Auf Abwegen

„Durchgeknallt, das bist du!“, schimpfte Heinz mit seiner Liebsten. „Ehrlich, Gudrun. Das ist schwachsinnig.“ Die Angesprochene zuckte mit den Schultern, zog Schnodder die Nase hoch, ehe sie sich entspannt an die bröckelige Wand lehnte und meinte: „I wo, so schlimm ist das alles gar nicht.“ Dann beugte sie sich ein wenig vor, um ihre Stützstrümpfe zurechtzuzupfen und tippelte vorsichtig weiter den Schacht hinunter. Heinz folgte ihr mit einem knappen Meter Abstand, hielt dabei seine Rechte so ausgestreckt, dass er sie auffangen könnte, sollte sie stürzen.
Gudrun war seine dritte große Liebe, obschon er zu gerne behauptete, sie sei die erste und letzte. Vor ihr waren Karin und die zweite Karin seine Angetrauten gewesen. Wobei die zweite Karin, das war ihm mittlerweile klar, eine eher schlechte als rechte […] Weiterlesen

Sinneswandel der Kerkerironie

Es roch nach Schweiß und Desinfektionsmittel, also atmete sie einige Male tief ein und wartete ab, bis sie sich wieder daran gewöhnt hatte, bevor sie mit schnellen Schritten die Kerkertreppe hinunter eilte. Sie war nach der Vorlesung mit einigen Kommilitonen in ein nahegelegenes Bistro gegangen und hatte die Zeit aus den Augen verloren, so dass sie nun spät dran war und aufpassen musste, nicht von ihrer Chefin gesehen zu werden. Denn wenn die alte Kellerassel sie so kurz vor Beginn ihres ersten Termins noch in ihren Straßenklamotten erwischen würde, hätte sie mit mehr als nur einem verärgerten Blick zu rechnen und jeder, der hier arbeitete, wusste, wie schnell solche Situationen unangenehm werden konnten. Eigentlich, dachte sie sich mit einem spöttischen Grinsen, war es ja irgendwie niedlich, dass die Assel ihren Job so dermaßen ernst nahm, zumindest war es […] Weiterlesen