Wie das Käuzchen den Aufstand übte

Faul lag einst ein Käuzchen im hohen Gras vor dem Wald und musterte mit glänzenden Äugelein den Himmel. Die Blätter der Baumkronen ließen an diesem wunderhübschen Sonntag bereits mehr Sonnenstrahlen durch, als gestern und der Wind erschien dem Vögelchen gar frostig im Vergleich zu den letzten Wochen. „Der Sommer geht bald vorbei“, fiepte es traurig vor sich hin. „Ach, du lieber Sommer, weshalb bleibst du nur so kurz?“
„Bald kommt der Herbst und bringt schillernde Farben mit sich“, erklärte des Käuzchens Großmutter lächelnd, aber der Sprössling wollte sich nicht darauf freuen.
„Ich will keinen Herbst. Der Sommer gefällt mir viel besser, ist er doch herrlich warm. Sogar der Flug zum Horst ein Genuss ist“, maulte das Käuzchen trotzig. Seufzend setzte […] Weiterlesen

Bitte die Goblins nicht füttern!

Cynthia schlenderte gelangweilt über den Pausenhof ihrer High School und blinzelte, als sie durch ihre dicken Brillengläser von der grellen Mittagssonne geblendet wurde. Ihr fiel der alte Trick ein, dass man mit einer Lupe etwas in Brand setzen konnte und für einen kurzen Moment war sie beunruhigt. Der Schnee machte die Sache auch nicht besser, da er die Sonnenstrahlen unerbittlich reflektierte und sie kniff die ihre tränenden Augen zusammen. „Verdammt“, murrte sie genervt, zog die Brille ab und hauchte darauf, um sie danach mit einem Mikrofasertuch abzuwischen. Obwohl sie ohne Brille kaum einen Meter weit sehen konnte, fielen ihr die vielen kleinen Stäubchen auf den Gläsern auf, die auf mysteriöse Weise ständig dort landeten, genau wie die Gegner, die in Videospielen immer wieder auftauchten und deren einzige Aufgabe es war, sie zu ärgern. […] Weiterlesen

Massaker im Zauberwald

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Stolz und aufrecht ritt der Prinz auf den Schultern seines treuen Minotaurus durch den dichten Zauberwald und sein blauer Mantel fiel weit über den Rücken des Fabelwesens herunter. Nur Mitglieder der Königsfamilie durften auf einem Minotaurus reiten, denn immerhin hatte das Wesen ein größeres Bewusstsein als ein Ackergaul. Die Bäume standen so dicht, dass der Prinz kaum den Himmel sehen konnte, und sie waren so riesig, dass sie nicht bis zum moosigen Boden reichten. Selten fiel ein verirrter Sonnenstrahl bis zu ihm durch, doch er bemerkte ihn fast nicht, genauso wenig wie das liebliche Vogelgezwitscher oder den Geruch der unzähligen Blüten, denn er war ganz und […] Weiterlesen

Homo einsteinensis, oder wie man richtig Theater macht

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

„Du bist so nützlich wie ein Stein!“, hatten sie ihn nach seiner ersten Jagd angebrüllt und von da an trug Mhpf den spöttischen Spitznamen „Einstein“, den er aus einem Grund, den er selbst nicht fassen konnte, als Schmeichelei empfand – wahrscheinlich lag es daran, dass er seit jeher etwas anders war als die anderen in seiner Sippe, mit seinem länglichen Schädel in den Wolken lebte und zum Unmut seiner Mutter auch noch stolz war darauf. Er zeigte weder Interesse noch Talent für die alltäglichen Dinge im Leben eines Homo neanderthalensis und als er vor drei Sonnenaufgängen auf der Mammutjagd beinahe umgekommen war, weil er leichtsinnigerweise versucht hatte, […] Weiterlesen

Freundschaftszyklus

Am äußeren Rand einer fernen Galaxie, hinter sieben weißen Zwergen, war einmal ein kleiner Planet, auf dessen wohltemperierter Oberfläche das Leben vielfältige Formen angenommen hatte. Die Bewohner nannten ihre Oase Zljk und da es ihnen an nichts fehlte, wuchsen sie rasch heran und erschufen eine Gesellschaft, deren Friedlichkeit einzigartig im ganzen belebten Universum bleiben sollte. Als eines Tages einer der vielen zljker Wissenschaftler einen kleinen, kaum sichtbaren Fleck durch sein biomorphes Teleskop entdeckte, benachrichtigte er, im guten Glauben das Richtige zu tun, sofort den Oberzljker, welcher sich das eigenartige Himmelsphänomen ansah und es dann für unbedenklich erklärte. „Ach, das ist nur ein wenig Rauch, der aus der Myradensonne dünstet. Machen Sie sich keine Sorgen.“, sagte er, währendem er an […] Weiterlesen

Wilbur: Der Hase der von allem wusste

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Der Held dieser Geschichte ist ein ganz besonderer Hase namens Wilbur. Natürlich wusste Wilbur nicht, dass er ein Hase ist und hätte er es gewusst, dann wäre es ihm wohl überflüssig erschienen, sich als Hase zu identifizieren, denn seit jenem schicksalshaften Tag im heimischen Hasenbau hatte Wilbur weitaus wichtigere Dinge in seinem außergewöhnlichen Hasenhirn. Doch als Wilbur noch ein kleines, nacktes Häschen war, hatte niemand in der ganzen Wiesenlandschaft ahnen können, was für ein stolzer Rammler aus ihm werden würde; nein, man hätte wohl eher das Gegenteil vermutet, wenn man dem jungen Wilbur in die schwarzen Knopfaugen geblickt hatte. Er […] Weiterlesen