News | Zu Weihnachten wünschen wir uns Clues

Hallo ihr lieben Clue Reader

Wir haben die magische Dreißig geknackt und somit nicht nur dreißig Settings, sondern auch ganze hundertfünfzig Clues vertextet – wie viele Tassen Kaffee während der Produktion konsumiert wurden, bleibt aber unser streng gehütetes Geheimnis.

Während den vergangenen Stories konntet ihr unser Treiben und Schreiben beobachten, doch nun möchten wir euch, unsere werten Clue Reader, ein Stückchen weiter in unser Projekt und den Entstehungsprozess unserer Stories miteinbeziehen. Während den nächsten Wochen habt ihr die Gelegenheit, uns eure Clues und Settings zukommen zu lassen und das Mitmachen ist denkbar einfach, solange ihr euch an diese Vorgaben haltet: […] Weiterlesen

Heimweg

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Lynn lehnte am Geländer der langen Rolltreppe und blickte den schrägen Tunnel entlang, den sie eben hinunterfuhr. Es war etwas später am Abend, als der grösste Ansturm auf das chronisch überfüllte Londoner U-Bahn-System bereits vorüber war. Lynn schloss für einen Augenblick die Augen und steckte ihre Hände in die tiefen Taschen ihres Mantels. Sie konnte den warmen Luftzug fühlen, der über ihre Wangen strich, den Mantel flattern ließ und ihr kurzes Haar nach hinten blies, als ein Zug in die Station einfuhr; eine angenehme Abwechslung zur bitteren Kälte draußen in der Stadt. Mit einem müden Seufzen öffnete sie ihre Augen wieder und konnte erkennen, dass die […] Weiterlesen

Road Trip

Es war Samstagabend und eine deprimierende Woche ging langsam zu Ende. Karl war gerade mal acht Jahre alt, dennoch begriff er die Tragweite der jüngsten Geschehnisse, zweifelte jedoch langsam daran, dass sein Vater das ebenfalls tat. Dieser saß nämlich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck auf dem einzigen Holzstuhl vor dem kleinen Beistelltischchen, welches bereits so abgenutzt war, dass sich die oberste Kunstholzschicht in eine klebrige Maße verwandelt hatte, und begutachtete die Reiseprospekte, die er in der schändlich vernachlässigten Lobby des Motels aufgesammelt hatte. Karl wischte einige Male misstrauisch mit seinen Wollhandschuhen über das fleckige Ausziehbett und seufzte leise, bevor er sich darauf ausstreckte und seine Schuhe auf den beinahe haarlosen Teppichboden fallen ließ. […] Weiterlesen

Jane Doe

Das Postamt war ein niedriger und alter Backsteinbau, der seine besten Tage schon längst hinter sich hatte. Die Fugen schienen zu bröckeln, wahrscheinlich waren sie vom nach brackigem Wasser riechenden Meerwind über Jahrzehnte hinweg angegriffen worden, und die Fassade war mit grauschwarzem Dreck bedeckt. Niemand wusste, warum das kleine Dorf in Südengland, dessen Namen ich hier nicht nennen will, überhaupt noch ein Postamt hatte – zur nächsten Stadt wären es mit dem Auto bloß zwanzig Minuten gewesen. Ach ja, das Dorf: Vielleicht vierzig Häuser, alle aus den typischen roten Ziegeln gebaut und altersschwach, eine nur leicht befahrene Hauptstraße und die größte Attraktion ein Leuchtturm an der nahen Küste, dessen einsamer Strahl jede Nacht verirrten Fischerbooten in dem dichten Nebel den Weg […] Weiterlesen

Momentum der letzten Blumen

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Wenn ich mich richtig erinnere, dann müsste ich die Anhöhe in weniger als zwanzig Minuten geschafft haben, jedoch ist es doch schon ein Weilchen her, seit ich diese Bergtour zum letzten Mal gemacht habe; vielleicht sollte ich mich also nicht zu früh auf die saftigen Alpwiesen freuen. Eigentlich hätte ich heute ja viel Wichtigeres zu erledigen gehabt, als durch die atemberaubende Berglandschaft meiner Wahlheimat zu wandern. Doch als ich heute in der Früh die Augen geöffnet hatte und durch das Schlafzimmerfenster im Dämmerungslicht die taufrischen Berge sah, konnte ich der Verlockung einfach nicht wiederstehen. Zum Glück war die Schlafmütze mit der ich […] Weiterlesen

