Der Wunsch

Für Sarah

Mir gegenüber sitzt du, stumm ein vegetarisches Schnitzel in Stücke schneidend, während du deine Aufmerksamkeit zwischen mir und dem abendlichen Fernsehprogramm halbierst. Dich beim Essen zu beobachten hat für meinen Spatzenappetit Gewöhnungszeit benötigt. Du isst so viel wie die Raupen, vor denen du dich gruselst und ich bin alleine vom Zusehen übersättigt; wohin all die Kalorien verschwinden, ist mir bis heute unklar. Dieser Umstand ist in tausend kleinen Insiderwitzen verewigt, denn du fürchtest meinen Humor auf deine Kosten nicht, vertraust darauf, dass ich ihn deinen Empfindlichkeiten anpasse; du retournierst diesen Gefallen, wie jeden anderen, den ich dir […] Weiterlesen

Freundschaft: Durch fett und fetter

Marina hatte noch nie viel von Diäten gehalten, doch sie machte sich auch nichts vor: Sie mochte es zu essen und das war auch der einzige Grund, dass sie etwas übergewichtig war. Nicht die Supermärkte, nicht das angeblich so harte Leben, die Werbung oder ihre schreckliche Familie waren die Ursache dafür, nein, es war ihre Begeisterung für alles, was man mit Käse überbacken konnte. Eigentlich war das Marina egal; Hauptsache sie war trotzdem einigermaßen trainiert und bekam bei jedem Checkup ein zufriedenes Nicken von ihrem Arzt. Der böse Fernseher hielt sie zwar ab und an von ihren sportlichen Vorhaben ab, aber das machte den Sieg über den inneren Schweinehund nur noch süßer. Am Ende des Tages musste man die Sache mit Humor nehmen und konnte die Verantwortung nicht auf andere abschieben. Ein lautes Hupen und das Kreischen von den […] Weiterlesen

Weihnachts-Special | Die dunklen Machenschaften des Mr. Spekulatius

„Guten Tag, Mr. Spekulatius, was darf es denn heute sein?“ Und da stand sie wieder, so wie am Tag zuvor und am Tag davor und vermutlich wird sie auch noch morgen und übermorgen und in zwanzig Jahren hier stehen. Versteht mich nicht falsch, ich mochte die Frau, deren Namen ich schon tausendmal gehört habe und mir doch nicht merken kann, weil er mir in etwa so wichtig ist, wie die Lage im Libanon, im Prinzip wirklich sehr gerne. Oder besser gesagt, ich mochte es, sie wie die vielen anderen Konstanten in meinem Leben als allmorgendlichen Orientierungspunkt zu benutzen. Aber, und dieses eine „aber“ kann ich nicht genug betonen, die gute Dame war dermaßen unterbelichtet, dass man meinen könnte, irgendein verrückter Professor aus einem drittklassigen Horrorroman für sterbensunglückliche, egomanische Teenager hätte an ihr eine Lobotomie durchgeführt. […] Weiterlesen