Gaststory | Wie flüssiges Marzipan

Warten macht mir wenig Spaß. Allein warten, in einer derart geschmacklosen Eingangshalle noch weniger.
Ich steh‘ auf Vintage, kaufe selbst viele meiner Möbel gebraucht, aber gepaart mit der Weitläufigkeit dieses Raums wirkt Vintage absurd.
Beim Hereinkommen kam nicht gerade eine Hotel-Atmosphäre auf, ich fühlte mich vielmehr wie in einem verlassenen Hallenbad ohne Becken in der Mitte. Oder einer menschenleeren Aula ohne Stühle.
Ein Empfangstresen, der mittig am Ende des Raumes steht, ein Getränkeautomat in der Ecke neben der Tür und drei klapprige Stühle an der Wand gegenüber der Flügelfenster, dazwischen Leere. Das alles getaucht in das spärliche Licht, das von einer […] Weiterlesen

Schlüsselerlebnisse und anderer Unfug

Der Mond stand als große gelbliche Scheibe am Himmel und sein diffuses Licht, das lange Schatten warf, fiel in den Hausflur, der zu dieser Nachtzeit verlassen dalag. Während ich Sandras zierliche Umrisse dabei beobachtete, wie sie mit dem improvisierten Dietrich hantierte, überkam mich wieder das bekannte Kribbeln im Mund. Ich musste den Impuls, laut loszulachen, mit aller Kraft unterdrücken, als mir der Gedanken durch den Kopf zuckte, dass ich mich wieder ganz wie ein Teenie fühlte. Nein, diese Zeiten waren endgültig vorbei, ich war längst erwachsen, aber offenbar gab es Emotionen, welche sich nie veränderten. Ich seufzte zufrieden und lehnte mich gegen das alte Bücherregal, das offenbar von einem Mieter im Flur stehengelassen worden war; es knarrte unangenehm laut und gab beinahe nach und mir gelang es […] Weiterlesen