Gaststory | Die Kunst zu überleben

„Wer braucht jetzt noch irgendwelche Stangenlager?“, spuckte Fritz Dupont vor sich hin. Wütend begann er damit, die Bombensplitter in seinem Eisenwarenladen von einer Ecke in die andere zu fegen. Die drei großen Frontfensterscheiben waren bei dem verheerenderen Bombenregen der letzten Nacht zu Bruch gegangen. Nicht nur das. Auch alle Muttern, Nägel, ohnehin das gesamte Sortiment aus dem Kleinteileschrank lag kreuz und quer auf dem Holzboden verteilt.

„Die haben doch eine Schraube locker. Was ist das für ein Jahrzehnt, in dem man es sich nicht mal mehr gemütlich machen kann?”, Herr Dupont stemmte seine knöchrigen Arme in die Hüften und unterbrach das Kehren seines Ladenlokals. Seine Wut wechselte sich mit dem reinsten […] Weiterlesen

Auf Abwegen

„Durchgeknallt, das bist du!“, schimpfte Heinz mit seiner Liebsten. „Ehrlich, Gudrun. Das ist schwachsinnig.“ Die Angesprochene zuckte mit den Schultern, zog Schnodder die Nase hoch, ehe sie sich entspannt an die bröckelige Wand lehnte und meinte: „I wo, so schlimm ist das alles gar nicht.“ Dann beugte sie sich ein wenig vor, um ihre Stützstrümpfe zurechtzuzupfen und tippelte vorsichtig weiter den Schacht hinunter. Heinz folgte ihr mit einem knappen Meter Abstand, hielt dabei seine Rechte so ausgestreckt, dass er sie auffangen könnte, sollte sie stürzen.
Gudrun war seine dritte große Liebe, obschon er zu gerne behauptete, sie sei die erste und letzte. Vor ihr waren Karin und die zweite Karin seine Angetrauten gewesen. Wobei die zweite Karin, das war ihm mittlerweile klar, eine eher schlechte als rechte […] Weiterlesen

Jäger der verlorenen Villa

„Sag mal“, fragte Harry leise, auf die weite, von unzähligen Natriumdampflampen bestrahlte italienische Metropole schauend, die sich vor ihnen ausbreitete, „wann waren wir uns eigentlich sicher?“
Lara, die sich neben ihm auf eine Bank gesetzt hatte, zuckte ratlos mit den Schultern. „Keine Ahnung, das war vor langer Zeit. Vor fünfzehn Jahren?“
Harry drehte sich zu ihr. „Wollen wir?“ Sie erhob sich, nahm ihren Gehstock und strich eine Strähne ihres grauen Haars aus dem Gesicht. Langsam schritten sie auf die große historische Stätte hinter ihnen zu. Vom Rand hatten die beiden freie Sicht auf das Feld am Stadtrand, auf dem sich in der Dunkelheit Ruinen ausbreiteten, die Überbleibsel eines Anwesens aus der Zeit des römischen Reiches. […] Weiterlesen