Rückblende

Im fünfeckigen Zimmer waren drei bauchnabelhohe USM-Möbel angeordnet. Die Oberflächen aus blank geputzt weißen Platten, die in einem Quader aus Stahlröhren lagen. Zwei der Korpusse waren mit Schubladen in diversen Höhen bestückt, einer mit eingelassenem Waschbecken, darunter ein Schränkchen, in dem Tina den Mülleimer vermutete. Darüber waren Spender für Desinfektionsmittel, Latexhandschuhe und Handtücher angebracht.

Vor dreiundfünfzig Stunden hatte sie ihr Kind verloren. Angefangen hatte es mit leichten Krämpfen am Morgen, sie war gerade dabei ein Marmeladenglas zu öffnen. Heftige Schmerzen folgten nach dem Mittagessen, bevor der abgestorbene Fötus abends entfernt werden musste. […] Weiterlesen

Halloween-Special | Quid pro Quo

Der frisch gefallene Flaum aus Schnee und Eisregen knisterte bei jedem seiner raschen Schritte und die meisten Menschen, die sich am späten Abend zum Schaufensterbummel hatten hinreißen lassen, trugen, vom frühen Frost überrascht, zu dünne Mäntel. Lukas nahm noch immer den Umweg um zu seiner Wohnung in der Gerechtigkeitsgasse zu gelangen, obwohl der Vorfall nun schon einige Monate zurücklag und er sich nicht einmal mehr sicher war, ob er sich das Ganze vielleicht nicht doch bloß eingebildet hatte; selbst die Polizei hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass sie seine Besorgnis, seine Ex-Freundin würde ihn beschatten, lächerlich fanden. Als er bei der Pavillon-Skulptur, welche die Pelikanstraße von der Bahnhofstraße trennte, vorbeikam rückte er den Schultergurt seiner Aktentasche etwas zurecht, zog seinen […] Weiterlesen