Der unsterbliche Klappstuhl

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Das ist Ralf. Ihr könnt Ralf nicht sehen, weil die kurze Geschichte seines Lebens bislang weder verfilmt, noch als Comic verlegt worden ist. Aber das ist egal. Ralf legt kein besonderes Augenmerk auf sein Äußeres, also sollten wir das ebenso wenig tun.
Als kleiner Junge wollte Ralf Astronaut werden, Astronaut und Lamazüchter, denn Ralf mochte die Sterne und Lamas. Astronomie fesselt ihn übrigens bis heute, anders als Lamas. Seit ihm bei einem Zoobesuch eines dieser wolligen Ungetüme aufs Sandwich gespuckt hat, betrachtet er sie mit Argwohn und zwar stets aus Distanz. Das ist keine gute Einstellung für einen Lamazüchter. Jedenfalls gab er seine ersten Träume von Himmelskörpern und Schafkamelen auf und fokussierte sich eine Weile auf […] Weiterlesen

S06E11 | Homo homini Lupus est. Die unwiderstehliche Boshaftigkeit der Gruppendynamik

Wir möchten euch herzlich zur elften Episode der sechsten Staffel des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast begrüssen. Sie basiert auf der Story „Homo homini Lupus est. Die unwiderstehliche Boshaftigkeit der Gruppendynamik“ von Rahel. Wer auf dem Dachboden wühlt, entdeckt verborgene Schätze. In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Praktikabilität, Kommode, Kreissäge, Hinweisschild“ und „Wunschkind“ vertextet und sie spielt am Setting „Fähre“. Die Sprecherin dieser Episode ist Rahel. […] Weiterlesen

Special zum vierjährigen Jubiläum | Jahr Vier

Dies ist der 4. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Vier Jahre“.

„Himmel, jetzt ist die Schlange schon wieder so lang“, beschwert sich Mika, was ihm von allen erstaunte Blicke beschert – normalerweise wäre er der letzte Kandidat dafür, über etwas Alltägliches zu lamentieren. „Egal, wie viel sie ausbauen, sie kommen der Nachfrage nicht hinterher.“
„Ich dachte, ausgerechnet du als Physiker würdest jetzt einfach einen Witz über Gravitation machen“, kichert Nadine. „Vielleicht haben die ja ein schwarzes Loch im Club versteckt?“
Ich wende mich kurz dem „The Clue“ zu, Mika hatte Recht, die Schlange ist tatsächlich […] Weiterlesen

Special zum vierjährigen Jubiläum | Jahr Drei

Dies ist der 3. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Vier Jahre“.

„Glaubst du, das war eine gute Idee?” Kathrins Augen springen immer wieder von Mika und Anton zu mir. Sie denkt wohl, ich könne sie über das fröhliche Gemurmel der umstehenden Leute nicht hören. Sie irrt sich, schließlich ist ihre Stimme dermaßen gellend hell, sodass man sie selbst durch einen Hurrikane ausmachen könnte. Über mich selbst verwundert, schüttle ich den Kopf. Seit wann bin ich so garstig? Das ist mir letztens bereits aufgefallen, als ich gemeinsam mit Mika auf der Terrasse saß und mir eine gemeine Bemerkung über eine vorbeispazierenden Nachbarin erlaubte. Mein bester Kumpel irritierte das vermutlich gleichermaßen, zumindest schielte er argwöhnisch […] Weiterlesen

Special zum vierjährigen Jubiläum | Jahr Zwei

Dies ist der 2. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Vier Jahre“.

Kathrin starrt nachdenklich auf ihre wie immer perfekt mit dunkelrotem Nagellack manikürten Finger. Offenbar hat sie einen jener Momente, in denen sie das Geschehen um sich herum ausblenden kann. Ich frage mich, ob ich in der Stimmung, in der sie sein muss, noch etwas so unwichtiges zustande brächte wie die Nägel zu lackieren (nicht, dass ich mir die Nägel lackiere, versteht sich). Ich folge ihrem Blick, vorbei an ihren schönen Händen und auf den regennassen Boden, in dem sich das gelbe Neonschild des „The Clue“ zwischen den unzähligen Schuhen der Wartenden spiegelt.
„Hey, Anton, träumst du oder was?“, stupst mich Nadine an, ehe sie schäkert: „Komm […] Weiterlesen

Special zum vierjährigen Jubiläum | Jahr Eins

Dies ist der 1. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Vier Jahre“.

