Organe kosten nicht so viel, wie man denkt

Kim sah sich gerne als Gehirn der Operation, immerhin war sie die Chirurgin und als solche stand ihr, wie sie fand, Kevins Respekt zu. Dieser war nämlich, und das sollte man sich nicht schönreden, lediglich Anästhesist, ein überbezahlter Junkie. Leider war Kims Selbstbewusstsein in den letzten Monaten arge ins Wanken gekommen, wobei sie das selbstverständlich nie und nimmer vor ihrem Komplizen zugeben würde. Sei es wie es sei, auf jeden Fall saß die strebsame Frau auf der Gefriertruhe und trank in großen Schlucken ihr aus Japan importiertes Bier.
„Verkackte Scheiße!“, pfiff sie in den Flaschenhals. „Rob ist schon wieder zu spät. Verkackter, verschissener Mist!“
„Deine Flüche sind pleonastisch“, stellte Kevin trocken fest, gönnte sich ein Gläschen seines spritzigen Weißweins und schüttelte den Kopf. Weshalb der […] Weiterlesen

Dem Krieg vergeben

Es war ihm Jahr 2008, als ich, noch euphorisch von der großen Veränderung, meine Heimat verließ und die Welt bereiste. Zu meinem Erstaunen hatte es mir keine große Mühe bereitet, meinen Vater von der Idee zu überzeugen, meine Assistenzarztzeit um einige Monate in die Zukunft zu verschieben; er hatte sogleich seinen Sekretär – ein in die Jahre gekommener Herr, der seit der Firmengründung im Büro des Kraftwerks arbeitete – damit beauftragt, sich um die Reiseformalitäten zu kümmern. Doch seine Vorstellung wich stark von meiner ab. Während er in meinem Vorhaben die vielversprechende Möglichkeit zur Persönlichkeitsentwicklung sah, wollte ich lediglich einige Wochen abschalten und nach langen Jahren auf der Schulbank und in Vorlesungssälen glaubte ich dem Ruf der Freiheit folgen zu müssen, also schnappte ich […] Weiterlesen