Fan-Bonus | Revolution

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Keuchend schloss Liu die Tür des Blumenladens hinter sich und stellte den handlichen Aktenkoffer ab. Donner grollte aus dem verhangenen Nachthimmel und im Schimmer der Straßenlaternen, der ins Innere drang, konnte sie einige blühende Orchideen ausmachen. Liu schlüpfte aus ihrem[passster password=“rE498-4721dsf“] Mantel, warf ihn achtlos auf einen Stuhl, schüttelte ihre Mähne sowie den durchtränkten Tweedrock aus und atmete tief durch. „Verflucht, wieso habe ich meinen Schirm vergessen?“ Sie ging zur Ladentheke, die morschen Holzdielen knarrten unter ihrem Gewicht. „Wo ist er bloß?“, flüsterte Liu und zündete sich fahrig eine Zigarette an. „Hoffentlich gab es kein Missverständnis.“
Durch den Herbststurm vernahm sie Motorengeräusch, sie spannte sich an – man sollte Verrat niemals auf die leichte Schulter nehmen, erst recht, wenn man mit skrupellosen Mördern zu tun hatte. Zudem war dies ihr erstes Mal, der Mangel an Erfahrung trug zweifelsohne ebenso zur Nervosität bei und wenn alle, mit denen sie diese Nacht zu tun hatte, Waffen trugen, war das keinesfalls beruhigend. Sekunden später brauste ein Lincoln Continental vor dem Schaufenster vorbei und sie seufzte. Ihre Erleichterung war von kurzer Dauer, denn aus einem Hinterraum polterten plötzlich schwere Schritte und die Tür zum Laden wurde aufgestoßen. Sie beobachtete den Schemen durch den dämmrigen Raum wandeln. „Liu, du bist spät.“ Nach einer Pause folgte ein abschätziges Schnauben. „Und nass.“
„Sei still, Marcus“, zischte sie, „ein Wunder, habe ich es in dem Sturm überhaupt geschafft. Die Hälfte der Stadt ist überflutet.“
Er gluckste und kramte eine Zigarre aus einer Box. „Umso besser, so ist die Polizei beschäftigt. Für eine, die beim Widerstand ist, beschwerst du dich ganz schön oft. Ich mein‘ ja nur.“ Das Aufflackern des Feuerzeuges erleuchtete die Miene des Ladenbesitzers.
„Ich bin Wissenschaftlerin, keine Widerstandskämpferin“, erwiderte sie, holte ihren Koffer und legte ihn auf dem Tisch ab. „Und ich werde auch nie eine werden, damit das klar ist. Unsere Zusammenarbeit endet hier.“
„Sind das die Pläne?“
„Nein, Gänseblümchen.“ Sie unterdrückte den Impuls, „du Trottel“ zu ihrer sarkastischen Antwort hinzuzufügen, bevor sie ernst fortfuhr: „Selbstverständlich sind das die Pläne.“
„Super, dann haben wir was wir brauchen. Gegen diese Waffe sind die Tyrannen chancenlos.“
„Danke Liu, das war alles, was wir benötigen“, erklang eine tiefe Stimme aus einer versteckten Ecke. Marcus fuhr herum und starrte auf den Mann, der mit einer gezogenen Beretta zu den beiden trat. „Du dreckige Verräterin“, brüllte Marcus Liu an und schlug ihr ins Gesicht. „Du hast mich an das Regime verkauft!“
Sie schrie erschrocken auf, taumelte rückwärts und setzte sich dann wortlos auf den Stuhl, auf dem ihr nasser Mantel lag. Teilnahmslos fixierte sie eine Bodendiele, schaute nicht auf und ignorierte, wie der revolutionäre Blumenhändler keifend abgeführt wurde. Der Regierungsagent, dessen Namen ihr unbekannt war, trat zu ihr. „Gute Arbeit, Liu. Sie sind eine doppelte Anlage für die Regierung. Als Wissenschaftlerin und nach heute auch als Doppelagentin.“
„Danke, Sir.“
„Bitte warten Sie noch, unser Inspektor und der Staatsanwalt werden gleich zum Debriefing da sein. Der Prozess wird schon übermorgen stattfinden und wir möchten, dass sie keinen Meineid leisten und die Position des Staates im Zeugenstand genauestens vertreten. Solche Dinge will man möglichst rasch und sauber erledigen, um keine Märtyrer zu schaffen, Sie verstehen?“
„Sicher, Sir.“
„Gute Arbeit“, wiederholte der Agent, ergriff den Koffer mit den Plänen und verließ den Laden. Liu sah ihm nachdenklich hinterher, wohl wissend, dass diese Angelegenheit gerade erst begonnen hatte. Sie lehnte sich auf dem lottrigen Stuhl zurück und entfachte die zweite Zigarette dieses Abends. Ein Schmunzeln machte sich auf ihren Lippen breit. Marcus war sofort auf die Falschmeldung hereingefallen und hatte ihr Interesse an seinen Machenschaften als Zustimmung interpretiert. Eine Fehlinterpretation, die er teuer zu bezahlen hatte. Weil sie ihn in diesen Hinterhalt gelockt hatte, wird er zweifelsohne hingerichtet. Sie sollte sich schuldig fühlen. Sollte. Aus Marcus‘ Sicht musste das Regime fallen, Kollateralschäden scherten ihn nicht. Wie es ihr damit ginge, würde sich erst noch zeigen. Das war aber nicht der Grund für ihren Verrat an ihm gewesen, nein. Er und seine Kampfgenossen waren auf ihrer Sicht kaum einen Deut besser als die Machthaber und hatten sie unter Druck gesetzt, ihnen die Pläne auszuhändigen.
Die Regierung war ebenso naiv wie Marcus. Um sie hinters Licht zu führen, musste Liu nicht einmal lügen, lediglich eine klitzekleine Verschlimmbesserung an den Bauplänen anbringen – ein Ablaufdatum, nachdem die Bomben von alleine zündeten. Und bald säße der Diktator auf einem Waffenarsenal, das sich und ihn gleich selbst vernichten würde. Im Vergleich zu ihr war der Widerstand eine Lachnummer, ihre stümperhaften Bemühungen peinlich. Lius Blick fiel auf die Orchideen. Milde lächelnd nahm sie ein Pflänzchen an sich, um es mit sich in Sicherheit zu bringen. Es sollte nicht unter dem Niederschlag des bevorstehenden Ereignisses leiden und verbrannt oder verstrahlt werden. Liu mochte Blumen halt mehr als Menschen und hatte nicht vor, dieses unschuldige Ding mit menschengemachten Superwaffen zu zerstören.

Autorin: Sarah
Setting: Blumenladen
Clues: Fehlinterpretation, Missverständnis, Falschmeldung, Verschlimmbesserung, Meineid
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