Tief gesunken

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

„Sir, wir haben die maximale Tiefe erreicht. Wir sind auf dem Meeresboden.“
Captain Delacroix wandte sich dem ersten Offizier zu und nickte zufrieden. „Gute Arbeit, Wilson. Aktivieren wir die Systeme.“
Stille legte sich über das Kommandodeck, einzig unterbrochen von dem gleichmäßigen Summen des nuklearen Antriebs sowie der Klimaanlage. Der Captain genoss diesen Moment, wohl wissend, wie kurz er andauern würde. […] Weiterlesen

Konundrum

Malcom seufzte müde, als der letzte Patient des Tages aus dem Sprechzimmer humpelte und die Tür hinter ihm mit einem leisen Zischen zuglitt. Viola hob mit einem Summen den Kopf und starrte ihn mit ihren blau leuchtenden Augen fragend an. „Hätte das Pathos ausdrücken sollen, Doktor Gray?“
Er konnte ein dummes Grinsen nicht unterdrücken, als er entgegnete: „Nein, Müdigkeit.“ Viola war schon seit beinahe einem Jahrzehnt sein medizinischer Assistenzroboter, doch sie hatte in all der Zeit keinen Sinn […] Weiterlesen

Heute gibt es keine Schlägerei

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

„Holz? Ist das dein Ernst?“, fragte Stanley, als er neben seiner besten Freundin durch den eisigen Wind hastete, vorbei an einem Schild, das vor akuter Lawinengefahr warnte. Über ihnen türmten sich die wolkenverhangenen Gipfel einer Bergkette auf.
„Ja, Holz“, bestätigte Natala humorlos und zog ihre dünne Lederjacke enger um sich. Ihr Sternenschiff, die Promise, war bereits nach einigen Schritten im Schneegestöber unsichtbar geworden, die Blockhäuser der […] Weiterlesen

Ritual und Frühstück

Fernando wippte unwohl vor sich hin, verlagerte sein Gewicht von der einen auf die andere Sohle. Der Vollmond beschien den nebligen, alten Friedhof und er bereute, ausgerechnet zu diesem Treffpunkt gehen zu müssen. Er hatte erwartet, im Dunkeln unbeobachtbar zu bleiben, stattdessen war es beinahe taghell. „Komm schon, komm schon“, zischte er ungeduldig und trommelte mit seinen Fingern auf den Oberschenkeln. Es war sein erstes Mal, die Nervosität wurde ihm schier unerträglich. Selbstverständlich, jeder fängt unten an, […] Weiterlesen

Der Mörder von Morville

Diese Kurzgeschichte erschien im Rahmen der siebten Clue Writing Challenge.

Madame Mimi Moffat war eine typische alte Dame, nun ja, zumindest sah sie selbst das so. Allerdings fiel sie in dem kleinen Dörfchen Morville dank einiger Eigenarten auf. Sie wurde gemeinhin als die „schrullige Französin“ bezeichnet, die in einer zerfallenden Villa auf dem bewaldeten Osthügel lebte. Eigentlich war sie bloß zu einem Achtel Französin, nichtsdestotrotz bestand sie darauf, mit „Madame“ angesprochen zu werden, man sollte ihr schließlich den gebührlichen Respekt zollen. […] Weiterlesen

Special zur sechshundertsten Story | Die Sechshundert

„Hach, was für ein schöner Tag“, frohlockte Melissa, als sie die Fensterläden aufmachte und auf die verschneite Morgenlandschaft blickte. „Beinahe idyllisch.“
Alexander, ihr Mann, streckte sich ausgiebig und strich sich über den Bart. „Hauptsache, wir haben reichlich zu essen und Brennholz.“ Damit schlenderte er ins Badezimmer, um sich frischzumachen.
„Was für ein Morgenmuffel“, kicherte Melissa und stellte die Tassen für das Frühstück auf den Tisch. Die Dielen ächzten unter ihren Schritten und insgeheim fragte sie sich, ob das am Alter des Fußbodens lag, oder sie zugenommen hatte – zu dumm, gab es keine Waage. Routiniert stapelte sie Holz in den Ofen, entzündete ein Streichholz und seufzte: „Ein Generator wäre nett.“ Sie beobachtete schweigend, wie die Flammen Halt fassten und […] Weiterlesen

