Auf Abwegen

„Durchgeknallt, das bist du!“, schimpfte Heinz mit seiner Liebsten. „Ehrlich, Gudrun. Das ist schwachsinnig.“ Die Angesprochene zuckte mit den Schultern, zog Schnodder die Nase hoch, ehe sie sich entspannt an die bröckelige Wand lehnte und meinte: „I wo, so schlimm ist das alles gar nicht.“ Dann beugte sie sich ein wenig vor, um ihre Stützstrümpfe zurechtzuzupfen und tippelte vorsichtig weiter den Schacht hinunter. Heinz folgte ihr mit einem knappen Meter Abstand, hielt dabei seine Rechte so ausgestreckt, dass er sie auffangen könnte, sollte sie stürzen.
Gudrun war seine dritte große Liebe, obschon er zu gerne behauptete, sie sei die erste und letzte. Vor ihr waren Karin und die zweite Karin seine Angetrauten gewesen. Wobei die zweite Karin, das war ihm mittlerweile klar, eine eher schlechte als rechte […] Weiterlesen

Der Ethos des H. Heinrich Häberli

Obwohl sich diese Kurzgeschichte an einem realen Handlungsort abspielt, sind die Geschehnisse und die handelnden Personen frei erfunden.
Schlagzeilen wie „Die Gewinner des Jungschützenfestes“ oder „Diebstahl in der Dorfbibliothek“ säumten H. Heinrich Häberlis Karriere, als wären sie leuchtende Pfeiler seiner journalistischen Bestrebungen. Man musste bloß die Metaebene dieser mondän erscheinenden Artikel beachten, was selbstverständlich kaum einer tat. Für die Neue Zürcher Zeitung hatte er als Jugendlicher schreiben wollen, später begnügte er sich mit überschaubareren Zielen, wäre froh gewesen, für die Freiburger Nachrichten Lokalnews zu recherchieren. Naja, es kam wie es eben kam, weshalb H. Heinrich Häberli seit bald vierunddreißig Jahren Chefredakteur, pardon, Chefredaktor des renommierten Gurmerler […] Weiterlesen