Pommes-Man und Burger-Boy

Es war eine düstere, regnerische Nacht, wie sie die Bewohner von Godamn City zur Genüge erlebten. Ab und an zuckte ein Blitz durch die Wolken, erhellte Seitengassen und wurde von einem Donnergrollen verfolgt, das Fundamente erzittern ließ.
Betty trat pitschnass in das heruntergekommene Diner an der Fifth Street, wo sie als erstes ihren Pony auswrang, was vom Manager, dem alten Mister Wong, mit einem indignierten Blick zur Kenntnis genommen wurde. Den vom Sturm zerfetzten Regenschirm stellte sie neben der Eingangstür hin, ehe sie zur Theke marschierte. Die Sohlen ihrer Chucks quietschten auf den schmuddeligen Fliesen, das Geräusch vermischte sich mit dem Gemurmel der wenigen Kunden sowie einer altmodischen Melodie im Radio.
„Guten Abend“, grüßte sie der Inhaber, als sie an der Theke anlangte und […] Weiterlesen

Beste Freunde bis zum Schluss

„Drew, schrei mich nicht so an!“, brüllte Jackie um einige Dezibel lauter als ihr Kumpel. „Fuck. Ich hab gedacht, du machst Witze.“ Die Dunkelhaarige stand vor der Badewanne, ihre Arme hingen schlaff herunter und sie fixierte auf den Inhalt der Emaillewanne. „Fuck, fuck, fuck!“, wiederholte sie, fassungslos vom Anblick der sich ihr bot. Sie legte schnaufend den Kopf in den Nacken, bevor sie weit leiser hinzufügte: „Weißt du, als ich dir gesagt habe, ich sei Tag und Nacht für dich da, habe ich echt nicht so eine verfickte Scheiße gemeint. Viel mehr …“ Sie zuckte mit den Schultern. „… Streit in der Beziehung oder irgend so einen Dreck.“
Drew hielt sich still, schaute betreten zu Boden und wartete, bis seine beste Freundin sich abreagiert hatte. „Etwas, das man über einem Bier diskutiert, mit einer Tafel Schokolade im Mund beweint und dann mit einem […] Weiterlesen

Gaststory | Die Kunst zu überleben

„Wer braucht jetzt noch irgendwelche Stangenlager?“, spuckte Fritz Dupont vor sich hin. Wütend begann er damit, die Bombensplitter in seinem Eisenwarenladen von einer Ecke in die andere zu fegen. Die drei großen Frontfensterscheiben waren bei dem verheerenderen Bombenregen der letzten Nacht zu Bruch gegangen. Nicht nur das. Auch alle Muttern, Nägel, ohnehin das gesamte Sortiment aus dem Kleinteileschrank lag kreuz und quer auf dem Holzboden verteilt.

„Die haben doch eine Schraube locker. Was ist das für ein Jahrzehnt, in dem man es sich nicht mal mehr gemütlich machen kann?”, Herr Dupont stemmte seine knöchrigen Arme in die Hüften und unterbrach das Kehren seines Ladenlokals. Seine Wut wechselte sich mit dem reinsten […] Weiterlesen

Valentinstag-Special | Tradition

Ich lehne mich gegen Beifahrersitz und starre für eine Weile auf sein wohlgeformtes, mit Bartstoppeln gespicktes Kinn, das im gelblichen Schein der Straßenlaternen knapp auszumachen ist. Wie lange ist es her? Ich rechne still und komme zum Schluss: Das ist unser achter Valentinstag, wir sind noch so verliebt wie zu Anfang. Nun ja, fast, einiges hat der Gewohnheit Platz gemacht, ist im Alltag aufgegangen. Heute ist es allerdings anders, denn obschon wir diesen Tag traditionsgemäß als Paar feiern, so war doch jeder der sieben bisherigen genauso einzigartig, wie Schneeflocken es sind. Selbst Schneeflocken schmelzen früher oder später, vergehen und verschwinden im Nimmerland, werden zu einem winzigen Teil unserer Erinnerungen. Ähnlich dem Winter, der jährlich wiederkehrt, erscheint unsere kleine, romantische Tradition pünktlich zum vierzehnten […] Weiterlesen

