, Themenbereichen ist die Feedbackkultur auf YouTube bei weitem nicht nur berühmt, sondern eher berüchtigt und der Umgangston kann ziemlich ruppig werden. Bemerkst du selbst davon auch etwas oder ist dies bei dir eher weniger der Fall?

Ich glaube Booktube hat was das angeht einen wirklich guten Stand. Die Berühmten „Du bist fett und hässlich“ Kommentare halten sich hier sehr, sehr, sehr in Grenzen. Wenn, dann findet man höchstens „du hast ja nur den Sinn des Buches nicht verstanden“-Kommentare, wenn man eine negative Meinung zu einem Buch geäußert hat. Bei beiden Fällen hilft da ein „Ärzte“-Zitat sehr gut, um mit der Kritik klar zu kommen: „Lass die Leute reden“. Ich meine, Kritik und ganz besonders konstruktive Kritik finde ich wunderbar und nehme ich gerne an. Aber das Tolle ist doch, dass jeder Mensch einen anderen Geschmack hat und eine andere Meinung haben kann. Und die sollte man jedem lassen. Ich fände es zumindest schrecklich, wenn wir alle auf einmal nur dieselben Bücher mögen würden und man gar nicht mehr in einen Austausch unterschiedlicher Meinungen kommen könnte.

Viele YouTuber entscheiden sich dafür, YouTube-Partner zu werden, sodass sie auch vor ihren Videos Werbung schalten und mit genügen Klicks etwas verdienen können. Wie hast du dich hier entscheiden und wieso?

Ich habe vor ca. einem Jahr entdeckt, dass YouTube entscheiden hat, dass ich Partner von ihnen bin. Das find ich nett von YouTube, nur bringt es ihnen nichts, da ich keine Werbung vor oder in meinen Videos schalte. YouTube ist ein Hobby, bei dem es mir vor allem anderen um den Spaß geht. Und ich empfinde es jetzt als eher weniger spaßig, mir um Klickzahlen und Einnahmen einen Kopf zu machen.

Wenn man seinem Publikum gerne Bücher nahebringt, ist es sicherlich von Vorteil, wenn man auch Lektüre wählt, die einem selbst gefällt. Wer kommt auf deinem Channel voll auf seine Kosten und gibt es auch Anhänger bestimmter Genres, die leer ausgehen?

Liebesromanliebhaber, Fans historischer Romane und Thriller- / Krimi-Liebhaber können sich glaube ich den Klick auf meinen Kanal sparen. Das sind Genres, mit denen ich so absolut nichts anfangen kann. Wer dagegen auf Fantasy und Science Fiction steht ist bei mir gut aufgehoben. Das ist meine Komfortzone, da wo ich mich wohl fühle. Und da dann auch immer mehr die erwachsene Fantasy und nicht mehr die Jugend-Fantasy, wo das größte Problem neben dem Weltuntergang oder dem Umgang mit Magie die Frage danach ist, ob jetzt der schnucklige Bauernjunge vom Nachbarhof oder der taffe Krieger, mit dem man die Welt rettet, die einzig wahre Liebe ist. Hin und wieder lese ich dennoch immer gern auch in andere Bereiche hinein. Ich glaube jedoch nicht, dass ich irgendwann einmal sagen werde „Fantasy ist ja so gar nicht meins“.

Vor kurzem bist du von der Leipziger Buchmesse zurückgekehrt, über die du natürlich auch fleissig berichtet hast. Bist du für deinen Channel viel unterwegs, auf Messen und an Events und wie erlebst du den Austausch an solchen Anlässen?

Für meinen Channel eigentlich nicht. Wenn, dann bin ich da ganz egoistisch für mich unterwegs. Wobei ich das wiederum gerne nutze, um neuen Content für den Channel zu haben. Aber ich wüsste jetzt nicht, dass ich etwas NUR für den Channel gemacht hätte. Ich wünschte sogar, ich könnte noch öfter solche Events besuchen oder an ihnen teilnehmen, aber jeder Mensch hat auch noch ein reales Leben und meist liegt es doch am Faktor Zeit, dass ich es nicht schaffe. Wenn ich es dann aber mal auf eine Messe oder so schaffe liebe ich den Austausch mit Gleichgesinnten, Verlagen, Autoren und, und, und. Meist vergesse ich darüber sogar zu filmen, was mir auch manchmal schon fast ein bisschen leid tut. Aber ohne Kamera ist man dann doch ungezwungener im Austausch.

