Fan-Bonus | Eine Fracht wie keine andere

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Diese Geschichte ist Teil der lose verbundenen Story-Reihe „Die Profis“.

„Hm, irgendwie finde ich, das war eine saublöde Idee“, brummte Marcel, lehnte sich gegen die metallene Wand und zündete sich eine Zigarette an. In dem Anhänger war es (nicht zuletzt dank dem Rauch) sehr stickig und nebst dem Lichtkegel einer Taschenlampe, die einige Kartons beleuchtete, ebenso[passster password=“rE498-4721dsf“] dunkel. Fred, sein bester Freund sowie Komplize, hatte es sich mit gespielter Coolness auf einem Stapel Europaletten gemütlich gemacht und die Beine ausgestreckt. „Nee, passt schon. Wer reich werden will, muss leiden.“
Marcel verdrehte die Augen. „Erstens heißt das ‚schön sein‘, zweitens bin ich ja schon bereit zu leiden, zweifle aber an deinem Plan. Bist du dir sicher, dass das hier so gängige Praxis ist?“
„Keine Ahnung, ich bin Einbrecher, nicht Schmuggler. Das ist auch mein erstes Mal.“
„Is‘ klar, bloß …“ Marcel unterbrach sich, als der Lastwagen durgeschüttelt wurde. „Diese Autobahn ist in einem erbärmlichen Zustand, ich brauch gleich ‘ne Kotztüte.“
„Sind halt Ossis, was erwartest du?“, gab Fred trocken zurück und bohrte sich in der Nase, was er bei der nächsten Erschütterung bereute. „Au!“
„Ach, komm, Autobahnen sind überall miserabel, die wurden noch von Hitler gebaut.“
„Stimmt, seit damals wurde kaum was daran gemacht.“ Plötzlich zeigte Freds Miene Misstrauen. „Halt, wie konnte Hitler überhaupt so viele Autobahnen bauen? Der war meistens anderweitig beschäftigt.“
„Blödmann, der hat doch nicht den Spaten genommen, um selber …“
„Haste auch wieder recht.“
Für einige Zeit herrschte Stille, in der Marcel dem gleichmäßigen Tuckern des LKW-Motors lauschte und sich vorstellte, wie draußen die nächtliche Landschaft an ihnen vorbeizog. Lange hielt der Frieden nicht, denn etwas nagte an dem kleinen Gauner und ließ ihm keine Ruhe. „Alter, sitzen Schmuggler nicht vorne? Wieso sind wir hinten?“
Fred stöhnte. „Das fragst du seit mehreren Stunden und ich wiederhole: Der Fahrer macht das andauernd, hundert Pro. Der schrieb in der Mail, er sei lieber alleine, zudem können wir hier die Kippen bewachen.“ Mit einer ausladenden Geste deutete er auf die Kartons, die sich bis zur Decke stapelten. „Is‘ halt ein Truck, nicht Tante Helgas Pick-Up, also können wir den schlecht selbst fahren, das wäre illegal.“
Marcel blieb skeptisch. „Na dann, der Herr, dieser Coup war deine Idee. Erklär mir, warum wir Zigaretten von Deutschland nach Polen schmuggeln, ist ja beides in der EU.“
„Woher soll ich das wissen? Mein Kontakt schwört, das sei rentabel, wenn der zahlt, stell ich nie Fragen.“
„Okay, okay“, lenkte Marcel ein und kickte entnervt gegen die Wand des Anhängers. „Das nächste Mal wähle ich wieder einen Coup aus. Das ist fast so schlimm, wie damals, als wir den Secondhandladen überfallen haben.“
„Das war nur übel, weil du Chlamydien hattest und dir während dem Überfall ständig mit der Knarre deine geschwollenen Klöten gekratzt hast.“
„Halt die Klappe.“ Marcel kramte in seiner Tasche nach einer weiteren Kippe und brachte schließlich ein leeres Päckchen zum Vorschein. „Kacke.“
„Wir sind in nem Truck voller Fluppen, nimm dir eine aus der Fracht.“
„Ist das geschickt?“, erkundigte sich Marcel. „Ich möchte beim Auftraggeber einen professionellen Eindruck hinterlassen.“
„Böh. Spricht da das Marketinggenie in dir oder was?“ Damit brachte Fred ein Taschenmesser zum Vorschein und schnitt das Klebeband eines Kartons auf. „Wart’s ab, das haben wir gleich.“ Fred wühlte in der Kiste und quiekte überrascht: „Was zum Teufel …?“
„Is‘ was?“ Marcel schwante Böses. Ganz egal, was Fred gerade entdeckt hatte, es konnte keinesfalls gut sein.
„Öhm. Tja“, machte sein Kamerad, ehe er schulterzuckend eine Lichterkette zeigte. „Ich glaube, die haben die Fluppen unter alter Weihnachtsdeko versteckt.“
„Wieso tun die das, Mann?“, wetterte Marcel. „Los, such die Kippen!“
Fred begann weitere Kartons zu öffnen und zog nacheinander Baumkugeln, einen Engel sowie einen Nikolaus hervor. „Heilige Scheiße, wir sind angeschmiert!“, japste Fred entsetzt.
Marcel unterdrückte den Hintergedanken, seinen Kameraden auf kreative Art zu ermorden und zwang sich, stattdessen das aktuelle Problem anzugehen. „Okay, erstmal: Wie ist das passiert?“
„Na ja, der Kerl schrieb mir, wir sollen in der Raststätte von Oberhausen in den Anhänger eines roten Trucks einsteigen. Punkt Mitternacht.“
„Und das hier war der einzige rote Truck?“, forderte Marcel lautstark eine Antwort. Er hatte in seinem Leben die Erfahrung gemacht, dass rote Lastwagen keine Seltenheit waren.
„Na ja, der einzige, den ich gesehen habe.“
„Also fahren wir jetzt im Januar mit Weihnachtsbaumschmuck nach Polen. Na toll, großartiger Job, Mann.“

Autorin: Sarah
Setting: Anhänger
Clues: Secondhandladen, Coolness, Kotztüte, Chlamydien, Hintergedanke
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