S01E20 | Heimweg

Willkommen zur zwanzigsten Episode des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast. Sie basiert auf der Kurzgeschichte „Heimweg“ von Sarah. Da bemüht man sich so gut man kann, endlich mal abzuschalten und dann wird der Heimweg zum unverhofften Abenteuer. In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Lippenstift, Erleichterung, Papierflieger, Fieberwahn“ und „Miniatur“ vertextet und sie spielt am Setting „Bahnsteig“. Die Sprecherin dieser Episode ist Annika Gamerad.

Special zur dreihundertsten Story | Rahel

Sarahs Tag findet ihr hier.

„Okay, klar“, höre ich mich sagen, ohne so richtig aufgepasst zu haben. Mein Arbeitstag hat früh angefangen und lange gedauert und sogar wenn ich mich bemühen würde – was ich nicht tue – fiele es mir schwer, mich auf das zu konzentrieren, was Sarah mir mitteilen will. Meine Synapsen verlangen Ruhe, Entspannung und etwas Ablenkung vom ewigen Starren auf Bildschirme. Das einzige, was mich jetzt noch dazu anhalten könnte, diese beinahe dreistündige Skype-Konversation weiterzuführen, wäre die verlockende Aussicht auf einen meiner „Rants“ über dies und das gewesen. Egal wie ausgelaugt ich bin, mich in kindlicher Faszination über Dinge aufzuregen und sie gleichzeitig toll zu finden, hat mich […] Weiterlesen

Bermudadreieck

Müde sitze ich im beinahe leeren Intercity-Wagen, strecke mich und mache mich dann daran, meinen Laptop zusammenzuklappen und in der Umhängetasche zu verstauen. Nur mit halbem Ohr lausche ich der Durchsage des Zugbegleiters, dass wir gleich pünktlich in Zürich eintreffen werden und dies der Endbahnhof sei, bevor er mit einer unendlich scheinenden Geduld alle Nacht-S-Bahn-Anschlüsse aufzählt. Ich habe es nicht eilig, muss keinen Anschluss mehr erwischen und werde gleich zuhause sein. Während Weiche um Weiche einen mehr oder weniger sanften Stoß durch den Wagenkasten schickt und ich unfreiwillig hin- und herwippe, schaue ich abwesend aus dem Fenster. Gerade überquert der Zug die Langstraße, eine helle und beinahe schnurgerade Schlucht quer durch die Stadt, die unzählige Clubs, Take-Aways und Bars in allen erdenklichen Farben erstrahlen […] Weiterlesen

Selbstdisziplin und andere Erfindungen

Werte Damen, Herren und Literaten
Ohne Umschweife will ich nun gleich verraten
Dass ich mich heute
Sehr vorm Texten scheute
Vielleicht also werden meine Zeilen missraten

So ist das halt mit dem Schreiben
Manchmal läuft‘s und man lässt sich treiben
Andere Male wiederum
Bitte nehmt es mir nicht krumm […] Weiterlesen

Berufsnebenwirkungen

Nach einem kurzen Seitenblick schnippte Jan seinen Glimmstängel aufs Trottoir und wandte sich, ohne die Glut auszutreten um, wobei er beinahe in Annelise geprallt wäre, die gerade durch die Bürotür kam. Erschrocken riss die junge Frau ihre Hände nach oben und verschüttete dabei den Rest Kaffee, der nach der Pause noch übriggeblieben war, auf ihren Apothekerkittel. „Nein!“, schrie sie mit einer Mischung aus Verzweiflung und Tobsucht, bevor sie Jan so fest sie konnte in den Oberarm boxte. „Das war der letzte Kaffee, ich hasse dich!“
Verdutzt blieb ihr geschlagener Arbeitskollege stehen und starrte sie einige Sekunden lang an, bis die Tragweite der Situation in seine Gehirnwindungen gesickert war und er entsetzt fragte: „Was? Hat es keinen mehr im Schrank? Auch nicht hinter der Ovomaltine?“ […] Weiterlesen

