Auf der Mauer, auf der Lauer – das postikonische Vampirtagebuch

Eigentlich hätten wir uns kaum bewegen, sicherlich nicht sprechen dürfen, doch es fiel mir unglaublich schwer. Das hier war spannender als jeder Krimi, den man für fünf Euro in der Wühlkiste fand, der wohl einzige Lesestoff, mit dem ich mir die Zeit vertrieb. Die Friedhofsmauer, auf der wir ausgestreckt und miteinander zugewandten Gesichtern lagen, war kalt, immerhin war es schon fast Halloween. Ich ergriff seine eisigen Hände, sah tief in seine wundersam blauen Augen, in denen ich mich sowas von komplett verlieren könnte … Ich war verliebt, mit Leib und Seele. Wieso nur konnte ich dieses intensive Blau im Zwielicht so gut erspähen, nachts auf dem alten Friedhof, wo Nebel über die schräg stehenden Grabsteine waberte, ein Käuzchen auf den scherenschnittartigen Ästen saß und sich der zerfallende Kirchturm gegen die vom Mond erhellten Wolken abzeichnete? […] Weiterlesen

Das X mit dem Y, oder warum blaue Kugelschreiber out sind

Der Regen des Sommergewitters prasselte auf das Dach des Aufnahmestudios und ein Donnerschlag folgte so nahe auf den vorhergehenden, dass sie beinahe zu einer Kakophonie verschmolzen. Cara stand unter dem Vordach und nahm mit bewundernswürdiger Sturheit einen Zug von ihrer Zigarette, und der dichte Regen war so stark, dass sie auch im Trockenen in einer feinen Wasserstaubwolke stand. Ein Blitz erhellte die Abenddämmerung und der Knall war nahezu zeitgleich zu hören. Cara zuckte zusammen, denn der Blitz musste ganz in der Nähe eingeschlagen sein. Sie warf einen letzten skeptischen Blick auf ihre halb abgebrannte Zigarette, doch sie traute der Sache nicht mehr und warf die Kippe daher in den Aschenbecher, der an einen kleinen See erinnerte, bevor sie die Tür aufzog und rasch wieder ins Innere des Studios schlüpfte. […] Weiterlesen