Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor | Der Abhang

Dies ist der 13. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor“.

„Wisst ihr was mir am meisten fehlt?“, durchbrach Clint die Stille. „Seit die Welt urplötzlich zu einem Haufen stinkender Gedärme explodiert ist, meine ich.“ Der Professor rümpfte die Nase und schüttelte ob Clints farbiger Sprache den Kopf. „Musik?“, riet Tess gelangweilt. Sie schob ihre durchweichten Wanderstiefel dicht über dem Boden durchs feuchte Gras. Die kleiner gewordene Gruppe marschierten seit beinahe vier Stunden über einen Hügelkamm, zu ihrer Rechten führte eine sanfte Böschung zu einem verschmutzten See, auf der anderen Seite ging es steil bergab ins Tal. „Nein.“ Clint jauchzte übermütig und […] Weiterlesen

Die Killer im Comicbuchladen

„Komm zurück, ich will doch nur spielen“, rief Lenny durch den Comicbuchladen, bevor er langsam die Treppe hoch schlich. Die Dielen des alten Gebäudes knarrten unter seinen Füßen, auch die Tatsache, dass der Sneakers trug, änderte daran nichts. Das gelbliche Licht der einsamen, etwas entfernten Straßenlaterne zeichnete den Schriftzug des Schaufensters als kaum leserliches, verzerrtes Muster auf den Boden ab und draußen pfiff der Wind um das Gebäude, rüttelte an den Bäumen. Eine nasse Zeitungsseite klatschte gegen das Fenster, blieb kleben und entlockte Jenny, die nahe hinter Lenny schlich, ein erschrockenes Quietschen. Sie fuhr zusammen und Lenny konnte dabei das Rascheln ihrer zum Pferdeschwanz gebundenen Haare hören. „Pst“, zischte er, hob seine Stimme aber sofort wieder zu einem, an ein grauenhaftes Stakkato erinnerndes, Kichern […] Weiterlesen

Geh auf dein Zimmer!

Horst, jetzt räum deinen Klumpatsch endlich weg! Wir sind nicht in die Neue Welt gekommen, um ein Durcheinander anzurichten“, wetterte Mathilde den Jungen an, der mitten auf dem Boden seines Zimmers saß und von einer bewundernswerten Menge Bauklötzchen umgeben war. Trotzig griff sich das Kind eine Handvoll davon und pfefferte sie in eine Ecke. „Nein, ich will ein Eis!“
Mathilde verdrehte die Augen. „Du kriegst ein Eis, wenn du brav bist und dein Durcheinander aufräumst, Sohnemann. Ich gehe jetzt in den Garten, ich will heute noch die Eiche einpflanzen, bevor es dunkel wird.“ Damit wandte sie sich ab und stakste durch die Tür, die sie hinter sich gut hörbar zumachte. Horst murmelte wutentbrannt unzusammenhängende Satzfragmente in sich hinein und begann, Klötzchen in einen […] Weiterlesen

Alles voll Porno, Mann!

Kiki stöhnte so laut sie konnte, während Brad auf das Ende der unendlich scheinenden Szene wartete. Er fand, dass sie eine der Pornodarstellerinnen war, die ihre Arbeit schon seit geraumer Zeit nicht mehr mit Herzblut erfüllten und sich ab und an auch langweilten, doch trotzdem ihr Bestes gaben, weil sie dies in jedem Job tun würden.
„Schnitt, machen wir fünfzehn Minuten Pause“, rief Brad, als die Szene endlich fertig abgedreht war und trat von der Plattform hinunter, die er anstelle seines Regie-Stuhls genutzt hatte und Greg, der junge Kameramann, stellte seinen Apparat ab und zündete sich eine Zigarette an. Brad war zum Schluss gekommen, dass es aussichtslos war, dem Burschen beizubringen, dass man am Set nicht rauchen durfte. Noch schien Greg die Szenen interessant zu finden, doch Brad war überzeugt, dass das nicht mehr lange […] Weiterlesen

Yugen: Unwahrscheinlich und einzigartig unbedeutend

Das kleine Städtchen war in den typischen morgendlichen Dunst gehüllt, der zu dieser Tageszeit durch so viele Städtchen zieht und sie besonderer erscheinen lässt, als sie es jemals sein könnten. Manchmal kam es ihm so vor, als hätte er sie alle schon gesehen, als wäre er in seinen Träumen durch sie hindurchgelaufen, ohne sie wahrhaftig begriffen zu haben und so blieb dennoch die Neugierde zurück, welche stetige Begleiterin auf jeder Reise ist. Der Polyester seines Hemdes knisterte leise, als er sich in seinem Campingstuhl aufrichtete, um besser über die Brüstung sehen zu können und für eine Weile schweigend den Menschen zuzusehen, die gedankenverloren vorbeieilten. Von hier oben wirkten sie winzig und obwohl es ihnen nicht immer klar war, waren sie das auch. Winzige und unbedeutende Organismen, die ihren Teil zur Formung dieses Planeten […] Weiterlesen