Insgeheim

„Robert.“ Der Klang meines verhassten Namens schubst mich zu leicht aus der oberflächlichen Konzentration, mit welcher ich meine genauso oberflächliche Arbeit zu verrichten pflege. „Kommst du später mit zu Reeses?“ Darauf bedacht, keinerlei Nervosität zu zeigen, schiebe ich den halbherzig bearbeiteten Papierstapel vor mir beiseite, lege meinen Stift hin und erwidere: „Naja, weißt du, Norbert …“ Ich lasse ihn eine Weile schmoren, nicht weil ich ihn unbedingt schmoren sehen möchte, sondern weil mein vermaledeites Hirn wie üblich zu langsam arbeitet. „Robert, nein!“, rügt er mich lange vor dem befürchteten Vergehen, ich könnte mich neuerlich um das obligate Feierabendbier drücken wollen. „Du kommst mit, Maria, Roberta und die anderen sind auch da“, stellt er fest, ohne Rücksicht auf mein Befinden oder meine Brieftasche. Letztere droht demnächst […] Weiterlesen

Gaststory | Rache ist süss

Als Michael erwachte, ging es ihm echt schlecht: Er hatte Kopfschmerzen und ihm war übel. Stöhnend öffnete er die Augen, nur um sie ganz schnell wieder zu schließen. Das Licht war viel zu hell, einfach nicht auszuhalten. Warum ging es ihm nur so mies? Egal, Helga musste ihm erst mal etwas gegen die höllischen Kopfschmerzen geben, dann würde man weitersehen können. Merkte sie nicht wie schlecht es ihm ging? Schlief sie so fest oder war sie schon aufgestanden? Seine linke Hand tastete nach seiner Frau und der Schreck fuhr ihm in alle Glieder. Da war nichts. Nicht nur seine Frau war nicht da, das Bett war einfach zu Ende, seine Finger glitten ins Leere. Er lag eindeutig nicht in seinem Bett. Erschrocken riss er die Augen auf, um sie gleich wieder zuzukneifen. Nein, so ging das nicht. Was war nur los? Wo war er? Ganz vorsichtig blinzelte er mit halb geschlossenen […] Weiterlesen

Unnatürliche Auslese

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Ann saß auf dem alten Spitalbett und fragte sich, wie lange es dauern mochte, bis der Arzt wiederkam. Das Krankenhaus war beinahe verlassen, sie gehörte zu den letzten, die noch nicht evakuiert worden waren; vermutlich wurde sie nicht mit Priorität behandelt, weil sie keine Kinder hatte. Sie blickte sich in dem kargen Raum um, an dessen Wänden bereits die grünliche Farbe abzublättern begann und vor dessen Fenstern ein einziger kahler Baum in der nuklear verseuchten Einöde stand, die einst die Hauptstadt gewesen war. Sie streckte sich und konnte fühlen, wie ein scharfer Schmerz durch ihre Hüften fuhr – das Schrapnell war zwar entfernt worden, doch die […] Weiterlesen