Auf Abwegen

„Durchgeknallt, das bist du!“, schimpfte Heinz mit seiner Liebsten. „Ehrlich, Gudrun. Das ist schwachsinnig.“ Die Angesprochene zuckte mit den Schultern, zog Schnodder die Nase hoch, ehe sie sich entspannt an die bröckelige Wand lehnte und meinte: „I wo, so schlimm ist das alles gar nicht.“ Dann beugte sie sich ein wenig vor, um ihre Stützstrümpfe zurechtzuzupfen und tippelte vorsichtig weiter den Schacht hinunter. Heinz folgte ihr mit einem knappen Meter Abstand, hielt dabei seine Rechte so ausgestreckt, dass er sie auffangen könnte, sollte sie stürzen.
Gudrun war seine dritte große Liebe, obschon er zu gerne behauptete, sie sei die erste und letzte. Vor ihr waren Karin und die zweite Karin seine Angetrauten gewesen. Wobei die zweite Karin, das war ihm mittlerweile klar, eine eher schlechte als rechte […] Weiterlesen

Grund zum Lächeln

Zaghaft taste ich mich auf dem Schotter voran. Mich begleitet die unbehagliche Vorstellung, ich könnte mit dem losen Gestein in die Tiefe stürzen, im Tal zerschellen. Wieso? Wieso fürchtet sich mein Herz vor dem, was es begehrt? Weil das Zerspringen an Felswänden nicht meiner Vision entspricht? Es ist viertel nach sechs Uhr an einem Samstagmorgen. Einige Vögel singen, aus der Ferne dringt Wasserfalldonnern an meine Ohren, es rauscht durch meine Adern und versickert irgendwo in den Ecken meines Verstandes. Seit Montag ist alles vorbereitet, besiegelt. Geplant war mein Vorhaben schon vor Jahren, Jahrzehnten vielleicht, wer weiß. Wahrscheinlich wird man sich eine Weile darüber unterhalten, bestimmt werden Vermutungen geäußert, Spekulationen gemunkelt. Schlussendlich werden die Leute den heutigen Tag vergessen. Der Berghang hoch über […] Weiterlesen