Wenn man sich deine Playlists anschaut, bemerkt man rasch, dass es in deinem Channel nicht nur um klassische Rezensionen geht, sondern du auch viele andere literarische und nicht-literarische Dinge zu bieten hast, wie auch schon der Name deines Channels verrät. Ist diese Mischung der Inhalte im Laufe der Zeit gewachsen oder war sie von Beginn an geplant?

Wie oben schon erwähnt, ist er definitiv gewachsen und wird auch weiterhin so bleiben. Ich probiere mich gerne aus, gerade was neue Formate oder sowas angeht. Und da passiert es dann auch mal, dass ein Kanal, der als Vlogging-Kanal gestartet ist, lange Zeit kaum Vlogs hatte und erst nach und nach wieder Vlogs kommen. Aber das Tolle an dem Ganzen ist ja, dass es mein Kanal ist und somit ich allein bestimmen kann, was auf diesem Kanal kommt und was nicht. Und da gibt es für mich erst einmal nur die eine Regel, um zu entscheiden was ich mache und was nicht. Es muss mir Spaß machen.

Etwas, was du immer mal wieder machst, sind TAGs, was zu spannenden und abwechslungsreichen Beiträgen führt. Magst du den weniger YouTube-affinen Lesern rasch erklären, was TAGs sind und wie du jeweils zu deinen Themen kommst?

Ein TAG ist eigentlich recht einfach zu erklären. Irgendjemand denkt sich in der Regel ein paar Fragen aus, stellt diese öffentlich sich selbst und lädt dann andere Kanäle ein, diese auch zu beantworten. Und weil das dann lauter Kanäle machen, die noch anderen Kanäle diese Fragen stellen, ist das Ganze so ein bisschen wie ein Lauffeuer. Und genau so kommt man dann auch zu den Themen. Irgendwann sieht man solch einen TAG und entweder man wird direkt aufgefordert, ihn auch zu machen oder aber man entscheidet sich ohne Aufforderung dazu, die Fragen zu beantworten.

Wir wühlen uns frischfröhlich weiter durch deine Playlists und sogleich fällt auf, dass du keineswegs vor Kollaborationen und Gastauftritten zurückschreckst. Arbeitest du regelmässig mit anderen Portalen oder Menschen zusammen oder gehst auf Besuch?

Regelmäßig nicht. Aber wenn jemand Lust hat, mit mir zusammenzuarbeiten oder ich Lust habe oder wir beide Lust haben UND dann auch noch Zeit, warum nicht? Ich finde solche Projekte immer unglaublich spannend und vor allem ist es interessant, dann auch wieder zu sehen, wie andere arbeiten oder das Material schneiden.

Sei vorgewarnt, jetzt wird es persönlich! Oder um etwas ernster zu sein, wir sprechen vom Vloggen, also Video-Bloggen, das du frisch aus deinem Alltag tust und dabei teilweise auch private Gedanken mit deinen Followern teilst. Wie bist du zum Vloggen gekommen?

Meine Vlogging Gesichte liegt weit, weit, weit zurück in einer weit entfernten Galaxie. Sie fing schon auf meinem alten, ersten, nicht mehr existenten Kanal an. Dazu muss man sagen, dass ich 2009 von zu Hause weggezogen bin, in eine Stadt in der ich anfänglich keinen Menschen kannte und mich damals sehr intensiv mit YouTube als Zuschauerin beschäftigt hatte. Ich stieß auf viele Kanäle, die es heute teilweise gar nicht mehr gibt, oder die inaktiv geworden sind. Aber von den Kanälen die noch existent sind, haben mich damals besonders Tony Army und JumboJacob inspiriert. Und irgendwann habe ich selber angefangen Videos über das was mich bewegt zu drehen. Ich glaube vor allem auch weil ich Redebedarf hatte und in meinem Umfeld mir die Menschen dazu fehlten, wählte ich das Internet, denn da gab es Menschen die sich mit mir unterhalten haben. 2013 bis Mitte 2015 war es dann sehr ruhig, was das Vloggen bei mir anging. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich nichts zu sagen hatte außer über Bücher und generell waren das auch Jahre in denen viel passiert ist, was einfach meiner Meinung nach zu persönlich für YouTube war. Mitte 2015 habe ich dann bemerkt, dass die Gedanken, die ich mir mache vielleicht doch wieder aufgezeichnet werden könnten. Das lag vor allem daran, dass mir viele Themen durch den Kopf gingen, die mich aufregten und mein persönliches Umfeld mein Gemecker dazu nicht mehr hören wollte. Und seit dem vlogge ich wieder.

