Eiskalt abserviert

Gerhard Gütersloh war das, was man sich nach einigen Jahrzehnten mit „Tatort“, „Der Alte“ und „Ein Fall für zwei“ als desillusionierten, deutschen Kommissar vorstellte, bloß noch stereotyper. Während seine jüngeren Kameraden über Dinge wie Wahlen, das EU-Parlament und den Länderfinanzausgleich diskutierten, interessierte sich Gerhard lediglich für seine Fälle, machte gelegentlich sarkastische Sprüche und genehmigte sich zu regelmäßig einen Gin Tonic in seiner Lieblingsspelunke. Er mochte Überwachungen nicht sonderlich, denn in seinem Vehikel war es eng und im Sommer kam er sich wie ein Küken unter der Brutlampe vor.
„… und das ist der Grund, wieso der Blaufußtölpel der beste Vogel von allen ist“, beendete Schröder seinen begeisterten Monolog, der eine geschlagene Viertelstunde gedauert […] Weiterlesen

Allein für mich

Unter dem Esszimmertisch sitzend betrachte ich die Duftkerze auf der gegenüberliegenden Kommode. Das Flämmchen wackelt ein wenig, dann heftiger, danach pendelt es sich wieder ein, züngelt gemütlich vor sich hin, als hätte die Erde eben nicht gezittert. Ich hasse Erdbeben, so richtig und mit Leidenschaft, gleichwohl bin ich nach San Francisco gezogen, der Liebe wegen, wie ich behaupte. In Wahrheit war mir die entfernte Liebe gerade richtig gekommen, daher blieb mein Optimismus ungetrübt, als sie nach kurzem Glück spektakulär zerbrach. Durch sie habe ich bekommen was ich wollte: Einen Grund, ans andere Ende der Erde auszuwandern. Das mit den Erdbeben ist allerdings eindeutig überflüssig. Selbstverständlich galt das ebenso für anderes, aber ich sollte das mit dem Jammern lassen, habe kaum Anlass dazu und die wenigen Dinge, die […] Weiterlesen

Täglich grüßt der Schmetterling

„Die Eindimensionalität unserer Existenz hätte dir längst bewusst werden sollen, bereits bevor jemand Karten gemischt hat, deren einziger Zweck es ist, unser Schicksal zu bestimmen.“ Die Rote wirkte nicht besonders glücklich während ihrer Abhandlung, was jedoch den Grünen nicht davon abhielt, ihr sogleich zu widersprechen: „Wie kannst du so etwas sagen? Du siehst hier weit über die Oberfläche, die Kante der Pappmaché in den unerträglichen Abgrund am Rande des Wohnzimmertischs?“
„Und trotzdem ist unsere Existenz zweifelsfrei an diese eine Dimension gekoppelt, auf der sich alles abspielt, ein Pfad, nicht mehr.“
„Selbst mit dieser Prämisse hättest du zwei Dimensionen, und du hättest noch nicht einmal begonnen, mit der Fonduegabel an der Oberfläche der Realität zu kratzen“, […] Weiterlesen