Kopfkotzen

„Nein, Papa, ich bin schon da“, versuchte Luana ihren überfürsorglichen Vater abzuwimmeln, der sie sowie ihre Schwester trotz gehöriger Skepsis seitens seiner Familie alleine aufgezogen hatte – sehr gut, wie man hier anmerken könnte. „Ach was, es war ja nicht weit“, beruhigte sie seine Sorge, der kurze Fußmarsch von ihrer Stadtwohnung zur Notfallapotheke wäre für eine Vierundzwanzigjährige mit akutem Migräneanfall eine Zumutung gewesen. „Werde ich machen, ich versprech‘s dir.“ Sie trug eine große Sonnenbrille, sodass niemand ihr Augenrollen sehen konnte, als sie den Anruf beendete und ihr Smartphone zurück in die Tasche steckte. Allmählich wurde der grässliche Kopfschmerz eine dumpfe Hintergrundmusik zu Luanas Gedanken. Das brutale Hämmern, welches ein wenig an das Geräusch eines überdimensionalen […] Weiterlesen

Mens agitat Molem – Bleib nicht wach

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Es ist Spätsommer und bitterkalt. Ich scherze nicht, denn nur unter Bemühung all meiner Willenskraft kann ich meinen Körper dazu bringen, nicht gewaltsam zu erzittern. Der Schmerz lässt nach, viel langsamer als der Sommer und ich bin wieder einmal an diesem Punkt angelangt, der verschwommen zwischen Realität und Fantasie existiert. Ich ahne, dass ich diesen Moment schon oft erlebt habe. Mehr als eine vage Erinnerung an das, was ich jetzt empfinde, schon tausendmal empfunden habe, bleibt mir aber nicht. Die Kälte, die mir in den Knochen sitzt, beginnt endlich zu wirken, reißt mich Stück für Stück aus dem Delirium. In wenigen Minuten wird die Sonne aufgehen und das klare Licht der […] Weiterlesen