Meine Streifen sind (nicht) heilig

Die morgendlichen Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch die Wolkendecke, zauberten flackernde, wirbelnde Lichtpunkte in die staubige Stallluft. Zina das Zebra schnaubte verschlafen und schüttelte sich dann ausgiebig, ehe sie ihre schwarzen Nüstern aus dem Fenster rekte. Sie war erst wenige Tage hier, hatte allerdings bereits gelernt, dass sie am Morgen meist die erste war, die dem Träumen überdrüssig wurde. Die anderen Bewohner dieses ihr fremden Ortes schlummerten lieber länger, was Zina dem Zebra nichts ausmachte, immerhin konnte sie dadurch einige ruhige Minuten verbringen. Der Mann, der sie im Zirkus abgeholt hatte, erzählte ihr auf dem Weg zum Trailer, er brächte sie an einen wundervollen Flecken der Erde, wo es keine Sorgen gäbe, auf einen Gnadenhof. Zina das Zebra hatte schon als Fohlen Gerüchte darüber gehört, […] Weiterlesen

Special zu Rahels hundertster Story | Schlafen, Essen, Sterben

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Seufzend, nein, ächzend warf er seinen ungeschickt gepackten Rucksack aufs Bett und ließ sich gleich danach neben ihm auf die Matratze fallen. Die Anreise hatte wirklich zu lange gedauert, dachte sie sich, währendem sie versuchte ihren von Zugstizen und Übernächtigung malträtierten Körper dazu zu bewegen, aufzustehen und sich auszuziehen. Solche Dinge sind manchmal ein wenig seltsam, da freut man sich stundenlang auf eine warme Dusche und kann an nichts anderes denken, als endlich aus den dreckigen Klamotten zu kommen und kaum hat man die Chance dazu, kann man sich kaum dazu motivieren, sich auch nur einen Meter vom Lehnsessel zu entfernen. […] Weiterlesen

Frühstück bei IKEA

Beinahe träumerisch schlenderte Lara, auf ihren leeren Einkaufswagen gestützt, durch die IKEA-Filiale und genoss es, sich die vielen Musterwohnzimmer anzusehen, an denen sie vorbeikam. Sie wusste, dass ihre Wohnung nie derart perfekt, ordentlich und sauber geputzt sein würde, dass sie niemals diesem Idealbild entsprechen würde. Doch man würde doch wohl noch träumen dürfen, an diesem nebligen Mittwochmorgen in dem momentan ziemlich ruhigen Möbelhaus. Sie würde sich einen neuen Schrank kaufen, so viel stand fest. Wie immer würde ihre Unentschlossenheit die armen Kundenberater in den Wahnsinn treiben, doch für diese verfluchten Schränke gab es einfach viel zu viele verschiedene Türvarianten. Und wenn man sich gleich zwei davon kaufte, sich für die verspiegelten Türen entschied und sie in einem Neunzig-Grad-Winkel aufstellte, würde es […] Weiterlesen