Rückblende

Im fünfeckigen Zimmer waren drei bauchnabelhohe USM-Möbel angeordnet. Die Oberflächen aus blank geputzt weißen Platten, die in einem Quader aus Stahlröhren lagen. Zwei der Korpusse waren mit Schubladen in diversen Höhen bestückt, einer mit eingelassenem Waschbecken, darunter ein Schränkchen, in dem Tina den Mülleimer vermutete. Darüber waren Spender für Desinfektionsmittel, Latexhandschuhe und Handtücher angebracht.

Vor dreiundfünfzig Stunden hatte sie ihr Kind verloren. Angefangen hatte es mit leichten Krämpfen am Morgen, sie war gerade dabei ein Marmeladenglas zu öffnen. Heftige Schmerzen folgten nach dem Mittagessen, bevor der abgestorbene Fötus abends entfernt werden musste. […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Grüße aus dem Würfel

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TV-Junkie

Das Wohnzimmer von Karl und Gertrude Meier. Die Wohnung des Rentnerpaars ist altmodisch eingerichtet, ein dunkles, massives Büffet dominiert den Raum, in welchem ein antik anmutender Leuchter mit Stofflampenschirmen von der Decke baumelt, im Hintergrund steht ein mit Nippes überladenes Klavier. Einzig ein großer Flatscreen-TV, auf dem eine bekannte Krimiserie läuft, stört die nachmittägliche Ruhe. Zum Geplauder aus dem Fernseher gesellt sich monotones Ticken einer polierten Großvateruhr. Gertrude betritt das Wohnzimmer und schaut sich um, bis sie ihren Mann auf der braunen Ledercouch entdeckt.

Gertrude: „Ne, sitzt du schon wieder vor der Glotze, Liebster? Da machste […] Weiterlesen

Am Pranger

Warnung: Diese Kurzgeschichte enthält Szenen, die auf einige Leser beunruhigend wirken könnten. Mehr zu unseren Warnungen sowie wann und weshalb wir sie anwenden, erfahrt ihr in unseren FAQ.

Jemand zieht ihn an seinen Fesseln ruckartig vorwärts. Leute jauchzen, andere raunen erzürnt jene Beschimpfungen, die ihn seit Wochen verhöhnen. Hart stößt man ihn zu Boden, die Haut über seinen Knien platzt auf den Pflastersteinen auf. Es ist bloß eine weitere Wunde von vielen. Der Gestank von Schweiß steigt ihm in die Nase, dann wird er gepackt, weggeschleift und sein Kopf nach unten gedrückt. „Seht ihn euch an“, donnert eine Stimme direkt neben ihm. „Eine dreckige, ehrlose Kreatur.“ Die Sonne steht tief, blendet ihn blind, als die Augenbinde verschwindet […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Bericht aus dem Pentagon

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Von Hunden und Bluetooth

Eigentlich bin ich ein Katzenmensch, Hunde finde ich aber auch unterhaltsam. Trotzdem befand ich das Ausbildungszentrum für Therapiehunde, dessen Gelände ich vor kurzem betreten hatte, für denkbar langweilig, insbesondere weil alle Hunde sehr folgsam waren. Da war niemand, dessen Frustrationstoleranz auf die Probe gestellt wurde oder der über eine Leine stolperte. Das normale Leben war gerade bestenfalls doppelt so langweilig wie Reality-TV, und das wollte etwas heißen. Ich ließ mich auf einer Bank nieder, deren Beine sicherlich von unzähligen Therapiehunden in ihrer Pinkelpause besucht wurde, und streckte mich.
Ich fuhr zusammen, als ein Fremder sich neben mich plumpsen ließ, sodass die Holzlatten sich bogen.
„Tagchen“, lachte der Kerl in Jeansjacke, blinzelte in die Sonne und zündete […] Weiterlesen