Wir waren Helden

Lizzie konnte kaum atmen, schloss die Augen, umfasste die Knie mit den Armen, begann zu zählen; null, eins, zwei, drei … Langsam wurde es besser, die sortierte, numerische brachte Struktur, eine Illusion von Ordnung in ihr durcheinandergewirbeltes Leben. Sie begann im Takt zu den Zahlen mit dem Knöchel ihres linken Mittelfingers auf den Holzdielenboden zu pochen, ganz leise nur, vierzehn, fünfzehn, sechzehn …
Wohl wissend, wie unangebracht es in ihrem Alter von siebenunddreißig Jahren war, hatte Lizzie sich nichtsdestotrotz vor diesem neuerlichen Zerwürfnis ihrer Familie in das Poolhäuschen geflüchtet. Gewöhnlich bevorzugte sie es, sich aufs Klo zu setzen, hin- und herwippend zu pinkeln, ihre Atemübungen dazu machend, obschon jeder wusste, es wäre Suizid durch Vergasung, die Toiletten kurz nach Großvater aufzusuchen. „Dreiunddreißig“, […] Weiterlesen

Herzschlag

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Ich kann kaum atmen, etwas lastet schwer auf meiner Brust. Ruhig bleiben, ermahne ich mich, liege reglos auf der weichen Matratze auf dem Rücken, starre in die einsame Dunkelheit. Natürlich beschwert nichts meinen verschwitzten Oberkörper, außer der dünnen Decke, ohne die ich nicht einschlafen kann. Da aber bei diesen Temperaturen Realität etwas wabbelig wird, kann mich bereits ein Milligramm Gewicht fertigmachen. Zwar verstecken sich keine Monster unter dem Bett, aber der schiere Gedanke daran, dass ich hier liege, hier und jetzt existiere, schnürt mir die Kehle zu. Bevor ich mich hinlegte, habe ich geduscht und schon triefe ich wieder vor Schweiß, ach, sind wir Menschen nicht widerlich, stinkend, eklig, klebrig?
Ein leiser Windstoß bauscht den dünnen Vorhang, erreicht knapp meine Zehenspitzen, mit […] Weiterlesen