Zaira ist zu alt für diesen Mist

Zaira Zyan trabte auf dem Basketballfeld ihre Runden und genoss die Stille sowie die klirrendkalte Luft. Wie üblich war ihr Tag lang und hart gewesen, nichts für Anfänger, doch sie war ja längst keiner mehr. Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr arbeitete die zierliche Blonde daran, die Welt vor monströsen Unholden aus der Unterwelt zu retten. Heute war sie vierzig geworden.
Zaira betrachtete die Wolken, die ihre Nase verließen, um in die Nacht emporzusteigen. Inzwischen kauerte sie, den Kopf auf die Knie gestützt, unter dem Basketballkorb und zählte Kieselsteinchen auf dem Hartplatzboden. Sie könnte nach Hause gehen, wahrscheinlich sollte sie das […] Weiterlesen

Gaststory | Alles koscher!

Wie schon zweimal zuvor erhielt Ariel seine Karteikarte erst einen Tag vor dem eigentlichen Auftrag – fein säuberlich in einem zugeklebten Umschlag.
Jargo, der kleine Boss, schaute ihn ernst an. „Morgen um zehn Uhr erwartet dich beim angegebenen Bahnhof ein Herr Lehm. Da bekommst du auch dein Lieferauto.“ Jargo sagte es mit einem Augenzwinkern, wussten doch beide, dass es sich wahrscheinlich um einen schnellen Sportwagen handelte. „Sei pünktlich.“
Ariel nickte. Er verließ so cool wie möglich die Lagerhalle. Verhalte dich wie James Bond, murmelte der Teufel auf seiner Schulter, undurchschaubar. Der Engel auf der anderen Seite schnaubte nur verächtlich Wunschdenken. […] Weiterlesen

Der Läufer im Pyjama

Hänsel rannte. Seit über drei Stunden. Allmählich lichtete sich der dichte Wald, verwandelte sich in eine typisch hochalpine Szenerie. Hänsels Tritt war sicher, obschon er heute Nacht nicht seine liebsten Laufschuhe, sondern Tennissocken trug. Er rannte soweit möglich geradeaus und wenn der Weg gabelte, entschied er sich jedes Mal für die linke Route.

Eigentlich hatte er sich sehr über die Einladung des Behindertensportvereins gefreut, wäre da nicht der Umstand, dass Jacob, sein bester Freund, zuhause bleiben musste. Jacob war wie Hänsel Langstreckenläufer. Naja, kein so hervorragender wie er, das waren sowieso […] Weiterlesen

Die allerletzten Eidgenossen

Fortsetzung und Schluss zu: „Die letzten Eidgenossen“.

Höhle, [Lage Geheim], Schweiz, 1. August 2083

„Ich sehe etwas, was du nicht siehst und das ist …“
Martin, dem das Spiel gehörig auf den Kieker ging, unterbrach seinen Kameraden: „Alles außer das, bitte!“
„Okay“, seufzte Basil und musterte die Dose, die er in der Hand hielt. „Bohnen. Ich sehe Bohnen.“
Martin starrte demotiviert in die Flammen des kleinen Feuerchens. „Und […] Weiterlesen

Halloween-Special | Durch die Gläser eines Mörders

Seit ich meine Brille abgeholt habe, konnte ich der Aussicht vor dem Fenster nicht wiederstehen. Die Gebüsche, welche wenig zuvor kaum mehr als grünliche Flecken gewesen waren, bestanden aus Milliarden von Blättern. Jedenfalls schien mir das so, die Details der Natur waren mir nämlich völlig fremdartig und da hielt ich eine kleine Übertreibung für angebracht. Der Optiker hatte zuerst freundlich geschmunzelt, dann entwischte ihm ein spitzes Kichern, nachdem er meine Sehwerte begutachtet hatte. Wie mir eine derartige Einschränkung erst jetzt hatte auffallen können, wunderte er sich laut, schaute mich eindringlich an und schnaufte schlussendlich ernst: „Sie werten die Welt neu kennenlernen.“ Er sollte Recht behalten. Es […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Der Teufel tanzt im Kreis

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Stephen und das Lama des Todes

„Stephen! Was ist dein verfluchtes Problem, du Trampeltier?“, wetterte Fernando und fuhr, ohne Atem zu holen, fort. „Pass gefälligst auf wo du hintrittst, da ist alles voller Lamakacke!“
Sein dunkelhaariger Kamerad zog seinen Wanderschuh aus dem Dung. Der Ekel war seinem Gesicht deutlich anzusehen. „Bäh. Bei dem Hundswetter wird alles zur Pampe. Wir hätten den Truck näher am Eingang parken sollen statt vor dem Zaun.“ Er kniff die Lider zusammen und blinzelte in die Regenwolken hoch, aus denen der Wind eiskalte, dicke Tropfen auf die drei Reisegefährten peitschte. „Wieso mussten wir ausgerechnet in diesem Loch Urlaub machen?“
Carl, der dritte im Bunde, gab ein übellauniges Geräusch von sich. „Weil wir blöd sind.“ […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Das erste Mal ist am schwersten

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Lass uns spielen

Jerome stand vor der Teigmaschine und betrachtete die rotierenden Bewegungen im Kessel. Wie üblich war es heiß in der Backstube, es war halb vier Uhr morgens und der Betrieb lief auf Hochtouren. Dennoch fror er, ihm war flau. Sein Magen fühlte sich eiskalt an. Der Arbeitsraum lag im Keller, dennoch gewährte eine schmale Luke den Blick in den Hinterhof, wo das satte Grün eines Ahorns Tag für Tag mehr ins Gelbliche kippte. Ein Großteil der Blätterpracht verschrumpelte mittlerweile zu seinen Wurzeln, raschelte jeweils unter Jeromes schweren Schritten, wenn er kurz nach Mitternacht zur Arbeit marschierte. Er hatte den Ahorn heute früh kaum wahrgenommen und war mit offenen Augen gegen einen Laternenpfahl gelaufen. Sein Hirn wollte nicht richtig funktionieren, knetete seine Gedanken wie die Teigmaschine den Teig. Ob das am Tumor lag, der an […] Weiterlesen

Im Garten Erden

Diese Kurzgeschichte erschien im Rahmen der fünften Clue Writing Challenge.

„Ach, hast du gewusst, Tante Frieda ist umgezogen. Sie wohnt jetzt in …“ Rasch blende ich die Diskussion meiner beiden Neffen aus um mich wieder meinem Mischsalat zu widmen, nebst den Kartoffelchips das einzige vegetarische Nahrungsmittel an dieser Familien-Grillparty. Ich habe noch nie ganz verstanden, was es damit auf sich hat, dass meine ganze, große Verwandtschaft im Wissen darum, wie sehr sie einander auf den Keks gehen, mindestens zehnmal im Jahr zusammenkommen muss, im Sommer gar im Garten, wo sie laut genug sind, um das ganze Dorf wachzuhalten. Wir quälen uns durch seichte Konversation und hoffen, der Abend möge bald ein Ende nehmen. Die Dunkelheit […] Weiterlesen