Restrisiko

Neal war Feuerwehrmann mit Leib und Seele; bereits als kleines Kind hatte er davon geträumt, andere aus brennenden Gebäuden zu retten und dabei unbeirrt und mit einer überlegenen Coolness durch das Inferno zu schreiten. Nun hatte er es endlich geschafft, er war ein Lokalheld, der Lebensretter der Stadt, der in seiner relativ jungen Karriere bereits fast einem Dutzend Menschen das Leben gerettet hatte. Wie immer, wenn er seine Schutzkleidung trug und die Axt in den Händen hielt, fühlte er sich völlig entspannt, stolz und beinahe erhaben. Doch es hatte viel Arbeit und Risikobereitschaft benötigt, um dahin zu gelangen, wo er nun war.
Neal rannte durch den rauchgeschwängerten Gang auf die Schlafzimmertür zu, hinter der die junge Frau eingeschlossen war. Frauen in der Mitte ihrer Zwanziger rettete er […] Weiterlesen

Halloween-Special | Quid pro Quo

Der frisch gefallene Flaum aus Schnee und Eisregen knisterte bei jedem seiner raschen Schritte und die meisten Menschen, die sich am späten Abend zum Schaufensterbummel hatten hinreißen lassen, trugen, vom frühen Frost überrascht, zu dünne Mäntel. Lukas nahm noch immer den Umweg um zu seiner Wohnung in der Gerechtigkeitsgasse zu gelangen, obwohl der Vorfall nun schon einige Monate zurücklag und er sich nicht einmal mehr sicher war, ob er sich das Ganze vielleicht nicht doch bloß eingebildet hatte; selbst die Polizei hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass sie seine Besorgnis, seine Ex-Freundin würde ihn beschatten, lächerlich fanden. Als er bei der Pavillon-Skulptur, welche die Pelikanstraße von der Bahnhofstraße trennte, vorbeikam rückte er den Schultergurt seiner Aktentasche etwas zurecht, zog seinen […] Weiterlesen

Halloween-Special | Nur ein toter Zombie ist ein guter Zombie

Die Nachmittagssonne schien Samantha unerbittlich blendend mitten ins Gesicht, als sie aufwachte und ein genervtes Stöhnen von sich gab. Sie brauchte einige Auenblicke, bis sie wieder wusste wo sie war. Das Atelier, in dem sie wohnte, sah verwüstet aus. Überall war Fledermauskonfetti über den Boden verstreut und neben vielen leeren Alkoholflaschen fielen vor allem die Kürbisse auf, die so aussahen, als ob sich jemand auf sie gesetzt hatte. Sie konnte die stechenden Schmerzen in ihrem Rückgrat fühlen und begriff, dass sie auf dem Glastisch geschlafen hatte, dessen transparente Platte nun von tausenden kleinen Rissen durchzogen war und bereits leicht durchhing. Sie ruderte leicht panisch mit den Armen in der Luft, um das Gleichgewicht zu behalten, während sie von der Platte herunterkrabbelte, bevor diese endgültig durchbrach. Leicht […] Weiterlesen

Geschichten, Namen und Variablen

Hank Morgan war nicht sein richtiger Name, doch er war der Meinung, dass dieser Name gut zu ihm passte. Er hatte ihn sich an dem Tag gegeben, an dem er als junger Bursche im Gymnasium entschieden hatte, Novellist zu werden; Romanautoren schienen ihm zu der Zeit zu gewöhnlich zu sein. Doch seit drei Wochen hatte er ein weiteres Pseudonym angenommen, eines das ihn immer tiefer in Schwierigkeiten gebracht hatte und ihn letztendlich hierhin, auf ein verlassenes Fabrikgelände, geführt hatte.

Erschöpft zog er die Kapuze seines anthrazitgrauen Dufflecoats über seine mittlerweile melierten halblangen Haare und sah dadurch wesentlich jünger aus, als er es eigentlich […] Weiterlesen

Willkommen im Schlaraffenland

Das Fenster gab den Blick frei auf eine saftig grüne Wiese, auf der mehrere Kühe weideten. Die leicht hügelige Landschaft wurde von einer dicken, grauen Nebeldecke eingehüllt, die nur wenig des spätnachmittäglichen Herbstlichts hereinließ. Ein Zug der S 55 tuckerte gemächlich durch die nur dünn besiedelte Landschaft, ganz so als schien er den Begriff „S-Bahn“ verhöhnen zu wollen. Hier draußen, in der Umgebung von Niederhasli, Oberglatt und Niederweningen, im Niemandsland der fantasielosen Ortsnamen, der fast schon unangenehm grünen Wiesen und der Schlafdörfer, lag der Bauernhof. Der Hof, auf dem ich nun arbeitete, wenn man das denn so nennen wollte, und aus dessen Küche ich nun den Blick über die Gegend schweifen ließ und meinen Gedanken nachhing. Das versprochene Schlaraffenland, ging es mir nicht ohne einen […] Weiterlesen