Insgeheim

„Robert.“ Der Klang meines verhassten Namens schubst mich zu leicht aus der oberflächlichen Konzentration, mit welcher ich meine genauso oberflächliche Arbeit zu verrichten pflege. „Kommst du später mit zu Reeses?“ Darauf bedacht, keinerlei Nervosität zu zeigen, schiebe ich den halbherzig bearbeiteten Papierstapel vor mir beiseite, lege meinen Stift hin und erwidere: „Naja, weißt du, Norbert …“ Ich lasse ihn eine Weile schmoren, nicht weil ich ihn unbedingt schmoren sehen möchte, sondern weil mein vermaledeites Hirn wie üblich zu langsam arbeitet. „Robert, nein!“, rügt er mich lange vor dem befürchteten Vergehen, ich könnte mich neuerlich um das obligate Feierabendbier drücken wollen. „Du kommst mit, Maria, Roberta und die anderen sind auch da“, stellt er fest, ohne Rücksicht auf mein Befinden oder meine Brieftasche. Letztere droht demnächst […] Weiterlesen

Gaststory | Kakerlaken-Tango

Ich öffnete ein Auge, was ich sofort bereute. Die Welt fuhr Karussell mit mir! Als es mir gelang, beide zu öffnen, erkannte ich über mir eine hohe, schmutzige Decke. Der kalte, muffige Geruch, die harten Dielen plus der Duft nach billigem Putzmittel verrieten mir – ich lag im Hausflur meines Mietshauses! Hämmernder Kopfschmerz raste durch meinen Schädel, löste von dort eine Welle der Übelkeit aus. Meine Zunge fühlte sich geschwollen an – der Geschmack in meinem Mund erinnerte mich an einen alten, angebrannten Topflappen. Ich hatte null Ahnung, wie spät es war. Hatten die Nachbarn gesehen, dass ich besoffen vor der eigenen Haustür herumlag?
Ich versuchte, mich aufzurichten, leider ich schaffte nur ein paar Grad, bevor ich wieder stöhnend auf den Rücken zurücksank. […] Weiterlesen

Underdog

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Baron Freiherr von und zu Wuffens hatte schon viele Abenteuer erlebt und nun das stolze Alter erreicht, in dem seine Wanderungen kürzer wurden und er länger am Fußende des Bettes schlief. Doch jedes Mal, wenn sich der Baron vor seinen Futternapf setzte, hatte er noch immer den Eindruck, dass die Wiederbefüllung bestenfalls schleppend erfolgte, ganz so als wollten ihm die Menschen auch im hohen Alter nicht den Spaß erlauben, übergewichtig zu werden. Nun gut, er wusste, dass die Familie ihn mochte, immerhin war er Baron von Wuffens, ein Hund wie kein anderer, doch manchmal könnten sie ihm dies mit mehr Nahrung anstelle von übermäßigen Streicheleinheiten zeigen! Doch der Baron […] Weiterlesen