Für’n A****

Marco, wie ihn seine Kunden nannten, starrte die kuriose Konstruktion an und verzog das Gesicht. Eigentlich hieß er mit Nachname Markovic, weshalb sich das Pseudonym Marco geradezu anbot. Als einer der Top-Freelancer in seinem Bereich hatte er einen Decknamen auch unbedingt nötig, schließlich taten international gesuchte Profikiller gut daran, ihren echten Namen möglichst selten auszusprechen. Diese Überlegungen traten in den Hintergrund für den Mann, der seine Ziele bereits in den Bergen von Afghanistan und dem bolivianischen Dschungel gejagt hatte, denn die ihm bevorstehende Aufgabe übertraf alles.
„Wie benutzt man das Ding?“ Skeptisch musterte Marco das bis zum Rand mit Wasser gefüllte Bidet und setzte sich nach einiger Überwindung. „Für was soll das gut sein, wenn man ein Lavabo und eine Dusche hat?“, […] Weiterlesen

Zuverlässig zuversichtlich

„Ich denke, der Neue wird sich prima schlagen“, meinte Marius und schlich durch die menschenleere Bank. „Der hat die richtige Einstellung.“
„Wer, Jack?“ Bernard schüttelte den Kopf. „Seine Zuversicht interessiert mich nen Dreck, Zuverlässigkeit ist alles. Punkt.“
„Dann ist der halt zuverlässig zuversichtlich. Passt schon.“
Die beiden maskierten Männer langten vor einer mit einem Schloss gesicherten Gittertür an und Marius fischte einen Dietrich aus seiner Jackentasche, während Bernard einwandte: „Kev war zuverlässig zuversichtlich, jeden verfluchten Tag schien dem die Sonne aus dem Arsch. Ohne Hose hätte der das ganze Schlachtfeld beleuchten können. Und was hat es ihm gebracht?“
„Wer zum Teufel ist Kev?“, wollte Marius wissen, damit beschäftigt, das […] Weiterlesen

Die Reisende

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

Über den sandigen Straßen flirrte die Spätnachmittagshitze, als Lucy erst einem Kamel, und dann einer in ihre praktische, weiße Tunika gehüllten Frau mit Kinderwagen auswich. Wüstensiedlungen wie diese hatte sie in den letzten zehn Jahren zur Genüge besucht, genauso wie schäbige Ortschaften. Obschon sie grundsätzlich immer alleine reiste, hatte sie sich seit Ewigkeiten nicht so alleine gefühlt wie jetzt. Nun ja, bisher war auch noch nie der Geheimdienst hinter ihr her gewesen. Sehr zu ihrem Erstaunen war sie deshalb nicht aufgebracht, stattdessen einigermaßen gelassen; selbst die für sie untypischen Capri-Hosen störten sie mehr.
Unschlüssig blieb Lucy auf der Straße stehen, sah sich zwischen den […] Weiterlesen

Von Trollen und Füßen

„Welche Trottel laden all die Fuß-Bilder auf Instagram hoch?“, blaffte Betty, die eben das Zimmer betreten hatte, entnervt mit dem Daumen auf dem Handy scrollend. „Ist ja wie Tinder für Fußfetischisten, totaler Idiotenverein!“
„Pst“, knurrte Olivia und wandte sich an ihre Mitbewohnerin: „Kannst du dich bitte in einem anderen Zimmer beschweren?“
Betty sah auf und musterte die Schießerei, die sich auf Olivias Bildschirm abspielte. „Schon wieder am Zocken? Kriegst du ihn?“
„Nicht, wenn du …“ Sie unterbrach sich, ließ ihren Charakter springen und zerlegte einen Gegner mit der Maschinenpistole. „Ha, nimm das!“
Betty murmelte: „Keine Ahnung, irgendwie kann ich mich nicht dafür erwärmen, aber du scheinst deinen Spaß zu haben.“ […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Keine Antworten