„Miiiiika“, drängelt Nadine, indem sie meinen Namen in die Länge zieht und mich in die Seite kneift. Vor einem Jahr wäre es für mich unvorstellbar gewesen, mich so bereitwillig von ihr anfassen zu lassen. Zugegebenermaßen bleibt es bis heute etwas unangenehm, gleichwohl weiche ich weder aus, noch würde ich ihre Anhänglichkeit mit einem ungehaltenen Blick. „Mach vorwärts!“ Sie hatte sich vorhin mit Kathrin getroffen, um sich für die Party zurechtzumachen und, so wie es aussieht, vorzuglühen.
„Was erwartest du von mir, Nadine? Soll ich die Schlange wegzaubern?“, erwidere ich auf die Leute vor mir deutend. […] Weiterlesen

Gaststory | 60 Minuten sind 1 Jahr

„Stellen Sie sich ein düsteres Kellerabteil irgendwo in einem x-beliebigen Plattenbau in Leipzig vor. Sehen Sie die Holztür, die schief in den Angeln hängt? Den grauen Betonboden und die Spinnweben vor den winzigen Fenstern? Riechen Sie den Moder der Wände und den Gestank, der aus den verrosteten Konservenbüchsen entweicht? Fühlen Sie das Holz unter Ihren Händen, als Sie über die brüchigen Regalböden streichen? Merken Sie, wie der Staub von Jahrzehnten an Ihren Fingern haftet?“
Steffen schüttelte innerlich den Kopf. So ein Blödsinn. Wie war er hier nur hingeraten?
Wenn er ehrlich zu sich war, wusste er genau, warum er hier war. Die Frauen. Immer wieder die Frauen. In diesem Fall Julia. Klein, braune Haare, Stupsnase, ein Mundwerk wie ein Bauarbeiter und die tollste Frau auf Erden. Mark hatte ihn nur aus Spaß auf dieser […] Weiterlesen

Disziplin, Bitch!

„Ah!“, stöhnte Angela langgezogen und grinste erst einmal ausgiebig, ehe sie den pinken Leuchtstift aus ihrem Etui fischte. Wieso sie nicht früher auf die fantastische Idee gekommen war, den Heizungsraum für sich zu beanspruchen, war ihr ein Rätsel, denn alles hier war einfach absolut und vollkommen perfekt: Es war angenehm warm, man hatte genügend Platz um eine Sammlung von Fachbüchern, Notizheften und Zetteln auf dem Boden auszubreiten und vor allem war weit und breit keiner ihrer Mitbewohner zu sehen.
Den Drang ignorierend, willkürlich auf Videos zu klicken, die tollpatschige Hundebabys versprachen, scrollte Angela durch ihre Favoriten-Playliste und wählte dann einen leisen Pianosong. Das Stück war gerade monoton genug, dass es sie nicht zum Hin- und […] Weiterlesen

XOR

„Fu…“, begann Carla und konnte den zweiten Teil des Wortes gerade noch unterdrücken, nachdem ihr der Collegeblock, den sie sich unter den Arm geklemmt hatte, weggerutscht und auf den Bürgersteig geklatscht war. Umständlich ging die mit Büchern beladene Medizinstudentin in die Hocke und versuchte ihn wieder aufzuheben. Gerade, als sie mit einem ausgestreckten Finger den Block berührte und glaubte den Block zu fassen zu kriegen, rutschte der dicke Wälzer, den sie unter dem anderen Arm gehalten hatte, ebenfalls weg. Carla verlor endgültig das Gleichgewicht und landete unsanft auf ihrem Hintern. „Verdammt, verdammt, verdammt!“, zischte sie und schlug mit der flachen Hand auf den schmutzigen Asphalt, bevor sie kapitulierend seufzte. „Scheißtag.“
„Na, bist du wieder ein Miesepeter?“, erklang hinter ihr eine männliche Stimme, die eines […] Weiterlesen