Zurückgelassen

Exakt um null vier neunundzwanzig Uhr setzt sich Kristof auf und verweilt eine Minute am Bettrand, bis der Wecker den Startschuss zum neuen Tag gibt. Zackig steht er auf, schüttelt Kissen und Decken aus und richtet sein Nachtlager proper her. Dann zieht er sich bis auf die Unterhose aus, legt den perfekt gefalteten Pyjama auf seinen Platz und geht auf die Veranda, wo er mit seiner allmorgendlichen Trainingsroutine beginnt. Mit jeder Woche knarren seine Knochen lauter, seine Muskeln lassen stetig weiter nach. Doch obschon von seiner einstigen Form nur noch wenig übrig ist, schafft er gut vierzig Liegestützen, über zwanzig Kniebeugen und sieben Klimmzüge, schließlich ist ihm seine körperliche Fitness wichtig. Die gesättigt warme Luft hilft seinen Gelenken, hält sie zumindest einigermaßen geschmeidig, aber das ist nicht der Grund, weshalb er tief im […] Weiterlesen

S08E18 | Wortverbot

Wir möchten euch herzlich zur achtzehnten Episode der achten Staffel des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast begrüssen. Sie basiert auf der Story „Wortverbot“ von Rahel. Heute sprechen wir Klartext über Niggers, Crackers und vor allem Kontext. In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Hundekuchen, Seitenblinker, Waffensystem, Baumflechten“ und „Neujahrsvorsatz“ vertextet und sie spielt am Setting „Polizeirevier“. Die Sprecherin dieser Episode ist Elke Winkler. […] Weiterlesen

Wortverbot

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Die Zeit fror ein. Kevin schien es, als hörte er das Brummen des Polizeireviers durch einen dichten Vorhang. Tastaturgeklapper, Telefonläuten, Unterhaltungen sowie das sporadische Gluckern des Wasserspenders waren sein einziger Anhaltspunkt dafür, dass die Welt nicht tatsächlich stehengeblieben war. De Soto und Edelstein verharrten regungslos, blickten ihn vollkommen entgeistert an.

Eine Minute, vierzehn Sekunden vorher

„… einen schnappst, ist schon längst überfällig“, spottete De Soto seinem Partner kollegial […] Weiterlesen

Im stillen Kämmerchen

Ralf lehnte mit seinem schmalen Rücken und angezogenen Beinen an den nach Großmutters Mottenkugeln duftenden Mantel, der schon seit Jahren nicht mehr getragen wurde. Angespannt starrte der Junge auf den einzelnen, warmen Lichtstrahl einer Glühbirne, der durch den schmalen Spalt fiel, da wo die Tür nicht ganz abdichtete. Normalerweise gefiel es ihm, sich in dem Kämmerchen zu verstecken, sei es, weil er spät aufblieb, um zu lesen oder weil Mami und Papi sich mal wieder stritten. Ralf mochte es nicht, wenn seine Eltern sich zankten. Wenigstens hatte er schnell begriffen, dass sie sich stets versöhnten und ihm Mami danach sogar ein Eis brachte, wenn das Geld reichte.
Diesmal war alles anders, denn der Mann unten im Wohnzimmer war ein Fremder. Seine sonore Bassstimme wechselte sich mit der von Papa ab, klang bestimmt, Ungemach […] Weiterlesen