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Der Fruchtfliegen-Effekt

„Na, wenn das mal nicht ein guter Tag wird“, seufzte Hailey und fragte sich, ob sie die falsche Profession gewählt hatte. Nur, das wäre jetzt, kurz nach ihrem dreiundfünfzigsten Geburtstag, kaum leicht zu ändern. Trotzdem, niemand, der keine Hitze vertrug und halbwegs bei Verstand war, eröffnete ein Ventilatorgeschäft, immerhin musste sie so jeden Sommer arbeiten, statt in den hohen Norden fahren zu können. Abwesend starrte sie über ihre Ladentheke auf das geschäftige Treiben: Die Hitze flimmerte über dem Asphalt vor dem alten Schaufenster, ein schäbig wirkender Gelenkbus tuckerte vorbei. „Scheißdreck“, stöhnte sie, wohl wissend, dass nicht einmal alle Ventilatoren der Welt eine Klimaanlage ersetzen konnten, eine Tatsache, die ihr regelmäßig verschwitzte Tage bescherte, wenn sie auch glücklicherweise von ihren Kunden ignoriert […] Weiterlesen

A.K.R.O.N.Y.M.

Philipp lehnte gegen das hölzerne Balkongeländer und gönnte sich eine Zigarette. Seit seiner Scheidung wohnte er in dem Häuschen am Waldrand, wo einzig der Postbote, ein paar verirrte Wanderer und unzählige Rehe vorbeischauten. Manchmal begäbe sich Phillip am liebsten mit dem Scharfschützengewehr aufs Dach, um die Reifen des pöstler’schen Mopeds zu zerschießen und auch vor dieser Störung Ruhe zu haben. Dieser Plan war allerdings aus zweierlei Gründen unrealistisch: Einerseits besaß Philipp kein Scharfschützengewehr und andererseits lieferte der Pöstler den Löwenanteil von Phillips Lebensmitteln.
Vor zwei Tagen jedoch hatte die jährliche Konferenz Phillips Leben drastisch auf den Kopf gestellt, denn der Zufallsgenerator hatte seine Residenz als Veranstaltungsort auserkoren. Und so musste er sich wohl oder übel damit abfinden, dass seine Berufskollegen sein unglaublich friedvolles […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | In die Röhre schauen

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Apokalypse für Anfänger

„Scheiße, scheiße, scheiße!“, keuchte Samantha, als sie die Treppe hochhastete. Die Pistole in ihrer Hand fühlte sich ungewohnt an, schwer, wenn auch zugleich beruhigend. Im Gegensatz dazu war der Schweiß an ihrem Körper nur unangenehm, stellte sie nebenbei fest, fasziniert, konnte sie im Adrenalinrausch noch solche Nebensächlichkeiten bemerken. „Verfluchtes Haus“, wetterte sie, als wie wieder im zweiten Stock anlangte, die ganzen Treppen machten ihr irgendwann noch den Garaus. Ein weiterer Grund zur Sorge, denn in einer kollabierten Gesellschaft würde sie entweder ganz schnell abnehmen und fit werden oder mit dem Großteil der Menschheit abkratzen.
Geistesgegenwärtig entschloss sie sich, Peters Waffe vorerst in die Tasche ihres Strickjäckchens zu stecken, ehe sie in die Küche zurückkehrte. Ihr […] Weiterlesen

Der Preis, den andere zahlen

„Ich habe keine Ahnung, ob das eine gute Idee ist“, brummte Dara und schaute sich im Gästezimmer ihres besten Freundes um. Seit ihr Loft vom Dreitägigen Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden war, oder eher, die ganze Fassade verloren hatte, wohnte sie gezwungenermaßen mit Marius zusammen.
Er hatte es sich auf einem alten Sessel bequem gemacht, wippte mit den Füssen und hielt eine Tasse Tee in der Hand. „Also ich bin weiterhin überzeugt von meinem Plan.“
„Das wundert mich wenig, du bist von deinen Ideen immer überzeugt“, gab Dara zurück und erhob sich mit einem Seufzen. „Wir leben nicht länger in einer Welt, in der Meinungsfreiheit herrscht, um dich mal wieder daran zu erinnern.“
„Ja, weil wir nach drei Tagen vor der Besatzungsmacht kapituliert haben“, […] Weiterlesen