Special zu Sarahs zweihundertfünfzigster Story | Auf nach Alteram Vicem

Entnervt lausche ich der Stimme in meinem Kopf, die verkündet, ich solle aufstehen. Ich habe Wecker schon zu jenen Zeiten gehasst, als ich keine bioelektronischen Implantate hatte, aber die telepathische Version ist tatsächlich schlimmer. „Ist gut, bin wach“, murre ich gedanklich und richte mich auf – wenigstens ist der impertinente Piepston, der zusätzlich durch meinen Schädel hallte, endlich verstummt. Die erste halbe Stunde des Tages ist für mich bis heute seltsam: Während die Cyborg-Teile vollständig hochgefahren sind, kommt der organische Teil meines Körpers gerade erst zu sich. Nach über zweihundertfünfzig Jahren habe ich aufgegeben jemals ein Morgenmensch zu werden. Glücklicherweise ist die Erde ein Ort, der nie schläft und meinem Jobs als Schriftstellerin und Designerin virtueller Realitäten kann ich rund um die Uhr nachkommen. […] Weiterlesen

Special zu Rahels zweihundertfünfzigster Story | Alteram Vicem

Das System wird gebootet, die Bioware-Treiber initialisiert und schließlich rahel3145.exe ausgeführt. Schlagartig öffne ich die Augen und starre an die Deckenkuppel meines Habitats, wo aktuelle Wetterdaten, Nachrichten und verpasste Mitteilungen eingeblendet werden. In Gelb hinterlegter Schrift zählt der Countdown zu Sarahs Ankunft hinunter: Zwei Tage, sechsunddreißig Stunden, zwölf Minuten und vierzehn, nein, dreizehn Sekunden. Achtundzwanzig Jahre ist es nun her, seit wir uns das letzte Mal in Fleisch und Blut statt via Direktübertragung gesehen haben. Wobei die Umschreibung ‚Fleisch und Blut‘ zumindest bei Sarah nicht mehr ganz korrekt ist, besteht sie doch vorwiegend aus mechanischen Teilen. Ich hingegen ließ meinen Originalkörper zurück, als seine Gebrechen umfangreichere Modifikationen bedurften. Einen sentimentalen Wert hatte […] Weiterlesen

Uluru Sunset

Die Steigung war sanft genug, dass selbst das Rentnerehepaar vor ihnen keine große Mühe damit hatte, dicht auf den Fersen ihrer beiden Enkelkinder zu bleiben. Diese tobten auf dem Weg nach oben und hielten nur hier und da inne, um Seifenblasen in die glasklare Abendluft zu pusten. Es wehte kein Wind und die Sonne kroch gemächlich dem Horizont entgegen. Noch glühte der Himmel nicht in Orange und der Felsen reflektiere in fahlem Braun, auf dem das grelle Grün ihrer Wanderschuhe fremdartig wirkte.
„Ach komm schon, das hast du dir immer gewünscht“, drängelte sie weiter, ohne sich nach ihm umzuwenden. Es fiel ihm nicht schwer, zu erraten, weshalb sie stur geradeausblickte. Einige hundert Meter hinter ihnen, am Fuß des Ayers Rock, standen einige Reihen mit Autos und Reisebussen, mit denen die vielen Ausflügler hierhingelangt […] Weiterlesen