Fußspuren

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

Ich bin verdammt kribbelig. Es kribbelt mich in den Fingern den Füßen, dem Rücken, vermutlich überall. Ich versuche mich abzulenken, starre aus dem Fenster auf die vorbeiziehende Skyline und vermute, alles, was ich tun könnte, vermochte mich niemals von dem Bevorstehenden abzulenken.
Mit einem leisen Zischen gleitet die Tür zu meinem Zugabteil auf und ein junger Mann steht davor. „Ist hier noch einer frei?“
„Bitte“, entgegne ich mit einer unnötig auslassenden Handbewegung auf die fünf leeren Plätze und widme mich erneut der rasch näherkommenden Metropole, während mein […] Weiterlesen

S04E06 | Endstation

Wir möchten euch herzlich zur sechsten Episode der vierten Staffel des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast begrüssen. Sie basiert auf der Story „Endstation“ von Rahel. Die Reise in der ersten Klasse lohnt sich, denn man hat mehr Ruhe zum Nachdenken. In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Augapfel, Marmeladenbrot, Rasierklinge, Fledermaus“ und „Kotze“ vertextet und sie spielt am Setting „Erste Klasse“. Der Sprecher dieser Episode ist Werner Wilkening. […] Weiterlesen

Endstation

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Kata-kata, kata-kata. Sie konnte sich noch nicht so richtig entscheiden, ob sie das monotone, doch gleichzeitig aufregende Geräusch mochte, während der Zug gemächlich durch die Landschaft tuckerte und sie ihr Herzklopfen ignorierte. Die Erste Klasse war leergefegt, da war nichts anderes außer das stetige Kata-kata, kata-kata und ab und an ein Ruckeln. Debora war vor wenigen Tagen dreiundsechzig Jahre alt geworden, hatte so viel erlebt und doch kam es ihr so vor, als würde sie sie genau in diesem Augenblick zum ersten Mal fühlen, die Ruhe vor dem Sturm. Kata-kata, wie ein Trommelschlag, und gespannt wartete sie auf den Moment des Stillstandes. […] Weiterlesen

Bizarro-Blau

Hastig und reichlich ungeschickt strich ich meine Haare glatt, als ich ihn durch die zerkratzte Scheibe auf dem Bahnsteig entdeckte. Er trug eine khakifarbene Jacke, Jeans und seinen Rucksack, den er heute besonders schwungvoll über seine Schulter warf, während er auf das Trittbrett sprang. Grinsend winkte er mir zu, doch ich tat so, als hätte ich ihn nicht gesehen und blickte erst auf, nachdem er sich vor mir auf die Bank hatte fallen lassen. „Sei jetzt bloß nicht wieder so seltsam!“, schalt ich mich gedanklich aus reiner Gewohnheit, bevor ich ihn freundlich begrüßte und unbeholfen anlächelte.
So wie eigentlich jeden Mittwoch hatte ich mich schon den ganzen Tag über darauf gefreut, ihm im Zug zu begegnen. Der gemeinsame Heimweg mit ihm war seit beinahe drei Jahren das Highlight meiner Woche, etwas, das mir irgendwann sogar so viel […] Weiterlesen