Der wahre Grund, weshalb die Welt Montage hasst

Fritz Krüger hasste Montage – er hasste sie in jedem erdenklichen Sinne. Insbesondere an Montagen hasste er es, auf Montage zu gehen. Früher war dem nicht so gewesen, doch mit jedem Jahr, das ins Land zog, wurden seine Rückenprobleme schmerzhafter und er sehnte seiner Pensionierung entgegen, ein alter Haudegen wie er hatte sich den Ruhestand mehr als nur verdient. So war seine Motivation auch an diesem regnerischen Montagmorgen merklich eingeschränkt, während er in den Büroturm schlurfte, in dem das oberste Stockwerk umgebaut wurde. Der müde Handwerker quetschte sich zusammen mit den Geschäftsleuten in die chromstählernen Aufzugskabinen und Fritz überlegte, während er die Taste mit der eingravierten Nummer 45 drückte, wie grauenhaft dieser Tag werden musste. Wahrscheinlich war es wieder eine kaum enden wollende Kaskade aus […] Weiterlesen

Gaststory | Der erste Tag

„Frau Löslein, haben Sie die Klingel nicht gehört?“ Dr. Jacobi hatte eine Augenbraue nach oben gezogen und musterte dabei fragend seine neue Sekretärin.
„Klar, hab ich, Dr. Jacobi. Aber ich hab den Schnappi reingemacht. Die Leute können einfach reinkommen.“ Die junge Frau mit den raspelkurzen roten Haaren, sah von ihrem Schreibtisch auf und grinste den älteren Notar an.
Dr. Jacobi seufzte. Er rückte sich seine elegant wirkende Krawatte zurecht und erwiderte: „An ihrem ersten Tag sehe ich es ihnen nach. Aber in meinem Notariat werden die Klienten noch an der Türe abgeholt. Kein Schnappi, oder wie sie den mechanischen Türöffner nennen.“
Frau Löslein begleitete ein elegantes Paar mittleren Alters in das Zimmer ihres Chefs. […] Weiterlesen

Am schlimmsten ist die Stille

Als ich heute Morgen meinen Wagen aus der Auffahrt lenkte, fiel mir ein, dass ich etwas vergessen hatte. Also habe ich wieder zurückgesetzt, den Schlüssel stecken lassen und bin durch die Küchentür gehastet, um das Geld für Jamies Exkursion auf den Tresen zu legen. Ich erinnere mich daran, dass ich am Vortag so wütend auf sie gewesen war, weil sie wieder einmal meinen Lieblingspulli ohne meine Erlaubnis genommen hatte. Doch das kommt mir jetzt nur noch wie ein schlechter Witz vor.

Mein Tag hatte so angefangen wie die meisten anderen und ich hätte nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass er auch so enden würde. Ich war um viertel vor fünf aufgestanden, war laufen gegangen, mich danach geduscht, meine Bluse in den Bleistiftrock gesteckt […] Weiterlesen