S06E11 | Homo homini Lupus est. Die unwiderstehliche Boshaftigkeit der Gruppendynamik

Wir möchten euch herzlich zur elften Episode der sechsten Staffel des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast begrüssen. Sie basiert auf der Story „Homo homini Lupus est. Die unwiderstehliche Boshaftigkeit der Gruppendynamik“ von Rahel. Wer auf dem Dachboden wühlt, entdeckt verborgene Schätze. In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Praktikabilität, Kommode, Kreissäge, Hinweisschild“ und „Wunschkind“ vertextet und sie spielt am Setting „Fähre“. Die Sprecherin dieser Episode ist Rahel. […] Weiterlesen

S04E07 | Von Tiefflügen und Klammerbemerkungen

Wir möchten euch herzlich zur siebten Episode der vierten Staffel des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast begrüssen. Sie basiert auf der Story „Von Tiefflügen und Klammerbemerkungen“ von Sarah. Es gibt sie, diese Tage, an denen man sich (verdammt nochmal) einfach nur über seine Liebsten nervt. In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Papierkorb, Kotzgeräusch, Handcreme, Radiator“ und „Verzweiflung“ vertextet und sie spielt am Setting „Verkehrsmuseum“. Die Sprecherin dieser Episode ist Johanna Ehrlich.

Tagebücher und andere Dummheiten

Ein neuer Tag, neues Glück? Nein, nicht ganz, doch irgendwie so war mir das Sprichwort, das ich mir zu Herzen nehmen wollte, in Erinnerung. Ja, ich bin nun mal nicht gut mit Sprichworten. Damit muss man leben, oder wenn es einen ärgert, es ändern. Wie ihr sicher längst festgestellt habt, ärgert es mich nicht.
Nicht, dass je jemand mein Tagebuch lesen würde, also kann ich solchen Blödsinn hier reinkritzeln. Lebt damit, meine lieben, imaginären Zuhörer. Hach, jetzt würde ich gerne mit einem Satz fortfahren, der genug Pathos hat, um euch alle von euren fetten Hintern zu hauen, etwas wie: „Und in dem Moment begann ich zu ahnen, dass die Nachwelt mein Tagebuch minutiös studieren würde, um in das Hirn eines Serienkillers zu schauen.“ Da-Da-Dam! […] Weiterlesen

Hybris

Ich starre in diese tiefe, alles verschlingende Dunkelheit des mannshohen Abflussrohres, durch das bei jedem Unwetter die Wassermaßen, die das Kanalsystem der sonst so trockenen Stadt fluten würden, weg befördert wurden. Unsere Schritte hallen auf dem noch leicht feuchten Boden und die Lichtkegel unserer Taschenlampen tanzen über den mit Graffiti beschmierten Beton. Jedes Mal, wenn ich eines der gesprayten Gang-Tags sehe, muss ich an Hunde denken, die ihr Revier markieren, das hier ist einfach die für Menschen lesbare Form des Urinierens.
„Scheißloch“, zischt Kruger hinter mir, als er beinahe auf einem durchweichten, pampigen Karton ausgerutscht wäre, den die letzte Überschwemmung hier liegengelassen hat. Vielleicht hat darin mal ein Penner gewohnt, wenn es nicht regnete, hausten viele hier […] Weiterlesen

Das Ende der Höflichkeit

„… und damit wäre der Konzentrationsausgleich erklärt“, beendete der Herr Winter, der Biologielehrer an meinem Gymnasium, seine Ausführungen und machte dann eine kurze Pause. Stefan stupste mich an und flüsterte: „Mir hängt Osmose so zum Hals raus.“
Gleichgültig zuckte ich mit den Schultern und versuchte den letzten Satz in meinen Notizen fertigzuschreiben, doch er wollte diesmal nicht so einfach aufgeben. „Was hältst du davon?“
Mir war rätselhaft, wieso Stefan sich ausgerechnet den Platz neben mir ausgesucht hatte, denn wir hätten nicht verschiedener sein können. Er war der typische Vertreter der Gattung „Demotivierter Gymnasiast“, während ich ganz und gar dem Lernen und der Höflichkeit verschrieben war und mir ständig vorgehalten wurde, dass ich ein Streber sei. […] Weiterlesen