Inside Clue Writing | Unsere Protokolle

Liebe Clue Reader,

Zur Feier des letzten Sonntags im Januar möchten wir euch auf eine spannende Reise hinter die Kulissen von Clue Writing einladen. In unserer heutigen Ausgabe von „Inside Clue Writing“ wollen wir euch erzählen wie wir unsere Arbeit am Projekt organisieren und Stories, Korrekturen und Beiträge planen.
Seit dem Sommer 2012, als die Geschichte von Clue Writing ihren Anfang genommen hat, haben sich bei uns nicht nur mehr als zweihundertfünfzig […] Weiterlesen

Halloween-Special | Drei

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Der Morgen war ruhig verlaufen, es hatte nur wenige Anrufe gegeben und Christine hatte frei, sodass Emil von ihren Lästereien verschont blieb. Er streckte sich ausgiebig und gab sich keinerlei Mühe, das Gähnen zu unterdrücken, immerhin war bis am Nachmittag niemand da, der ihn dafür hätte rügen können. Ein klein wenig langweilig war es aber doch geworden und als die kleine Zeitanzeige auf seinem Computerbildschirm endlich eine Pause […] Weiterlesen

Leonie die Anfängerin

Er ärgerte sich ein klein wenig darüber, dass sein Körper auf seichten Alternativrock reagiert hatte, als er das Wippen seines Fußes endlich bemerkt hatte und verdrehte kurz die Augen, bevor er einen weiteren Schluck seines Americanos trank. Leonardo wartete seit geschlagenen vierzig Minuten auf jemanden und hatte sich bisher die Zeit damit vertrieben, alte Ninja-Turtle Folgen auf seinem iPad anzusehen, doch das Ding hatte mittlerweile den Geist aufgegeben und einen einfachen Akkuwechsel konnte man von diesem Mistgerät natürlich nicht verlangen. Also hatte er sich einen weiteren Kaffee geholt und vergeblich versucht, das lakonisch dreinschauende Mädchen hinter dem Tresen in ein Gespräch zu verwickeln, bevor er sich mit einem Blaubeermuffin, welchen er nicht zu essen plante, wieder auf den abgewetzten Ledersessel fallen ließ. Natürlich war er etwas […] Weiterlesen

Familiengeschäft

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Los Angeles war eine heisse Stadt, nicht nur im übertragenen Sinn, sondern vor allem wortwörtlich. Die Sonne brannte unerbittlich und hatte seit Anfang der Hitzewelle schon einige Tote gefordert. Ich war froh, dass die kurzzeitig zu einer Aula umfunktionierte Turnhalle klimatisiert war und etwas Abkühlung bot. Das Schülerkonzert, dessen Aufführung ich mir (mehr oder weniger unfreiwillig) mitanhören durfte, war zwar nicht umwerfend, aber wenigstens nicht grauenhaft. Während ich da sass, einen grossen Schluck aus meiner Kaffeetasse nahm und fühlen konnte, wie mein Schweiss trocknete, blieb mir etwas Zeit nachzudenken. Sehr oft war mein Job viel langweiliger, […] Weiterlesen

Heimweg

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Lynn lehnte am Geländer der langen Rolltreppe und blickte den schrägen Tunnel entlang, den sie eben hinunterfuhr. Es war etwas später am Abend, als der grösste Ansturm auf das chronisch überfüllte Londoner U-Bahn-System bereits vorüber war. Lynn schloss für einen Augenblick die Augen und steckte ihre Hände in die tiefen Taschen ihres Mantels. Sie konnte den warmen Luftzug fühlen, der über ihre Wangen strich, den Mantel flattern ließ und ihr kurzes Haar nach hinten blies, als ein Zug in die Station einfuhr; eine angenehme Abwechslung zur bitteren Kälte draußen in der Stadt. Mit einem müden Seufzen öffnete sie ihre Augen wieder und konnte erkennen, dass die […] Weiterlesen