Gehen oder bleiben?

Zwischen ihnen war viel geschehen, vielleicht zu viel. Bis vor dreizehn Monaten hatte sie im Stillen an ihrer Ehe gezweifelt, weder ihm noch ihrer besten Freundin davon erzählt. Irgendwann war es schließlich passiert, sie hatte ihre Sachen gepackt und war mit dem Kleinen gegangen. Ihr Entschluss war keineswegs über Nacht gekommen, jedoch in einer einzigen gefällt worden. Sie beide hatten es kommen gesehen, das Gezanke war schon vor Jahren unerträglich geworden, dennoch hatten sie aneinander, an der Traumvorstellung ihrer perfekten Ehe, festgehalten. Sie war überzeugt, hätte nicht sie den ersten, beziehungsweise letzten Schritt gemacht, wäre er es gewesen. Eigentlich hätte das das Ende sein sollen, zumindest war das ihre Vorstellung gewesen, als sie die wenigen Zeilen geschrieben hatte, mit denen sie sich von ihm verabschieden wollte. „Wir […] Weiterlesen

Alltagsrückkehr

Da war sie, die eine Frage, vor der es Hanna so graute: „Wie geht es dir denn?“ Gleich zu Beginn, ohne Erbarmen oder wenigstens kurzen Aufschub. Bestimmt meinte Peter das freundlich, wollte zeigen, dass ihm ihr Wohlergehen wichtig war. Trotzdem, was sollte sie nun darauf erwidern? „Gut“? Das wäre eine blanke Lüge, Hanna fühlte sich mitnichten gut, um es genau zu nehmen, war ihr rätselhaft, wie das mit dem Gutgehen funktionieren sollte. „Miserabel“ traf genauso wenig zu, obwohl es immerhin etwas näher an der Wahrheit lag. „Keine Ahnung“, ja, das war die richtige Antwort, nur leider stellte diese niemals jemanden zufrieden. Hanna nickte und schenkte ihrem langjährigen Bekannten ein schiefes Lächeln. „Es geht“, flüsterte sie schließlich und in der Hoffnung, das Thema zu wechseln, fügte sie rasch hinzu: „Wie läuft es auf der Arbeit?“ […] Weiterlesen

Gaststory | Albtraumhafte Rendezvous

Bereits in den frühen Morgenstunden wurde die Tür zu unserem Zimmer aufgerissen und die Frau im weißen Kittel kam herein. “Kontrolle!”, rief sie ungeachtet dessen, dass wir bis eben noch geschlafen hatten. Doch wir wurden jeden Morgen so geweckt. Inzwischen fragte ich mich, ob ich mich wohl je daran gewöhnen werde. Irina schreckte hoch und rieb sich die Augen. Ich hingegen war schon wach. Ich befand mich in diesem Unruhezustand, der mein Innenleben schon so lange verzehrte. Die Frau nahm ihren Rotstift und strich unsere Namen von der Liste. Dann ging sie weiter. “Guten Morgen”, murmelte meine Zimmergenossin und ich erwiderte ihren Gruß. Manchmal kam mir dieser Alltag hier wie eine Endlosschleife vor, wobei ich vor allem auf die Nächte liebend gern verzichten würde. Denn sie sind es, in denen er mich heimsucht und tyrannisiert. Der Mann aus meinen […] Weiterlesen