Weihnachts-Special | Die dunklen Machenschaften des Mr. Spekulatius

„Guten Tag, Mr. Spekulatius, was darf es denn heute sein?“ Und da stand sie wieder, so wie am Tag zuvor und am Tag davor und vermutlich wird sie auch noch morgen und übermorgen und in zwanzig Jahren hier stehen. Versteht mich nicht falsch, ich mochte die Frau, deren Namen ich schon tausendmal gehört habe und mir doch nicht merken kann, weil er mir in etwa so wichtig ist, wie die Lage im Libanon, im Prinzip wirklich sehr gerne. Oder besser gesagt, ich mochte es, sie wie die vielen anderen Konstanten in meinem Leben als allmorgendlichen Orientierungspunkt zu benutzen. Aber, und dieses eine „aber“ kann ich nicht genug betonen, die gute Dame war dermaßen unterbelichtet, dass man meinen könnte, irgendein verrückter Professor aus einem drittklassigen Horrorroman für sterbensunglückliche, egomanische Teenager hätte an ihr eine Lobotomie durchgeführt. […] Weiterlesen

XOR

„Fu…“, begann Carla und konnte den zweiten Teil des Wortes gerade noch unterdrücken, nachdem ihr der Collegeblock, den sie sich unter den Arm geklemmt hatte, weggerutscht und auf den Bürgersteig geklatscht war. Umständlich ging die mit Büchern beladene Medizinstudentin in die Hocke und versuchte ihn wieder aufzuheben. Gerade, als sie mit einem ausgestreckten Finger den Block berührte und glaubte den Block zu fassen zu kriegen, rutschte der dicke Wälzer, den sie unter dem anderen Arm gehalten hatte, ebenfalls weg. Carla verlor endgültig das Gleichgewicht und landete unsanft auf ihrem Hintern. „Verdammt, verdammt, verdammt!“, zischte sie und schlug mit der flachen Hand auf den schmutzigen Asphalt, bevor sie kapitulierend seufzte. „Scheißtag.“
„Na, bist du wieder ein Miesepeter?“, erklang hinter ihr eine männliche Stimme, die eines […] Weiterlesen

Wie die Parkbank ihre Gäste verlor

„Mach schon, Mann”, drängelte Dejan, der nervös von einem Bein aufs andere hüpfte und dabei mit seiner Zigarette beinahe ein Loch in Moiras Bluse gebrannt hätte. „Scheiße, der ist ja völlig außer sich“, bemerkte Nina, mehr entnervt als besorgt und ignorierte ihren aufgedrehten Kumpel aber gleich wieder, um ihre Nase zurück ins Buch zu stecken und weiterzulesen. „Jetzt gib endlich den Joint her, du Wixer!“, fauchte Dejan weiter und Hari, der das aufgebrachte Hin und Her seines Kameraden nicht mehr ertragen konnte, wandte sich ihm zu und sagte betont beiläufig: „Mensch, das ist ja nicht zum Aushalten!“ Schließlich griff er energisch nach dem Räucherwerk in Andrejs Hand und reichte es Dejan, welcher es mit strahlendem Lächeln entgegennahm und sofort einen tiefen Zug inhalierte. „Ah, das ist besser.“ […] Weiterlesen

Homo homini Lupus est. Die unwiderstehliche Boshaftigkeit der Gruppendynamik

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Luana saß vor einem der schräggestellten, gigantischen Panoramascheiben, die drei Seiten der etwas altmodisch eingerichteten Lounge einrahmten, und blickte, hypnotisiert von den weißen Schaumkronen der gebrochenen Wellen, auf die See. Die anderen waren kurz nach Abfahrt der Fähre in den Duty-Free Läden verschwunden und waren gerade dabei, sich für drei Jahre mit Kosmetika und Kinkerlitzchen einzudecken. Das gleichmäßige Wanken der mit über fünfzig BRZ vermessenen Ulysses vermochte es Luanas Nerven ein wenig zu beruhigen und sie genoss die seltene Gelegenheit zur Einsamkeit auf diesem unsäglich fürchterlichen Studienausflug. Doch wie sich […] Weiterlesen

Von Tiefflügen und Klammerbemerkungen

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Ja, da stehe ich nun. Vor dem Spiegel in der öffentlichen Toilette lausche ich dem Kotzgeräusch meiner Teenager-Tochter, in die ich Jahre mühsamer Arbeit investiert habe und zu der mir nur noch ein einziges Wort einfällt: Versagerin. Nein, das darf ich nicht sagen, gar nicht erst denken, geht es mir wie jedes Mal durch den Kopf, denn am Ende muss man seine Kinder bedingungslos lieben, zumindest behaupten das immer alle. Doch auch wenn ihr Versagen zum Teil auch mein Fehler sein mag (auch das sagen alle, aber ich konnte trotz großer Mühe bisher noch keinen Beweis dafür finden), irgendwann ist das Maß voll. Wütend reibe ich mir Handcreme auf meine […] Weiterlesen