Der Fruchtfliegen-Effekt

„Na, wenn das mal nicht ein guter Tag wird“, seufzte Hailey und fragte sich, ob sie die falsche Profession gewählt hatte. Nur, das wäre jetzt, kurz nach ihrem dreiundfünfzigsten Geburtstag, kaum leicht zu ändern. Trotzdem, niemand, der keine Hitze vertrug und halbwegs bei Verstand war, eröffnete ein Ventilatorgeschäft, immerhin musste sie so jeden Sommer arbeiten, statt in den hohen Norden fahren zu können. Abwesend starrte sie über ihre Ladentheke auf das geschäftige Treiben: Die Hitze flimmerte über dem Asphalt vor dem alten Schaufenster, ein schäbig wirkender Gelenkbus tuckerte vorbei. „Scheißdreck“, stöhnte sie, wohl wissend, dass nicht einmal alle Ventilatoren der Welt eine Klimaanlage ersetzen konnten, eine Tatsache, die ihr regelmäßig verschwitzte Tage bescherte, wenn sie auch glücklicherweise von ihren Kunden ignoriert […] Weiterlesen

A.K.R.O.N.Y.M.

Philipp lehnte gegen das hölzerne Balkongeländer und gönnte sich eine Zigarette. Seit seiner Scheidung wohnte er in dem Häuschen am Waldrand, wo einzig der Postbote, ein paar verirrte Wanderer und unzählige Rehe vorbeischauten. Manchmal begäbe sich Phillip am liebsten mit dem Scharfschützengewehr aufs Dach, um die Reifen des pöstler’schen Mopeds zu zerschießen und auch vor dieser Störung Ruhe zu haben. Dieser Plan war allerdings aus zweierlei Gründen unrealistisch: Einerseits besaß Philipp kein Scharfschützengewehr und andererseits lieferte der Pöstler den Löwenanteil von Phillips Lebensmitteln.
Vor zwei Tagen jedoch hatte die jährliche Konferenz Phillips Leben drastisch auf den Kopf gestellt, denn der Zufallsgenerator hatte seine Residenz als Veranstaltungsort auserkoren. Und so musste er sich wohl oder übel damit abfinden, dass seine Berufskollegen sein unglaublich friedvolles […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | In die Röhre schauen

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Apokalypse für Anfänger

„Scheiße, scheiße, scheiße!“, keuchte Samantha, als sie die Treppe hochhastete. Die Pistole in ihrer Hand fühlte sich ungewohnt an, schwer, wenn auch zugleich beruhigend. Im Gegensatz dazu war der Schweiß an ihrem Körper nur unangenehm, stellte sie nebenbei fest, fasziniert, konnte sie im Adrenalinrausch noch solche Nebensächlichkeiten bemerken. „Verfluchtes Haus“, wetterte sie, als wie wieder im zweiten Stock anlangte, die ganzen Treppen machten ihr irgendwann noch den Garaus. Ein weiterer Grund zur Sorge, denn in einer kollabierten Gesellschaft würde sie entweder ganz schnell abnehmen und fit werden oder mit dem Großteil der Menschheit abkratzen.
Geistesgegenwärtig entschloss sie sich, Peters Waffe vorerst in die Tasche ihres Strickjäckchens zu stecken, ehe sie in die Küche zurückkehrte. Ihr […] Weiterlesen

Der Preis, den andere zahlen

„Ich habe keine Ahnung, ob das eine gute Idee ist“, brummte Dara und schaute sich im Gästezimmer ihres besten Freundes um. Seit ihr Loft vom Dreitägigen Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden war, oder eher, die ganze Fassade verloren hatte, wohnte sie gezwungenermaßen mit Marius zusammen.
Er hatte es sich auf einem alten Sessel bequem gemacht, wippte mit den Füssen und hielt eine Tasse Tee in der Hand. „Also ich bin weiterhin überzeugt von meinem Plan.“
„Das wundert mich wenig, du bist von deinen Ideen immer überzeugt“, gab Dara zurück und erhob sich mit einem Seufzen. „Wir leben nicht länger in einer Welt, in der Meinungsfreiheit herrscht, um dich mal wieder daran zu erinnern.“
„Ja, weil wir nach drei Tagen vor der Besatzungsmacht kapituliert haben“, […] Weiterlesen

