Gaststory | Alles koscher!

Wie schon zweimal zuvor erhielt Ariel seine Karteikarte erst einen Tag vor dem eigentlichen Auftrag – fein säuberlich in einem zugeklebten Umschlag.
Jargo, der kleine Boss, schaute ihn ernst an. „Morgen um zehn Uhr erwartet dich beim angegebenen Bahnhof ein Herr Lehm. Da bekommst du auch dein Lieferauto.“ Jargo sagte es mit einem Augenzwinkern, wussten doch beide, dass es sich wahrscheinlich um einen schnellen Sportwagen handelte. „Sei pünktlich.“
Ariel nickte. Er verließ so cool wie möglich die Lagerhalle. Verhalte dich wie James Bond, murmelte der Teufel auf seiner Schulter, undurchschaubar. Der Engel auf der anderen Seite schnaubte nur verächtlich Wunschdenken. […] Weiterlesen

Interview | Henri Pose

Werte Clue Reader

Heute haben wir im Clue Writing Interview Henri Pose zu Gast, in dessen Bibliographie sich Krimi- wie Hamburg-Liebhaber wohlfühlen werden. Mit seinem Debütroman, dem Thriller „Eridanos“, betrat er noch als Abiturient die Selfpublisher-Bühne und veröffentlicht seit 2016 im Hause Midnight by Ullstein. In seiner bislang zweiteiligen Krimi-Reihe um den Privatdetektiv David Brügge präsentiert und Henri Pose neben gekonnt ausgearbeiteten Figuren ebenso hanseatisches Lokalflair, gewürzt mit Erinnerungen an den Film Noir. Sein dezent fliessender Schreibstil verspricht wenig Ablenkung von den Kernstücken seines literarischen Schaffens und trägt die Handlungen in eine Richtung, die sich dem Leser […] Weiterlesen

Gaststory | Der Asylant

Er saß in der S-Bahn, die ihn vom Hamburger Flughafen zum Hamburger Hauptbahnhof bringen würde. Der Flieger von Frankfurt war schon früh gestartet, dementsprechend hatte er den Wecker auf vier Uhr morgens gestellt. Nun war es fast halb neun und er war erschöpft. Das frühe Aufstehen war er als Künstler nicht gewohnt. Normalerweise rappelte kein Wecker. Er erwachte, wann es ihm gefiel, meistens zwischen zehn und elf Uhr. Dann begab er sich mit einer Tasse schwarzem Kaffee – nur diese Art von Kaffee liebte er, denn das war nach seiner Ansicht das Urprodukt – an seine Staffelei und war oft nach wenigen Schlucken in der Lage, an seinem aktuellen Werk weiterzuarbeiten. Er war Maler, wie das früher hieß. In seinem Marketingauftritt nannte er sich allerdings Illustrator. Das klang einfach besser. Hamburg betrachtete er nun schon seit über fünfundzwanzig Jahren als […] Weiterlesen