Kekse und Tomatensaft

Warnung: Diese Kurzgeschichte enthält Szenen, die auf einige Leser beunruhigend wirken könnten. Mehr zu unseren Warnungen sowie wann und weshalb wir sie anwenden, erfahrt ihr in unseren FAQ.

Tony kniet keuchend auf dem festgefrorenen Boden. Sein Atem bildet Dampfwolken, die Luft brennt in seinem Hals und seine Muskeln zittern vor Erschöpfung. In der Dunkelheit, die selten von ein paar durch die Wolkendecke dringenden Mondstrahlen erhellt wird, ist es ihm unmöglich, sich im Wald zu orientieren; er ist weitab jeder Zivilisation. Minutenlang sitzt Tony reglos da, dann steckt er seine Hände in die Jackentaschen und bekommt den kleinen Plüsch-Pinguin zu fassen, den er für seine fünfjährige Tochter gekauft hat. Das muss vor einer schieren Ewigkeit gewesen sein. Danach … Nein, daran darf er keinesfalls denken, scheltet er sich innerlich. Sein Hirn ignoriert ihn, ruft zuverlässig die peinigende Erinnerung hoch und Tony speit Magensäure auf den Schnee. […] Weiterlesen

Katz und Maus

Die Luft kühlte sich nach der Hitze des Tages langsam ab. Im Gegensatz dazu wurde die Stimmung in dem weitläufigen Saal immer hitziger. Thien war vor einer Weile mit hängenden Schultern und leerem Rucksack in ihr vorläufiges Quartier zurückgekehrt. Schon wieder kein Essen. Doch das war nicht die schlimmste Nachricht, die er mitgebracht hatte, Mei hatte sie kontaktiert und es verhieß nie etwas Gutes, wenn sich die Immobilienmaklerin bei ihnen meldete. Schlimmer noch, Thiens Akku hatte nach wenigen Minuten den Geist aufgegeben, weswegen sie nun nicht einmal wussten, weshalb Mei angerufen hatte. Lian, der jüngste in der Gruppe, tigerte aufgeregt vom einen Ende des kargen Raums zum anderen. Seine abgewetzten Turnschuhe schlurften laut über den betonierten Boden, bis Naren ihn mit einer entnervten Geste stoppte. „Es reicht! Diese […] Weiterlesen

Salzige Kekse, oder: Das Oberstübchen der anderen Hälfte

Guten Tag meine lieben und weniger lieben Freunde und seid herzlich willkommen in meiner kleinen Welt im nicht ganz obersten Stock der Schweiz, welche gerade zur Abstimmungszeit immer wieder zuverlässig an ein Irrenhaus erinnert.
Ich hoffe eure digitale Anreise war angenehm und ihr konntet an einem klaren Tag wie diesem die fantastische Aussicht auf Google-Maps genießen, soweit das im Heranzoomen halt eben möglich ist. Aber kommen wir doch gleich zu dem, was euch hier hin gebracht habt, immerhin seid ihr alle hochbeschäftigte Leute, deren Freizeit kostbar ist und ich will am Ende nicht die Verantwortung dafür tragen, wenn die Pflicht ruft, bevor ihr euch das neueste Katzenvideo ansehen konntet oder eure Lunchbreak Mandarin-Lektion verpasst. […] Weiterlesen