Wundersam wandelbare Menschen

Pierres Verstand arbeitete auf Hochtouren, als er eingekeilt in einer Gruppe aus fünf am Weinregal lehnte. Ein Glas mit Stiel hielt man am oberen Teil desselbigen, richtig? Er trank keinen Wein, ließ überhaupt die Finger von Alkohol, mal abgesehen vom weihnächtlichen Schlummertrunk, den er bloß schluckte, weil seine Oma diese Tradition mochte. Die Luft im noblen Kellerrestaurant war stickig, die Einrichtung tatsächlich antik und die Atmosphäre bewegte sich irgendwo zwischen kulturell und prätentiös.
„Diese herbe Note macht ihn zu was ganz besonderem“, meinte einer von Thomas‘ Kollegen mit gönnerischem Blick auf Wein und Runde. „Zwar keineswegs mein Favorit, aber der beste Tropfen im Haus.“ Wieso nochmal war er mitgekommen, fragte sich Pierre gleichzeitig gegen Verzweiflung, Paranoia und Langeweile ankämpfend. […] Weiterlesen

Kopfkotzen

„Nein, Papa, ich bin schon da“, versuchte Luana ihren überfürsorglichen Vater abzuwimmeln, der sie sowie ihre Schwester trotz gehöriger Skepsis seitens seiner Familie alleine aufgezogen hatte – sehr gut, wie man hier anmerken könnte. „Ach was, es war ja nicht weit“, beruhigte sie seine Sorge, der kurze Fußmarsch von ihrer Stadtwohnung zur Notfallapotheke wäre für eine Vierundzwanzigjährige mit akutem Migräneanfall eine Zumutung gewesen. „Werde ich machen, ich versprech‘s dir.“ Sie trug eine große Sonnenbrille, sodass niemand ihr Augenrollen sehen konnte, als sie den Anruf beendete und ihr Smartphone zurück in die Tasche steckte. Allmählich wurde der grässliche Kopfschmerz eine dumpfe Hintergrundmusik zu Luanas Gedanken. Das brutale Hämmern, welches ein wenig an das Geräusch eines überdimensionalen […] Weiterlesen