Die allerletzten Eidgenossen

Fortsetzung und Schluss zu: „Die letzten Eidgenossen“.

Höhle, [Lage Geheim], Schweiz, 1. August 2083

„Ich sehe etwas, was du nicht siehst und das ist …“
Martin, dem das Spiel gehörig auf den Kieker ging, unterbrach seinen Kameraden: „Alles außer das, bitte!“
„Okay“, seufzte Basil und musterte die Dose, die er in der Hand hielt. „Bohnen. Ich sehe Bohnen.“
Martin starrte demotiviert in die Flammen des kleinen Feuerchens. „Und […] Weiterlesen

Special zum fünfjährigen Jubiläum | Fünf Jahre und ein Weltuntergang

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

„Fünf Jahre ist es her, seit es seinen Anfang genommen hat. Die glühende Sonne ist auf- und untergegangen, der Wüstensand steckt jeden Tag in meinen verfluchten Schuhen und Jahreszeiten verwandelten sich in eine Erinnerung aus einer weit entfernten Epoche meines Lebens. Ich hätte mir einen schöneren Ort als diese Staubschüssel für mein Exil aussuchen sollen, doch dazu ist es zu spät, ich bin hier gestrandet.“
„Bist du ein Poet oder so?“, will der grobschlächtige Kerl wissen, der sich an die Bartheke lehnt. Ich gluckse müde und entgegne: „Nein, betrunken.“
„Ist dasselbe“, gibt er schulterzuckend zurück und stürzt seinen Agavenschnaps in einem […] Weiterlesen

Meine Streifen sind (nicht) heilig

Die morgendlichen Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch die Wolkendecke, zauberten flackernde, wirbelnde Lichtpunkte in die staubige Stallluft. Zina das Zebra schnaubte verschlafen und schüttelte sich dann ausgiebig, ehe sie ihre schwarzen Nüstern aus dem Fenster rekte. Sie war erst wenige Tage hier, hatte allerdings bereits gelernt, dass sie am Morgen meist die erste war, die dem Träumen überdrüssig wurde. Die anderen Bewohner dieses ihr fremden Ortes schlummerten lieber länger, was Zina dem Zebra nichts ausmachte, immerhin konnte sie dadurch einige ruhige Minuten verbringen. Der Mann, der sie im Zirkus abgeholt hatte, erzählte ihr auf dem Weg zum Trailer, er brächte sie an einen wundervollen Flecken der Erde, wo es keine Sorgen gäbe, auf einen Gnadenhof. Zina das Zebra hatte schon als Fohlen Gerüchte darüber gehört, […] Weiterlesen

Symphonie im Bunker

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

Nani prallte mit ihrem Kampfstiefel gegen einen Stein und fiel flach auf die mit hohen Gräsern sowie Haselstauden bewachsene Überführung. „Verfluchte Scheiße“, keuchte sie und horchte angespannt. Bis auf den zwischen den zerfallenden Hochhäusern hindurchpfeifenden Wind war nichts zu vernehmen; sie musste ihre Verfolger abgehängt haben. Vorsichtig erhob sich die Soldatin, zog ihre abgewetzte Uniformjacke enger und sah auf die Berge, auf denen bereits erster Schnee lag. Sie spazierte zum Geländer der bröckeligen Brücke, lehnte sich an den Beton und genoss die Aussicht, auf die in den Straßenzügen wachsenden gelb-roten Bäume, den stahlblauen Herbsthimmel, die […] Weiterlesen

Gaststory | Schlaf, Monster, schlaf

Menschen träumen. Sie träumen von schönen Dingen, von einer rosigen Zukunft oder sie träumen des Nachts wirres Zeug. Manchmal plagen sie Albträume, doch es gibt auch Menschen, die träumen nichts. Nie mehr! Sie sind die Beraubten, die Ausgestoßenen und jeder spürt es, selbst, wenn sie es niemandem erzählen. Etwas Unheimliches haftet an ihnen. Eine unangenehme Leere, die in ihrem Blick liegt, ins Unterbewusstsein ihrer Mitmenschen kriecht und sie rastlos zurücklässt.
Doch die, die heute traumlos sind, waren nicht immer so. Einst flogen ihre Gedanken höher, waren rosaroter und nur selten von Ängsten begleitet. Und dann kam sie … plündernd, raubend, quälend! […] Weiterlesen

Road Trip | Mutters Schande

Dies ist der 3. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Road Trip“.