Weihnachts-Special | Weihnachten auf der Spes Solis

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

„Gānbēi!“, flötete Lin fröhlich, als sie ihr Glas mit dem widerlichen Getränk über dem Tisch in die Höhe hob. Greg und Seung stießen bereitwillig an, zögerten dann aber, als es darum ging, das Zeug wirklich zu trinken, das nicht nur eine grausige Farbe hatte, sondern auch nicht viel besser roch.
„Wie wär’s stattdessen mit Tee?“, versuchte Seung vorsichtig vorzuschlagen und stellte sein Glas wieder auf den Tisch. Er hätte damit gerechnet, dass Lin ihn rügen würde, immerhin war sie es gewesen, die mühsam aus den heruntergefallenen Früchten etwas gebraut hatte, das bloß entfernt an Wodka erinnerte. Doch zu Seungs Überraschung war es Greg, der beinahe befehlend blaffte: „Keine Rückzieher, trink!“ […] Weiterlesen

Patreon-Bonus | Patrizid

Dies ist eine Bonus-Story, ein Dankeschön für unsere Patreon-Unterstützer. Wer Zugang zu diesem und vielen weiteren exklusiven Inhalten haben möchte, kann sich jederzeit auf Patreon als Clue Writing Unterstützer registrieren und das Passwort erhalten. Selbstverständlich bleiben alle regulären Inhalte von Clue Writing kostenlos verfügbar. Um die Geschichte zu lesen, gebt bitte euer Passwort ins unterstehende Feld ein:

Special zu Sarahs zweihundertfünfzigster Story | Auf nach Alteram Vicem

Entnervt lausche ich der Stimme in meinem Kopf, die verkündet, ich solle aufstehen. Ich habe Wecker schon zu jenen Zeiten gehasst, als ich keine bioelektronischen Implantate hatte, aber die telepathische Version ist tatsächlich schlimmer. „Ist gut, bin wach“, murre ich gedanklich und richte mich auf – wenigstens ist der impertinente Piepston, der zusätzlich durch meinen Schädel hallte, endlich verstummt. Die erste halbe Stunde des Tages ist für mich bis heute seltsam: Während die Cyborg-Teile vollständig hochgefahren sind, kommt der organische Teil meines Körpers gerade erst zu sich. Nach über zweihundertfünfzig Jahren habe ich aufgegeben jemals ein Morgenmensch zu werden. Glücklicherweise ist die Erde ein Ort, der nie schläft und meinem Jobs als Schriftstellerin und Designerin virtueller Realitäten kann ich rund um die Uhr nachkommen. […] Weiterlesen

Special zu Rahels zweihundertfünfzigster Story | Alteram Vicem

Das System wird gebootet, die Bioware-Treiber initialisiert und schließlich rahel3145.exe ausgeführt. Schlagartig öffne ich die Augen und starre an die Deckenkuppel meines Habitats, wo aktuelle Wetterdaten, Nachrichten und verpasste Mitteilungen eingeblendet werden. In Gelb hinterlegter Schrift zählt der Countdown zu Sarahs Ankunft hinunter: Zwei Tage, sechsunddreißig Stunden, zwölf Minuten und vierzehn, nein, dreizehn Sekunden. Achtundzwanzig Jahre ist es nun her, seit wir uns das letzte Mal in Fleisch und Blut statt via Direktübertragung gesehen haben. Wobei die Umschreibung ‚Fleisch und Blut‘ zumindest bei Sarah nicht mehr ganz korrekt ist, besteht sie doch vorwiegend aus mechanischen Teilen. Ich hingegen ließ meinen Originalkörper zurück, als seine Gebrechen umfangreichere Modifikationen bedurften. Einen sentimentalen Wert hatte […] Weiterlesen