Halloween-Special | Durch die Gläser eines Mörders

Seit ich meine Brille abgeholt habe, konnte ich der Aussicht vor dem Fenster nicht wiederstehen. Die Gebüsche, welche wenig zuvor kaum mehr als grünliche Flecken gewesen waren, bestanden aus Milliarden von Blättern. Jedenfalls schien mir das so, die Details der Natur waren mir nämlich völlig fremdartig und da hielt ich eine kleine Übertreibung für angebracht. Der Optiker hatte zuerst freundlich geschmunzelt, dann entwischte ihm ein spitzes Kichern, nachdem er meine Sehwerte begutachtet hatte. Wie mir eine derartige Einschränkung erst jetzt hatte auffallen können, wunderte er sich laut, schaute mich eindringlich an und schnaufte schlussendlich ernst: „Sie werten die Welt neu kennenlernen.“ Er sollte Recht behalten. Es […] Weiterlesen

Züri-Gschnätzlets

Ab und zu stellte sich Sasha die Frage, wie viele Nächte er seinem Job noch nachgehen konnte, ehe er sein Ende fände. Angebrachte Gedanken für diese stürmische Herbstnacht, in der er auf dem Fahrersitz des schwarzen Geländewagens saß, der mit unauffälliger Geschwindigkeit durch die Lagerstraße rollte. Der Wind blies einige gelbe Blätter gegen die Windschutzscheibe, die sogleich vom Scheibenwischer weggeschoben wurden, während der Mittvierziger kurz routiniert die Ladung seiner Pistole prüfte. Es war bereits drei Jahre her, seit der gebürtige Berliner in diese Stadt, die sich selbst als kleinste Metropole der Welt bezeichnete, gekommen war. Nie hätte er damals gedacht, wie schnell er sich hier heimisch fühlen könnte, obgleich es einige Dinge gab, die er lernen musste: Die lokale Droge war Kokain, gar die schäbigen Ecken sauber geputzt und die […] Weiterlesen