Auf dem Kiesweg

Marie unterdrückte ein Schluchzen, das ihr Bertram dennoch problemlos anhörte, und wich einem Haufen Pferdemist aus, der auf dem gekieselten Feldweg lag. Tröstend legte er einen Arm um die zierlichen Schultern seiner Frau, die im letzten Jahr derart abgemagert war, dass sie bestenfalls als Schatten ihrer selbst gelten konnte. „Wir haben alles richtig gemacht, oder?“, suchte sie Bestätigung; sie stellte diese Frage im Verlauf der letzten Monate häufig, er hatte wusste längst nicht mehr, wie oft.
„Ja, das ist nicht unsere Schuld“, wiederholte Bertram seine zur Standard-Antwort gewordene Phrase mechanisch, ohne die grimmige Miene abzulegen.
„Achtung, Hundekacke“, unterbrach Lucy, ihre Teenager-Tochter, die […] Weiterlesen

Ein ganz normaler Tag

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“ und lässt euch ein bisschen mehr über die Figuren der Promise-Reihe erfahren.

Stanleys Tag lief seiner Ansicht nach alles andere als gut: Erst war er nach einer viel zu kurzen Nacht übermüdet aufgestanden, hatte sich die Zunge am heißen Morgenkaffee verbrannt und langsam aber sicher bahnten sich Kopfschmerzen an. Mit einem kraftlosen Grummeln ging er die paar Stufen zur Brücke des alten Sternenschiffes hoch, die Tür vor ihm glitt automatisch zur Seite.
„Morgen, Stan!“, flötete Natala, der Frachter-Captain der Promise, ohne sich von der Kommandokonsole abzuwenden. „Na, ordentlich geschlafen?“ […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Der rote Ball

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Es ist nicht Paranoia, wenn sie wirklich hinter dir her sind

„Mit unserer Flatrate steht Ihnen …“ Ich blende die Stimme des Kundenberaters aus, der eine andere Kundin berät (was Kundenberater halt tun) und sehe mich gelangweilt im Handyshop um, welcher mit Geräten aller erdenklichen Marken und Zubehörregalen vollgestellt ist. Die alte Matratze in meinem engen Apartment, der Inbegriff der Unbequemlichkeit, wirkt luxuriös und geräumig verglichen mit dem Fleckchen freien Boden unter meinen Füssen; wie sich irgendein Mensch in diesem Geschäft bewegen kann, ist mir ein Rätsel. Ein Rascheln lässt mich herumfahren und nach einem Moment verwirrten Umhersehens begreife ich, es ist lediglich das Prasseln der von heftigen Böen gegen die Schaufenster gewehten Regentropfen. Entspannter beobachte ich, wie die Kundin, die wie eine typische Oma aussieht, eine Frage stellt: „Ach, und mit dem Dings kann ich […] Weiterlesen

Von Pflanzen und Zombies

Diese Kurzgeschichte erschien im Rahmen der sechsten Clue Writing Challenge.

Ich mag sie, diese ruhigen Momente, in denen ich die Herbstsonne im Wald genieße, friedvoll, sorglos. Fast sorglos, denn mich mit etwas anderem als dem aktuellen Problem zu befassen, wäre nicht allein dumm, sondern ebenso leichtsinnig, daher nehme ich den Bleistift zur Hand und widme mich wieder meinen Plänen. Meine Konzentration ist flüchtig, zu angenehm ist es hier draußen, eine willkommene Abwechslung vom Trott des Alltags. Also zwinge ich mich […] Weiterlesen