S09E20 | Advents-Special | Dies ist eine Geschichte über Tanten

Wir möchten euch herzlich zur zwanzigsten Episode der neunten Staffel des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast begrüßen. Sie basiert auf der Story „Dies ist eine Geschichte über Tanten“ von Rahel. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte und nur selten kennen wir die ganze. In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Erkältungsmedikament, Plätzchen, Loch, Unruhe“ und „Blutung“ vertextet und sie spielt am Setting „Wohnküche“. Die Sprecherin dieser Episode ist Marlene Rauch. […] Weiterlesen

Advents-Special | Dies ist eine Geschichte über Tanten

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Dies ist eine Geschichte über meine Tante Rose. Sie ist kurz, die Geschichte sowie Tante Rose, denn es gibt redlich wenig zu erzählen. Tante Rose sähe das bestimmt anders, sie gehört keinesfalls zu der Sorte Mensch, die behautet: „Ach, ich bin uninteressant, über mich gibt es kaum etwas zu sagen.“ Im Gegenteil, wo viele gegen die Schamesröte auf ihren Wangen ankämpfen, wann immer sie mit Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeiten überschüttet werden, fühlt sich Tante Rose nicht bloß geschmeichelt, sondern in ihrer Überzeugung bestätigt. Zumindest solange der Adressant besagter Schmeichelei ihren durchaus eigenen Ansprüchen genügt, sprich sowohl reicher als auch dümmer ist als sie – ersteres war weit einfacher zu bewerkstelligen als zweiteres. Aber sei es wie es sei, Tante Roses fester […] Weiterlesen

S07E16 | Advents-Special | Gleich und Gleich gesellt sich ungern

Wir möchten euch herzlich zur sechzehnten Episode der siebten Staffel des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast begrüssen. Sie basiert auf der Story „Gleich und Gleich gesellt sich ungern“ von Rahel. Können geheime Familientreffen in der Besenkammer Frieden stiften? In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Telefonschnur, Nissan, Zigarette, Thermostat“ und „Sozialist“ vertextet und sie spielt am Setting „Besenkammer“. Die Sprecherin dieser Episode ist Annika Gamerad. […] Weiterlesen

Wissen ist Macht | Das Ende

Dies ist der 8. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Wissen ist Macht“.

„Los, weiter, Callahan!“ Der Wärter bugsierte mich unsanft die Treppe hinunter. In dem unbequemen Gefängnis-Overall fiel es mir schwer, das Gleichgewicht zu halten. Wütend stolperte ich voran, zu meinem eigenen Erstaunen ohne hinzufallen, und keifte über meine Schulter: „Ich bin kein Kunstturner, Arschloch!“
Zu gerne hätte ich gewusst, wieso man mich mitten in der Nacht in den Keller der Strafanstalt brachte, nachdem ich von Sirenen und Geschrei geweckt worden war. Ich verbrachte die letzten Tage, oder waren es Wochen, wie eine Kakerlake in einer fensterlosen Zelle und war mir nun unschlüssig, ob die Uhr zu meiner Exekution schlug. […] Weiterlesen

Halloween-Special | Es waren viele / Es war einer

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Teil 1: Es waren viele

Vor Erschöpfung zitternd erreiche ich die kleine Hütte beim See. Hier bin ich aufgewachsen, habe flüchtig der idyllischen Ruhe gefrönt, damals, als sie mich noch nicht kannten. Kaum fällt die morsche Tür hinter mir ins Schloss, geben meine Beine nach und ich stürze auf die Holzplanken. In meinen Gedanken kreischen Warnungen, sie wabern in gleissenden Lettern vor meinem Geist, drängen mich zur Eile, aber mein Körper verlangt eine Pause. Also liege ich schwer atmend eine Weile auf dem Boden, warte ab, bis mein Herzschlag sich beruhigt. Es ist nicht mein Herz, sondern das eines anderen, das […] Weiterlesen

Road Trip | Mutters Schande

Dies ist der 3. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Road Trip“.

Mein knochiger Finger berührt den Pause-Button des CD-Players und bringt die Musik zum Verstummen, ehe ich die Scheinwerfer des alten Wagens ausmache und ihn möglichst unauffällig, also durchaus auffällig, mitten auf der Hauptstraße der Geisterstadt zum Halten bringe. Mit einem Knirschen traktieren dabei die Reifen einige kleine Steine, die früher einmal, damals, als es noch Postkutschen gab, zur Wand des „General Store“ gehörten. Seit Äonen lebt an diesem Ort niemand mehr außer einigen Eidechsen und Nattern, die sich tagsüber auf den Ruinen sonnen; ein gutes Versteck. Anders als die Wüstentiere, die Sonnen- der Mondeshitze vorziehen, in erster Linie, weil der Mond alles […] Weiterlesen

Wir waren Helden

Lizzie konnte kaum atmen, schloss die Augen, umfasste die Knie mit den Armen, begann zu zählen; null, eins, zwei, drei … Langsam wurde es besser, die sortierte, numerische brachte Struktur, eine Illusion von Ordnung in ihr durcheinandergewirbeltes Leben. Sie begann im Takt zu den Zahlen mit dem Knöchel ihres linken Mittelfingers auf den Holzdielenboden zu pochen, ganz leise nur, vierzehn, fünfzehn, sechzehn …
Wohl wissend, wie unangebracht es in ihrem Alter von siebenunddreißig Jahren war, hatte Lizzie sich nichtsdestotrotz vor diesem neuerlichen Zerwürfnis ihrer Familie in das Poolhäuschen geflüchtet. Gewöhnlich bevorzugte sie es, sich aufs Klo zu setzen, hin- und herwippend zu pinkeln, ihre Atemübungen dazu machend, obschon jeder wusste, es wäre Suizid durch Vergasung, die Toiletten kurz nach Großvater aufzusuchen. „Dreiunddreißig“, […] Weiterlesen

Wissen ist Macht | Nichts hören, nichts sehen

Dies ist der 7. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Wissen ist Macht“.

„Wie kann man das ignorieren?“, ereiferte sich meine kleine Schwester. Charlene war seit ihrer Kindheit ein Dickschädel gewesen. „Sie wollen, dass wir jeden Blödsinn glauben, den sie uns vorsetzen, das muss man doch sehen. Ada, hörst du mir überhaupt zu?“
Tat ich nicht, schlicht und einfach weil ich nie hörte, wenn es darauf ankam.

„Nochmal von vorn“, stöhnte Frederique ungeduldig und entnervt durch meinen Ohrstecker. „Sonst sind mehrere Jahre Vorbereitung für die Katz!“
Marten klang alles andere als glücklich. „Ich tue, was ich kann.“ […] Weiterlesen

Der Wunsch

Für Sarah

Mir gegenüber sitzt du, stumm ein vegetarisches Schnitzel in Stücke schneidend, während du deine Aufmerksamkeit zwischen mir und dem abendlichen Fernsehprogramm halbierst. Dich beim Essen zu beobachten hat für meinen Spatzenappetit Gewöhnungszeit benötigt. Du isst so viel wie die Raupen, vor denen du dich gruselst und ich bin alleine vom Zusehen übersättigt; wohin all die Kalorien verschwinden, ist mir bis heute unklar. Dieser Umstand ist in tausend kleinen Insiderwitzen verewigt, denn du fürchtest meinen Humor auf deine Kosten nicht, vertraust darauf, dass ich ihn deinen Empfindlichkeiten anpasse; du retournierst diesen Gefallen, wie jeden anderen, den ich dir […] Weiterlesen