Kommt es manchmal vor, dass dir eine deiner Überlegungen, die du in einer Vlog-Episode mitgeteilt hast, im Nachhinein unangenehm ist und du sie lieber privat gehalten hättest?

Nachdem ich sie gedreht habe eher weniger. Aber ich würde sagen von allen Ideen für ein Video setzte ich nur 20 Prozent um. Ich glaube aber auch, dass das etwas vollkommen Normales ist. Denn nach einer fixen Idee beginne ich mir Gedanken zu machen, wie ich die Idee umsetzten will, was ich sagen möchte oder wie ich es filmisch darstellen möchte und 80 Prozent der Ideen scheitern eben daran, dass ich bei einem dieser Punkte mir denke, dass es nicht „reicht“ für ein Video oder ich es nicht so umsetzten kann wie ich will, oder einfach feststelle, dass ich eine dumme Idee hatte. Und bevor ich ein Video mache, mit dem ich unzufrieden bin, lasse ich es meist lieber.

Nicht zuletzt dank deinen Vlog-Episoden, aber genauso durch deine literaturspezifischen Beiträge, bekommt man einige Dinge mit, die dir wirklich Freude bereiten – hier sei jetzt aus Kultfaktor-Gründen die Space Opera schlechthin erwähnt: Star Wars. Ist es dir wichtig, deine Passionen mit deinen Followern teilen zu können und gibt es wirklich coole Dinge, die unsere Leser unbedingt kennen müssen?

Ich denke schon, dass es wichtig ist, dass man weiß was ich mag und was nicht, denn dadurch gewinne ich meines Erachtens an Authentizität. Je mehr Vorlieben und Abneigung was Serien, Filme, Bücher oder andere Dinge angeht die Zuschauer über mich wissen, umso besser können sie dann auch meine Meinung einschätzen. Außerdem, wer redet nicht gern über Dinge, die ihm Freude bereiten? Und wirklich coole Dinge sind ja prinzipiell eine subjektive Angelegenheit. Aber was mich angeht, sollten viel mehr Leute neben Star Wars und wirklich guten coolen Sachen wie Herr der Ringe, Game of Thrones und co. auch die ganzen trashigen Low-Buget-Filme wie Sharknado und Iron Sky schauen. Ich meine, ein Tornado aus Haien, Laser Kettesäge oder Nazis vom Mond sind schon wieder so schlecht, dass es einfach nur mega gut ist. Und 70er, 80er, 90er-Jahre-Filme. Ich habe das Gefühl gerade was Sci-Fi angeht (z.B. Alien, Zurück in die Zukunft und Star Trek) wurden damals echt Maßstäbe gesetzt, die auch heute noch wirklich gute Qualität haben.

YouTube und Lesen sind aber nicht dein ganzes literarisches Leben, nein! Manchmal muss man Poesie und Prosa einfach nur so den Zuhörern ins Gesicht knallen, pardon, an einem Poetry Slam teilnehmen. Zu unserem Glück sind auch deine Zuschauer eingeladen, sich deine Poetry Slam Texte anzusehen. Wie kamst du eigentlich in die Welt der „schnellen“, fix vorgetragenen, Texte?

Slam-A-Rang 17.12.2015-83Ich habe seit ich 14 war schon immer versucht, meine Gedanken in Texten zu fassen zu kriegen und 2012 meinte ein Freund von mir, ich solle diese Gedanken doch mal vortragen und hat mich fast genötigt bei einer Art Nachwuchswettbewerb mitzumachen. Damals habe ich zwar nicht gewonnen aber von Profis viel Zuspruch bekommen, nicht den Mut zu verlieren und das ich Talent hätte und so bin ich dabei geblieben.

Poetry Slams sind mittlerweile im deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Sicher versuchen sich viele zum Spass kurz daran, aber es gibt sie auch, die eingefleischten Wiederholungstäter, die Beitrag um Beitrag episch präsentieren und von Ort zu Ort reisen. Gibt es unter den Poetry Slammern eine regelrechte Community?