Mein knochiger Finger berührt den Pause-Button des CD-Players und bringt die Musik zum Verstummen, ehe ich die Scheinwerfer des alten Wagens ausmache und ihn möglichst unauffällig, also durchaus auffällig, mitten auf der Hauptstraße der Geisterstadt zum Halten bringe. Mit einem Knirschen traktieren dabei die Reifen einige kleine Steine, die früher einmal, damals, als es noch Postkutschen gab, zur Wand des „General Store“ gehörten. Seit Äonen lebt an diesem Ort niemand mehr außer einigen Eidechsen und Nattern, die sich tagsüber auf den Ruinen sonnen; ein gutes Versteck. Anders als die Wüstentiere, die Sonnen- der Mondeshitze vorziehen, in erster Linie, weil der Mond alles […] Weiterlesen

Hoffnung. Eines Tages

Vier Uhr dreißig. Es ist kalt in der Halle E4 und Emma friert erbärmlich, trotz dem dicken Faserpelzpullover. Es stört sie nicht, genauso wie es sie stört. Seit Jahren fühlt sie sich hoffnungslos. Es ist nicht die Art von Hoffnungslosigkeit, die schmerzvoll schreit, auch nicht die leise, welche stumm und alleine leidet. Emmas Hoffnungslosigkeit ist zu einem unbegehbaren, intrinsischen Teil ihrer selbst gewachsen, sie ist weder versteckt, noch komplett sichtbar. Anders als die ausgestorbene Halle E4 ist Emmas Depression nicht kalt auch nicht warm, sie ist neutral, normal. Sie ist einfach da, eine Präsenz, die langsam, stetig jede Faser ihres Geistes ersetzt.
„So früh schon hier?“, sagt der Mann vom Tupperware-Stand. Seine Statur ist gering, das Haar schütter, aber das Grinsen umso breiter. Emma nickt und grinst tonlos, emotionslos […] Weiterlesen

Gaststory | Im Kiefernhain

Dort kommen sie!
Mit Spürhunden, Metallharken und einem ernsten, grauhaarigen Mann im Rücken. Die Hunde zerren an den kurzen Leinen. Immer die Nase am kürzlich gepflügten Kartoffelacker.
Ein milder Wind streicht zwischen den dichtstehenden Kieferstämmen hinein in den Wald. Ungewöhnlich warm für diese Jahreszeit, umspielt er meine Finger, die sich um einen knorrigen Ast klammern.
Die untergehende Sonne taucht die Szenerie in einen einladenden Orangeton und sie kommen stetig näher.
Ich habe sie eingeladen. Eingeladen zu diesem Spiel. Es wird das letzte dieser Art sein, denn es beginnt mich zu langweilen. Doch dieses eine Mal noch, werde ich ihnen alles […] Weiterlesen

Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor | Die Bücherei

Dies ist der 7. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor“.

„Wir brechen gleich morgen früh auf“, war alles, was Rooster gesagt hatte. Danach hatte er dem Professor ein kleines, blaues Packet vor die Füße geworfen und war in Moiras Zimmer verschwunden. Die rothaarige Feuerwerfrau war nicht zurückgekehrt und niemand hatte auch nur den geringsten Zweifel, was mit ihr passiert war. Am nächsten Tag hatte Rooster seinem Spitznamen alle Ehre gemacht und die kleine Gruppe noch vor Sonnenaufgang mit lautem Gebrüll geweckt und sich nicht einmal von Clints allmorgendlichen Nörgeleien davon abhalten lassen, sie innert kürzester Zeit marschbereit […] Weiterlesen