Vampir, hungrig, sucht …

„Als Vampir hat man es nicht immer leicht. Davon hört oder liest man nichts, nein. Entweder werden wir als blutrünstige Monster dargestellt, vielleicht als kitschige Romantik-Fantasie. Ob ein Vampir seine Steuererklärung ausfüllt, aufs Klo geht und Pakete auf die Post bringt, ja, das will keiner wissen. Ehrlich, in einer Gesellschaft, in der man uns bloß auf Stereotypen reduziert, läuft einiges schief.“
Ich lege den Stift beiseite, denn ich kann schlecht ewig hier im Krankenhaus im Wartebereich herumlungern, ansonsten erwecke ich Verdacht. Mein Tagebuch muss sich daher gedulden und ich widme mich meinem aktuellen Problem: Blutkonserven zu klauen ohne dass ein Arzt auf die Idee kommt, meine Temperatur zu messen (die, da ich untot bin, selbstverständlich identisch mit der Raumtemperatur ist, was zu einem kleinen […] Weiterlesen

S06E11 | Homo homini Lupus est. Die unwiderstehliche Boshaftigkeit der Gruppendynamik

Wir möchten euch herzlich zur elften Episode der sechsten Staffel des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast begrüssen. Sie basiert auf der Story „Homo homini Lupus est. Die unwiderstehliche Boshaftigkeit der Gruppendynamik“ von Rahel. Wer auf dem Dachboden wühlt, entdeckt verborgene Schätze. In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Praktikabilität, Kommode, Kreissäge, Hinweisschild“ und „Wunschkind“ vertextet und sie spielt am Setting „Fähre“. Die Sprecherin dieser Episode ist Rahel. […] Weiterlesen

Manchmal muss man einfach Purzelbäume schlagen

Warnung: Das in dieser Kurzgeschichte dargestellte Gedankengut könnte auf einige Leser beleidigend wirken. Mehr zu unseren Warnungen sowie wann und weshalb wir sie anwenden, erfahrt ihr in unseren FAQ.

„Na, der Idiot hat’s wenigstens hinter sich“, murmle ich und unterdrücke den sarkastischen Kommentar, den ich zu gerne meinen Mitreisenden mitgeteilt hätte, als die Durchsage „Personenunfall …“ erklingt. Meine Fresse! Ich weiß schon genau, was jetzt kommt: Warten im Schneefall, Bahnersatzbus, rappelvoll jammernder Vollpfosten, die keine Ahnung vom Betriebsablauf haben und sich darüber auslassen, dass die Bahn keine Magier einstellt. Oder die Polizei nicht schneller den Glibber von den Schienen kratzt und […] Weiterlesen

Das Ende der Höflichkeit

„… und damit wäre der Konzentrationsausgleich erklärt“, beendete der Herr Winter, der Biologielehrer an meinem Gymnasium, seine Ausführungen und machte dann eine kurze Pause. Stefan stupste mich an und flüsterte: „Mir hängt Osmose so zum Hals raus.“
Gleichgültig zuckte ich mit den Schultern und versuchte den letzten Satz in meinen Notizen fertigzuschreiben, doch er wollte diesmal nicht so einfach aufgeben. „Was hältst du davon?“
Mir war rätselhaft, wieso Stefan sich ausgerechnet den Platz neben mir ausgesucht hatte, denn wir hätten nicht verschiedener sein können. Er war der typische Vertreter der Gattung „Demotivierter Gymnasiast“, während ich ganz und gar dem Lernen und der Höflichkeit verschrieben war und mir ständig vorgehalten wurde, dass ich ein Streber sei. […] Weiterlesen

Homo homini Lupus est. Die unwiderstehliche Boshaftigkeit der Gruppendynamik

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Luana saß vor einem der schräggestellten, gigantischen Panoramascheiben, die drei Seiten der etwas altmodisch eingerichteten Lounge einrahmten, und blickte, hypnotisiert von den weißen Schaumkronen der gebrochenen Wellen, auf die See. Die anderen waren kurz nach Abfahrt der Fähre in den Duty-Free Läden verschwunden und waren gerade dabei, sich für drei Jahre mit Kosmetika und Kinkerlitzchen einzudecken. Das gleichmäßige Wanken der mit über fünfzig BRZ vermessenen Ulysses vermochte es Luanas Nerven ein wenig zu beruhigen und sie genoss die seltene Gelegenheit zur Einsamkeit auf diesem unsäglich fürchterlichen Studienausflug. Doch wie sich […] Weiterlesen