Oh ja, die gibt es. Eine Welt in der jeder irgendwie jeden zu kennen scheint. Und immer wieder trifft man sich an den unterschiedlichsten Orten. Ich muss jedoch gestehen, dass ich persönlich zwar Einblick in diese doch recht eigene Welt habe, aber mich irgendwie auch nicht wirklich dazugehörig finde. Was jedoch hauptsächlich daran liegen mag, dass ich sehr unregelmäßig auf Slams bin und diese Community unglaublich groß ist.

In einem deiner Videos hast du gesagt, dass man auch immer mal wieder Neues versuchen muss. Gibt es etwas, das du in Zukunft ausprobieren willst, auf das sich deine Zuschauer schon freuen dürfen?

Ich denke sobald der Frühling so richtig loslegt, werde ich mich wieder an monatlichen Document your Life Videos versuchen. Außerdem habe ich noch lange nicht alle Möglichkeiten meiner Vlogging- / Actioncam ausgetestet, da werden also sicherlich auch noch hin und wieder experimentelle Videos kommen. Aber ansonsten kann ich noch nicht sagen, was kommen wird, nicht weil ich besonders geheimniskrämerisch wirken möchte, sondern weil ich es selber noch nicht weiß.

Zu guter Letzt wollen wir in deine digitalen Archive absteigen, stöbern und uns über die Vielfalt deiner Videos freuen – gibt es darunter einen geheimen oder nicht so geheimen Favoriten, den du unseren Lesern zum Abschied besonders nahebringen möchtest?

Geheim sind sie glaube ich nicht, schließlich kann man die Videos ja auf meinem Kanal finden. Aber ich glaube jeder Youtuber hat auch so seine ganz persönlichen Lieblingsvideos von sich. Und weil ich mich ja grundsätzlich schwer auf eine Sache festlegen kann, hier gleich 4 meiner Lieblinge.

Mit den Time Travel Videos habe ich mir damals Bilder vorgenommen, die ich zu Kinderzeiten gezeichnet habe und versucht herauszufinden was ich damals künstlerisch ausdrücken wollte. Also. Wie gesagt. Ich hab es versucht.

Mein liebstes Kollaborationsvideo ist eigentlich ein einziger Fail. Und ich glaube genau deswegen liebe ich es nach so langer Zeit immer noch. Wir wollten hier eigentlich ganz normal einen TAG aufnehmen, aber die Fragen waren so absurd und abstrus, dass wir irgendwann nur noch lachen konnten. Und weil ich den Versuch dieses Videos dann doch wieder gelungen fand, habe ich zusammengeschnitten was man noch retten konnte und TADA:.

Und ja. Nerd Shirts. Eines der kürzesten Videos auf meinem Kanal hinter dem aber um die 12 Stunden Schnitt liegen. Ich muss glaube ich unglaublich wahnsinnig gewesen sein, als ich die Idee zu diesem Video hatte und erinnere mich an unendliche Flüche und Verwünschungen dem Schnittprogramm und mir selber gegenüber. Das Ergebnis ist aber dennoch, denke ich, sehenswert.

Und schließlich ein Beispiel dafür, dass ich keinen Hehl darum mache wenn mir etwas, oder jemand nicht gefällt. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich im Video keinen Zähler eingebaut habe wie oft ich das Wort „dumm“ verwendet habe.

Wir von Clue Writing möchten Shari herzlich dafür danken, dass sie sich die Zeit genommen hat, unser Interview zu beantworten. Wir können ihren Channel „Alles Allerlei“ unseren Lesern mit einem grossen High Five empfehlen, denn Shari spricht in ihrer erfrischenden und unterhaltsamen Art über Literatur, die den Hörern wahrlich Freude bereitet. Ihr augenzwinkernder, lockerer Humor zeugt von Begeisterung für die Materie und das Produzieren ihrer Videos, führt jedoch zugleich in Erinnerung, dass man Dinge, die einem Freude bereiten, nicht immer todernst angehen muss.

Wir wünschen Shari weiterhin frischfröhliches YouTuben und Poetry-Slammen und viele Stunden mit spannender Lektüre.

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Fotos von Shari:
Poetry Slam (farbiges Bild): Lars Holscher
Poetry Slam (schwarzweisses Bild): Paul Glaser

Vielen lieben Dank an Shari und an unsere werten Leser
Eure Clue Writer
Rahel und Sarah

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Dieses Interview wurde von Sarah geführt.

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