Vampir, hungrig, sucht …

„Als Vampir hat man es nicht immer leicht. Davon hört oder liest man nichts, nein. Entweder werden wir als blutrünstige Monster dargestellt, vielleicht als kitschige Romantik-Fantasie. Ob ein Vampir seine Steuererklärung ausfüllt, aufs Klo geht und Pakete auf die Post bringt, ja, das will keiner wissen. Ehrlich, in einer Gesellschaft, in der man uns bloß auf Stereotypen reduziert, läuft einiges schief.“
Ich lege den Stift beiseite, denn ich kann schlecht ewig hier im Krankenhaus im Wartebereich herumlungern, ansonsten erwecke ich Verdacht. Mein Tagebuch muss sich daher gedulden und ich widme mich meinem aktuellen Problem: Blutkonserven zu klauen ohne dass ein Arzt auf die Idee kommt, meine Temperatur zu messen (die, da ich untot bin, selbstverständlich identisch mit der Raumtemperatur ist, was zu einem kleinen […] Weiterlesen

Advents-Special | Ausgrabung

Die Eiszapfen glitzerten in dieser kalten Nacht, schimmerten im Licht der Halogenstrahler, die gar lange nach Mitternacht den Kirchturm des Dorfes beleuchteten. Nichts regte sich auf dem an das Gotteshaus  grenzenden Friedhof, nichts außer zwei Gestalten in dunklen, dicken Kapuzenmänteln, die mit geschulterten Schaufeln neben einem Grab Halt machten.
„Ist es das?“, erkundigte sich der Gehilfe schwer schnaufend, ließ seine Schaufel mit einem lauten Geräusch auf die Waschbetonplatten aufkommen, schlug die Kapuze zurück und zeigte auf den schlichten Grabstein.
Sein Begleiter, der Professor, (der in Wirklichkeit kein Professor war) stützte sich auf seinem Werkzeug auf und seufzte: „Ja, das ist es. Das erste Mal ist immer am […] Weiterlesen

Auf der Mauer, auf der Lauer – das postikonische Vampirtagebuch

Eigentlich hätten wir uns kaum bewegen, sicherlich nicht sprechen dürfen, doch es fiel mir unglaublich schwer. Das hier war spannender als jeder Krimi, den man für fünf Euro in der Wühlkiste fand, der wohl einzige Lesestoff, mit dem ich mir die Zeit vertrieb. Die Friedhofsmauer, auf der wir ausgestreckt und miteinander zugewandten Gesichtern lagen, war kalt, immerhin war es schon fast Halloween. Ich ergriff seine eisigen Hände, sah tief in seine wundersam blauen Augen, in denen ich mich sowas von komplett verlieren könnte … Ich war verliebt, mit Leib und Seele. Wieso nur konnte ich dieses intensive Blau im Zwielicht so gut erspähen, nachts auf dem alten Friedhof, wo Nebel über die schräg stehenden Grabsteine waberte, ein Käuzchen auf den scherenschnittartigen Ästen saß und sich der zerfallende Kirchturm gegen die vom Mond erhellten Wolken abzeichnete? […] Weiterlesen

Gaststory | Seltsame Begegnungen

Frühling, ja es war Frühling und Noa hockte auf einem Friedhof. Hier verbrachte sie hauptsächlich ihre Freizeit. Es war der einzige Ort an dem sie mal Ruhe vor allen hatte und sich zurücklehnen konnte, ohne dass ihr Smartphone sie störte, da sie es immer, wenn sie sich auf dem Friedhof versteckte, ausschaltet.
Sie liebt die Ruhe und hörte gerne den Vögeln zu, die an bestimmten Tagen einer Sinfonie ähnelten. Noa liebte das einfach.
An solchen Tagen saß sie dort stundenlang, nur dieser Tag sollte anders sein. Dies wusste sie aber noch nicht, denn sie saß wie immer am selben Platz und las ein Buch.
In der Geschichte ging es mal wieder hauptsächlich um Sex, was sie irgendwie abartig fand, denn die Beschreibungen waren extrem detailgetreu, aber trotz allem fand sie das […] Weiterlesen